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Technik

Repowering - Die Zahl der erneuerten Windenergieanlagen geht zurück. Grund ist der fehlende Repowering-Bonus. Künftig zählt mehr denn je der Standort.

31. August 2015

Direkt an der Nordseeküste bei Neuharlingersiel drehen sich seit 2014 vier neue Windenergieanlagen (WEA). Die Enercon-Turbinen wurden anstelle von insgesamt 17 Altanlagen installiert. Durch das Repowering-Projekt erhöhte sich die installierte Leistung von 6,63MW auf 30MW. 51Mio € investierte der Betreiber Neuhwerd Energie in das Vorhaben. Die alten Anlagen waren zwischen 1994 uund 1998 aufgestellt worden. Ab 2006 wurde bei Neuhwerd Energie bereits daran gearbeitet, die damaligen Bestandsanlagen eines Tages durch neue Technik zu ersetzen. Der Atomunfall in Japan 2011 gab der Idee zusätzlichen Antrieb.

Planungsrecht

Denn eines war klar: Der Standort direkt an der Nordseeküste war optimal für die Erzeugung von Windstrom. Experten errechneten in einer Potenzialstudie die bestmöglichen Standorte für die geplanten Neuanlagen; daraufhin wurde ein enger Korridor festgelegt, in dem die Anlagen stehen sollten. »Die meiste Zeit nahm das Planungsrecht in Anspruch«, sagt Hero Janßen, Landwirt und einer der Geschäftsführer von Neuhwerd Energie. Mindestens drei bis vier Jahre Vorlauf sollten eingeplant werden, wenn es kein Vorranggebiet gibt. Besteht ein Vorranggebiet bereits, müssen zwei bis drei Jahre Vorlauf angesetzt werden, so Janßen.

»Ich empfehle, nach Möglichkeit einen guten Planer zu suchen und dann das Projekt gemeinsam anzugehen.« Unter anderem mussten die Betreiber ein radartechnisches Gutachten sowie Nachweise über die Demontage der Altanlagen bei den Behörden vorlegen.

Windhöffigkeit

Bundesweit wurden laut Zahlen der Deutschen Windguard im ersten Halbjahr 2015 41 WEA mit einer Leistung von rund 120MW erneuert. Im ersten Halbjahr 2014 waren es noch 93 Anlagen mit einer Leistung von 267MW. Der Bundesverband Windenergie rechnet auch künftig mit Repowering-Projekten. Sie hängen nach Ansicht des Verbandes stärker als früher vom Einzelfall ab. Ein guter Standort ist künftig wichtiger denn je. Neben der Windhöffigkeit kommt es auch auf die Infrastruktur, Höhe der Pachten oder die Bürgerakzeptanz vor Ort an.

Sechs-Stunden-Regelung

Zudem müssen die politischen Rahmenbedingungen betrachtet werden. Am 1. Januar 2017 werden Windkraftanlagen Teil des Ausschreibungsverfahrens gemäß des EEG. Betreiber müssen für ausgelobte Leistungsmengen Gebote abgeben.

Die Einspeisevergütung wird schrittweise weiter verringert. Auch die sogenannte Sechs-Stunden-Regelung laut § 24 EEG kann den Ertrag der Betreiber beeinflussen. Demnach entfällt die Förderung für Erneuerbare-Energien-Anlagen ersatzlos, wenn der Strompreis am Spotmarkt an mindestens sechs aufeinanderfolgenden Stunden negativ ist. Dieser Grundsatz gilt laut BWE für alle Anlagen, die ab dem 1. Januar 2016 in Betrieb genommen werden, Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von mindestens 3MW sowie sonstige Anlagen mit einer installierten Leistung von mindestens 500kW.

Negative Stunden

Wie sich die Regelung auswirken kann, hat der BWE bereits untersuchen lassen. Das prognostizierte Szenario zeichnet ein Bild bis 2040 vor dem Hintergrund des heutigen Marktdesigns. Im Ergebnis ist eine deutliche Zunahme der nicht vergüteten Stunden zu erkennen. Ebenso zeigt sich eine Korrelation zwischen steigender Produktionsmenge und zunehmenden negativen Preisen. »Ab Mitte der 2020er-Jahre werden die Zeiträume der negativen Stunden einen signifikanten Anteil an den Jahresstunden erreichen«, heißt es beim BWE. Bis zum Jahr 2040 sei ein Anstieg der negativen Stunden auf bis zu 1.600 Stunden im Jahr möglich. (hd)

Erschienen in Ausgabe: 07/2015