Leuchtturm auf dem flachen Land

Erneuerbare Energien speisen wetterabhängig ein. Darum kommen Speichern künftig eine essenzielle Rolle in der Energieversorgung zu. Das Power-to-Gas-Verfahren wandelt Strom in grünen Wasserstoff oder Methan um und schafft so temporäre Speicher- und Transportkapazitäten. Jetzt planen Branchenunternehmen eine Großanlage in Niedersachsen.

19. Oktober 2018
Leuchtturm auf dem flachen Land
Bild 1: Leuchtturm auf dem flachen Land (Bild: malp/fotolia.de)

Tennet, Gasunie Deutschland und Thyssengas wollen eine Pilotanlage mit einer Leistung von 100 Megawatt bauen. Es handelt sich den Angaben zufolge um die bis dato größte Power-to-Gas-Pilotanlage in Deutschland.

»In Betracht kommen Standorte im Bereich der Tennet-Umspannwerke Diele und Conneforde, in denen vor allem Offshore-Windstrom aus der Nordsee gesammelt und weiterverteilt wird«, so die Unternehmen in einer gemeinsamen Mitteilung.

Anlage im Industriemaßstab

Mit dem Projekt ›Element Eins‹ wollen die beteiligten Unternehmen erste Erfahrungen mit Power-to-Gas-Anlagen im industriellen Maßstab sammeln.

Die Pilotanlage soll schrittweise ab 2022 ans Netz gehen und grünen Strom in Gas umwandeln, um so neue Speicherpotenziale für erneuerbaren Strom zu erschließen.

Sektorkopplung

Den Partnern geht es dabei um die umfassende Kopplung der Sektoren Energie, Verkehr und Industrie.

So kann der in Gas umgewandelte Grünstrom nicht nur über bestehende Gasleitungen von der Nordsee ins Ruhrgebiet transportiert, sondern unter anderem auch über Wasserstoff-Tankstellen für Mobilität und über die Speicherung in Kavernen für die Industrie zur Verfügung stehen.

Der niedersächsische Umwelt- und Energieminister Olaf Lies sagte zu dem Projekt: „Das ist ein ganz wichtiges Signal für das Energieland Niedersachsen.“

Für Tennet hat Power-to-Gas nach Unternehmensangaben großes Potenzial, da so dem Stromnetz dringend benötigte Flexibilität zur Verfügung stehen kann.

»Wir brauchen leistungsfähige Speichertechnologien, um das ambitionierte Ausbauziel für erneuerbare Energien 2030 zu realisieren. Wenn wir große Mengen an erneuerbarem Strom speichern können, entlasten wir das Stromnetz. Das hilft uns, die teure Abregelung von Windanlagen zu begrenzen und macht die Stromversorgung sicherer«, sagte Lex Hartman, Geschäftsführer von Tennet.

Studie: Elektrolysebranche muss Gigawatt-Industrie werden

Power to Gas arbeitet nach dem Prinzip der Elektrolyse. Die Elektrolysebranche muss sich zu einer Gigawatt-Industrie entwickeln, damit die Klimaziele der Bundesregierung erreicht werden können. Das ergab eine Studie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums.

In Schleswig-Holstein soll nächstes Frühjahr eine Tankstelle für regional erzeugten grünen Wasserstoff in Betrieb gehen.

Hier die Details zum Nachlesen: www.energiespektrum.de/183847