Leuchttürme im Hinterland

Nicht nur die Energieversorgung und die Industrie, auch die Städte und Vororte müssen nachhaltig und energieeffizient betrieben werden. Sonst erreicht Deutschland die selbstgewählten Klimaschutzziele nicht. Jetzt investiert die Bundesregierung 100 Millionen Euro in insgesamt sechs Projekte bundesweit, die die Energieversorgung in urbanen Räumen ganz neu aufstellen.

11. Juli 2017

Mehr als 60 Konsortien aus Stadtverwaltungen, Forschungsinstituten und Unternehmen haben sich um eine Förderung beworben, so Bundeswirtschaftsministerium und Bundesforschungsministerium in einer Mitteilung.

 

Sechs Leuchtturmprojekte sollen zeigen, wie in Stadtquartieren der Energieverbrauch gesenkt, die intelligente Vernetzung von Strom, Wärme und Mobilität gelingen und erneuerbare Energien sinnvoll in die Energieversorgung integriert werden können.

 

„Wie wir in Zukunft heizen, uns fortbewegen und arbeiten ist entscheidend für das Gelingen der Energiewende – allein private Haushalte verbrauchen über ein Viertel der deutschen Endenergie. Daher stellen wir gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium in den nächsten fünf Jahren bis zu 100 Millionen Euro für Forschung, Entwicklung und Innovation im Bereich nachhaltige Stadtentwicklung zur Verfügung“, so Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung.

 

Name ist Programm

 

Der Name ist Programm: Das Vorhaben trägt den Titel Solares Bauen / Energieeffiziente Stadt.

 

Auf praxisrelevanter Ebene sollen zukunftsweisende Gesamtkonzepte für eine nachhaltige Stadtgestaltung entwickeln und demonstrieren, heißt es.

 

Von Holstein bis Esslingen

 

In Kaiserslautern zeigen neun Partner auf dem ehemaligen Werksgelände der Pfaff AG, wie mit einem hohen Anteil lokal erzeugter erneuerbarer Energie sowie zu sanierenden, denkmalgeschützten und neuen Gebäuden die Energiewende im Quartier erfolgreich umgesetzt werden kann.

 

In Heide in Holstein erarbeiten im Konsortium Quarree 100 zwanzig Partner Lösungen, um die Abregelung von erneuerbarer Energie zu vermeiden und diese lokal sinnvoll zu nutzen, etwa die Abwärme von Elektrolyseanlagen für die Wärmeversorgung von Bestandsgebäuden.

 

In Oldenburg will das Vorhaben ENaQ - Energetisches Nachbarschaftsquartier neben Strom, Wärme und Elektromobilität vor allem die Akteure und Nutzerinnen und Nutzer miteinander vernetzen.

 

In Zwickau realisiert ein Konsortium aus 13 Partnern im Projekt ZED ein Null-Emissions-Quartier, das zeigen soll, wie Wohnungen auf Basis von elektrisch-thermischen Verbundsystemen zukunftssicher und bezahlbar versorgt werden können.

 

In Esslingen wird das klimaneutrale Stadtquartier ES-West-P2G2P durch einen Verbund innovativer Technologien eine sektorübergreifende Nutzung regenerativer Stromüberschüsse ermöglichen. Dabei wird das Quartier zum Beispiel über Elektrobusse mit dem Mobilitätskonzept der Stadt verknüpft.

 

Das Vorhaben Stadtquartier 2050 – Herausforderungen gemeinsam lösen soll in zwei süddeutschen Quartieren zeigen, wie innovative Gebäudelösungen zur Sozialverträglichkeit in angespannten Wohnungsmärkten beitragen können.

 

Dazu werden beispielsweise Nutzer der Gebäude durch eine interaktive Quartiersapp am Energiemanagement beteiligt.