Leuchtturm Bodensee

Geht es nach dem Willen der Partner des Leuchtturmprojektes ›Bodensee‹, könnte dort schon bald eine »signifikante« Anzahl an Brennstoffzellen-Booten und -Leichtfahrzeugen fahren. Bis 2017 zur Internationalen Gartenschau will man so weit sein.

05. Juni 2007

••• Aufgrund der touristischen Attraktivität, der wasserwirtschaftlichen Bedeutung und des Obst- und Gemüseanbaus sind das gesamte Umland und der See in Bezug auf Umweltbelange äußerst sensitiv. So wurden am Bodensee schon frühzeitig Gesetze zur Ausstattung von Booten und zum Betrieb von Verbrennungsmotoren erlassen. Anrainer wie Österreich oder Bayern haben zwischenzeitlich damit begonnen, die eigenen Seen zur Trinkwassererhaltung für verbrennungsmotorisch betriebene Fahrzeuge zu schließen.

Elektroantriebe sind deshalb auf dem Vormarsch. Die Vorteile sind vielschichtig: leise, vibrations- und emissionsfrei aber auch durchzugsstark. »Die Wasserstofftechnik bietet hier eine wesentliche Erweiterung der Aktionsradien«, betont Sebastian Wider, mit seinem Unternehmen Engineering Services (SWES) einer der Partner des ›Bodensee- Projektes‹.

Zusätzlich kann auf andere Energieträger wie Flaschengas für den Kocher oder den Kühlschrank verzichtet werden, da alle Verbraucher elektrisch betrieben werden können. Die Abwärme der Brennstoffzelle lässt sich zudem zur Kabinenheizung verwenden.

Das Bodensee-Projekt ist eine gemeinsame Initiative des Kompetenz- und Innovationszentrums Brennstoffzelle Baden Württemberg (KIBZ) in Zusammenarbeit mit der Hochschule Esslingen und dem Ingenieurbüro SWES. In drei Phasen sollen schrittweise Boots- und Fahrzeugantriebe von 2 bis über 50 kW Leistung entwickelt, ihre Einsatztauglichkeit demonstriert und dann unter Wettbewerbsbedingungen am Markt eingeführt werden.

Zur ›Internationalen Gartenschau‹ 2017 soll dann im gesamten Bodenseeraum eine signifikante Anzahl Land- und Wasserfahrzeuge, die mit Brennstoffzellen angetrieben werden, in Betrieb sein. Bis dahin haben die Initiatoren das Projekt in drei Phasen aufgeteilt. Phase I beinhaltet den Aufbau von Bootsantrieben und Leichtfahrzeugen in der Leistungsklasse bis maximal 8 kW, sowie die Einrichtung einer Tankstelle und eines Wechselkartuschensystems auf den Bodenseeraum begrenzt. Phase I ist auf zwei Jahre geplant.

Markteinführung zuerst von Bootsantrieben mit 1 bis 4 kW

Phase II beinhaltet die Demonstration der in Phase I entwickelten Antriebe und Fahrzeuge und den Betrieb der Infrastruktur. Weiterhin ist der Aufbau von Bootsantrieben und Leichtfahrzeugen in der Leistungsklasse bis etwa 20 kW vorgesehen. Bereits ab dann soll das Projekt mit anderen Leuchtturmprojekten ähnlicher Art kooperieren. Der Zeitrahmen der Phase II beträgt ebenfalls etwa zwei Jahre.

In Phase III will man die ersten BZ-Systeme unter kommerziellen Bedingungen am Markt einführen. »Wir gehen davon aus, dass dies bei den Bootsantrieben im Wesentlichen in der Leistungsklasse zwischen 1 und 4 kW - in Deutschland führerscheinfrei - geschehen wird«, sagt Wider.

In Phase III werden die in Phase II entwickelten Antriebe höherer Leistungen demonstriert und Antriebe mit Leistungen von 50 kW und mehr in Boote - etwa zur Personenbeförderung - integriert. Phase III soll ab dem Jahr 2010 starten und dann einen fließenden Übergang in die Markteinführung von Antrieben im höheren Leistungsbereich ermöglichen.

Die Initiatoren streben derzeit die Qualifizierung zu einem ›Leuchtturmprojekt‹ in Baden-Württemberg im Rahmen des ›Nationalen Entwicklungsplan Wasserstoff und Brennstoffzellentechnologie‹ der Bundesrepublik Deutschland an. Für die Aufnahme rechnet man sich gute Chancen aus. Dazu Wider: »Das Projekt erfüllt alle Anforderungen, die bislang in Bezug auf Projekte im Rahmen des nationalen Entwicklungsplanes genannt wurden.«

Jedoch sei die Projektorganisation besonders umfangreich, da es sich sehr nah am Markt bewege und nicht nur von wenigen Unternehmen einer Branche getragen werde. Hier werden auch neue Projektstrukturen notwendig sein, sodass »an dieser Stelle auch die Flexibilität der Programmgesellschaft gefordert sein könnte«, gibt Projektpartner Wider zu bedenken.

Er geht davon aus, dass mit einer endgültigen Entscheidung der Verantwortlichen des Bundes-Innovationsprogramms nicht vor Ende 2007 gerechnet werden könne.

Geklärt werden muss auch die Frage der Infrastruktur. Als potenzielle Tankstellengelände kommen »sowohl private, als auch öffentliche Standorte« in Frage. Als Bedingung nennt Wider die Zugänglichkeit sowohl vom Land, als auch vom Wasser aus. Nach momentaner Planung wird die Tankstelle keine eigene H2-Erzeugung vor Ort haben. »Wir gehen davon aus, dass die regenerative Erzeugung von Wasserstoff im Rahmen eines eigenen Projektes auf der Ebene der Programmgesellschaft behandelt wird«, sagt Wider. (mn) •••

Erschienen in Ausgabe: 02/2007