Lichtmanagement per Funk

Funk-Rundsteuerung ermöglicht leichtes Ansteuern von Geräten

Eine Alternative zur traditionellen Tonfrequenz-Rundsteuerung ist die Funk-Rundsteuerung. Die erst wenige Jahre junge Technik lässt Laternen leuchten, unterstützt das Lastmanagement oder schaltet Zähler von Hoch- auf Niedertarif und umgekehrt. Ein großes Plus der Funk-Rundsteuerung ist ihre Flexibilität. Die Stadt Augsburg zum Beispiel realisiert mit ihr eine bedarfsgerechte und Strom sparende Beleuchtungssteuerung.

22. Dezember 2003

Der Satz klingt noch in meinen Ohren, als wäre es erst gestern gewesen: „Mach das Licht aus, wenn du aus dem Zimmer gehst“, ermahnten mich meine Eltern zum Stromsparen. Nicht verkehrt - auch wenn ich während des Heranwachsens sicherlich nicht mehr Strom vergeudet habe, als unsere alte Gefriertruhe in einem Monat verkonsumiert hat.

Bei Sándor Isépy nimmt das schon ganz andere Formen an. Wenn er das Licht ein paar Minuten früher ausstellt, spart er Strom en masse, denn er ist Herr von 25.000 Leuchten. Alle Straßenlaternen an dem 800 km langen Kabelnetz in Augsburg hören auf das Kommando seines Teams - und die Befehle erteilen die städtischen Mitarbeiter per Langwelle.

Seit 2000 liegt die Verantwortung für Augsburgs städtische Außenbeleuchtung in den Händen des Tiefbauamts, bei dem Isépy für Beleuchtung und Verkehrstechnik zuständig ist. Dort werden auch Ampeln gesteuert, das Parkleitsystem gemanagt und Parkscheinautomaten überwacht. Dazu steht der Abteilung gutes Rüstzeug zur Verfügung. Zum Beispiel geben ein geografisches Informationssystem und die Datenbank StradaLux Auskunft über den Standort der Brennstellen (so der Fachjargon für die unterschiedlichen Beleuchtungsanlagen), ihre Ausführung, den Zustand, die letzten Wartungsarbeiten und mehr. Es ist sogar verzeichnet, welches Leuchtmittel den Weg erhellt. Ob es noch eine Leuchtstofflampe ist, oder eine der effizienteren Natriumdampf-Hochdrucklampen. Und da sind wir schon wieder beim Thema Energiesparen.

Mehrere hunderttausend Euro spart Isépys Team Jahr für Jahr ein, vergleicht man die heutige Stromrechnung einmal mit der von vor zwanzig Jahren. Damals war das mit den Laternen nämlich noch simpel gelöst: Meist brannten sie die ganze Nacht durch und ihre alten Quecksilberdampflampen kämpften in den Morgenstunden vergeblich gegen die Kraft der Sonne an. Strom für nichts, sagte sich Isépy und suchte nach Optimierungsmöglichkeiten.

Zugegeben: Der größte Teil der Energieeinsparung geht auf das Konto der verbrauchsarmen Natriumdampflampen, die heute in 55 % aller Augsburger Straßenleuchten eingesetzt werden. Aber die Brenndauer spielt auch eine Rolle. „Schon fünf Minuten mehr oder weniger machen sich deutlich bemerkbar“, sagt Isépy. Drum erlischt das Licht der Vorort-Laternen auch ein wenig früher als in den schmalen Straßen und Gassen im Zentrum. Dort dauert es einfach länger, bis die ersten Sonnenstrahlen die Schatten der Nacht vertreiben.

Das Ein- und Ausschalten läuft nach Programm: Je nach Sonnenauf- und -untergang strahlen die Laternen. Zwei Lichtsensoren stellen zudem fest, ob graue Wolken oder heftige Niederschläge die Beleuchtung notwendig machen. „Das kann man mit der Tonfrequenz-Rundsteuerung sicherlich auch realisieren“, meint Isépy, „doch zum Beispiel Schaltungen bei Wartungsarbeiten oder Sonderprogramme ließen sich mit der Tonfrequenz-Steuerung der Stadtwerke nicht besonders gut abwickeln.“ Und da das Tiefbauamt ohnehin eine von den Stadtwerken unabhängige Lösung suchte, lag ein Systemvergleich „Funk gegen Ton“ nahe.

Die Funk-Rundsteuerung überzeugte damals durch ihre Flexibilität. Die leichte Programmierung und die Tatsache, schnell individuelle Schaltungen vornehmen zu können, hat Isépy begeistert. Zum Beispiel bei Wartungsarbeiten müsse das Licht auch einmal außer der Reihe angeschaltet werden. Früher musste der Monteur zunächst zur entsprechenden Station fahren, das Licht einschalten, dann wieder zum Einsatzort. „Das sind nur ein paar Minuten Arbeit“, sagt Isépy, „aber wenn das dreimal pro Werktag passiert, kommen bei uns rund zwei Monatsgehälter an reiner Fahrzeit zusammen.“

Mit der Funk-Rundsteuerung geht& pos;s einfach: Über sein Handy meldet der Monteur in der Leuchtenleitstelle an, dass er Licht braucht. Der Wartenführer erzeugt dann per Software einen individuellen Befehl. Dazu genügen ein paar Mausklicks. Der Befehlssatz gelangt dann via ISDN zu einem Langwellensender, der das Signal ausstrahlt. In der Station, die geschaltet werden soll, detektiert der angesprochene Empfänger das Signal, entschlüsselt das Programm und schaltet die Beleuchtung ein. Eine Sache von wenigen Sekunden.

In Augsburg gibt es 500 solche Empfänger, etwa ebenso viele wie es Verteilstationen im Netz gibt. „Theoretisch ließe sich sogar jede einzelne Brennstelle mit einem Empfänger ausrüsten“, sagt Isépy, „das wäre aber nicht wirtschaftlich gewesen.“ Anders bei Leuchten, die am öffentlichen Stromnetz hängen und deswegen keine eigenen Verteilstationen besitzen. Hier kann die Einzelsteuerung durchaus Sinn machen.

Mit seinen 500 Empfängern und den realisierten Schalt- und Sparprogrammen ist Augsburg jedoch schon gut gerüstet. So lassen sich ganze Straßenzüge, die tief in der Nacht kostengünstig „halb“ ausgeleuchtet werden, wieder in helles Licht tauchen - zum Beispiel bei nächtlichen Skating-Events. „So kann die Veranstaltung sicher ablaufen und nach Veranstaltungsschluss braucht bloß jemand unseren Notdienst zu verständigen. Der kann die Beleuchtung dann per Notebook wieder auf Sparbetrieb schalten, denn nachts ist unsere Beleuchtungsleitwarte nicht besetzt“, erklärt der Chef-Beleuchter.

Erschienen in Ausgabe: 10/2003