Glasfaser

Lebensader der Moderne

Um den Netzausbau voranzutreiben, wird seit Monaten über eine Reform des Digi-Netz-Gesetzes debattiert. So oder so ist künftig mit intensivem Wettbewerb zu rechnen.

01. Februar 2019
optical fiber cables transmission data

Die derzeitige gesetzliche Regelung des Paragrafen 77i im Telekommunikationsgesetz sieht einen Anspruch zur Koordinierung von Bauarbeiten, die ganz oder teilweise aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, (die sog. Mitverlegung) vor. Dieser Anspruch wurde seit dem Inkrafttreten des Gesetzes im Herbst 2016 zum Parallelausbau oder Überbau von Glasfasernetzen genutzt. Damit wird der Ausbau des Erstinvestors im Regelfall unwirtschaftlich, kritisieren Experten.

Änderungen vorgeschlagen

Künftig sollen alle Koordinierungsanträge unzumutbar sein können, wenn durch die Koordinierung ein in bislang mit Glasfasernetzen unversorgten Gebieten geplantes Glasfasernetz, das einen diskriminierungsfreien, offenen Netzzugang zur Verfügung stellt, überbaut würde. Eine solche Regelung ist nach Auffassung des Bundesverbandes Glasfaser (BUGLAS) dringend angezeigt. »Das Diginetz-Gesetz zielt in seiner Begründung eben gerade nicht darauf ab, einen unsinnigen Doppel- oder Dreifachausbau anzureizen, sondern durch das Heben von Synergien bei Baumaßnahmen den Glasfaserausbau weiter in die Fläche zu bringen«, so der Verband Ende November.

Studie untersucht Markt

Zuvor hatte der Bundesrat Änderungen zum Gesetzesentwurf der Bundesregierung für ein geändertes Digi-Netz-Gesetz beschlossen. »Der Beschluss des Bundesrates ist ein sehr positives Signal für den FTTB/H-Ausbau insbesondere durch regional tätige Unternehmen mit kommunalem Hintergrund«, so BUGLAS-Geschäftsführer Wolfgang Heer. Der Glasfaserausbau heizt den Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt an: Kommunen, Versorger und Tochterunternehmen der Gemeinden bauen die Infrastruktur und bieten parallel eigene Internet-, Telefon- und TV-Leistungen für Endkunden an. »Die etablierten Telekommunikationsunternehmen bekommen damit neue Konkurrenz«, so das Beratungsunternehmen Sopra Steria Consulting. Das Unternehmen hatte im vorigen Sommer den Markt untersucht und eine Analyse veröffentlicht. Demnach könnte die Zahl der Wettbewerber massiv steigen.

Immer mehr Landkreise, Gemeinden, Stadtwerke sowie kommunale privatwirtschaftliche Kooperationen nehmen das Unternehmen Glasfaserausbau selbst in die Hand, da langfristig nur diese Technologie die Infrastruktur der Zukunft ist. Ein Beispiel ist M-Net, eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke München.

Diese kommunalen Unternehmen und privaten Regionalpartnerschaften befeuern künftig den Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt, so Sopra Steria. Sie liefern nicht nur die Netzinfrastruktur in die Haushalte und bieten dann anderen Unternehmen die Chance, diese zu nutzen. Zusätzlich sind ihre Internetseiten gefüllt mit eigenen Produkten für Kunden in der Region.

Die Nähe der kommunalen Versorger zu den Haushalten sowie Bündelprodukte bringen die großen Telekommunikationsanbieter in Bedrängnis. »Die Trennung von Netzinfrastruktur- und Serviceanbieter könnte aufgehoben werden. Damit würden die großen Telekommunikationsdienstleister ihren direkten Kundenkontakt und ihre Vormachtstellung bei den Netzen verlieren«, sagt Karl-Heinz Kohne von Sopra Steria Consulting.

Dazu kommt, dass Kabelnetzbetreiber mit ihren Koax-Netzen eine Alternative zur Glasfaser anbieten. «Es muss nicht unbedingt Glasfaser sein, die Kunden interessiert allein die Bandbreite und der Preis«, so Kohne. hd

Erschienen in Ausgabe: 01/2019