Lösung für Groß und Klein

Netzinformations- und -managementsystem bietet schnellen Nutzen

Dass Netzinformationssysteme nicht nur etwas für große Energieversorger sind, beweist die Installation bei den Stadtwerken Georgsmarienhütte. Dem lokalen Versorger der 34.000-Einwohner-Stadt leistet das neue Netzinformationssystem schon kurz nach der Einführung gute Dienste.

18. Juni 2001

Oft schmücken die Namen großer Unternehmen die Referenzlisten der GIS-Anbieter, dabei sind Netzinformationssysteme nicht den Großen vorbehalten. Auch kleinere Energieversorger zum Beispiel können ihren Nutzen aus den Softwarelösungen ziehen, ohne finanzielle oder personelle Klimmzüge machen zu müssen. Ein Beleg dafür ist die Installation bei den Stadtwerken Georgsmarienhütte. Dort ist seit einigen Monaten Sicad-UT im Einsatz.

Vor rund zwei Jahren fiel dort der Entschluss, sich ein Netzinformationssystem anzuschaffen. Damals stand an, das bislang von einem überregionalen Versorger verwaltete Stromnetz von Georgsmarienhütte zu integrieren. Der Wunsch, das Wissen um die Netze nicht nur elektronisch zu archivieren und zu verwalten, sondern die Netze selbst auch innovativ zu managen, bestand schon länger. Wilhelm Grundmann, der Technische Leiter der Stadtwerke, wusste: Nur in den Köpfen seiner Mitarbeiter waren Einzelheiten des Fernwärme- und Wassernetzes gespeichert. „Was aber machen wir, wenn einer dieser Mitarbeiter geht?“

Die Übernahme des Stromnetzes nahmen die Verantwortlichen bei den Stadtwerken Georgsmarienhütte als willkommenen Anlass, nach einer geeigneten Software für das Netzmanagement Ausschau zu halten. Zunächst arbeiteten die Stadtwerke mit einem kleineren Ingenieurbüro zusammen, doch diese Partnerschaft trug keine Früchte. Erst der zweite Schritt war erfolgreich: Nach einem Vergleich von vier Offerten entschieden sich Grundmann und seine Kollegen für Sicad-UT, ein Produkt des Anbieters Sicad Geomatics, München. „Diese Lösung passt zu uns“, meint der Technische Leiter. „Sie deckt unsere Anforderungen ab, ohne den finanziellen Rahmen zu sprengen“.

Für Sicad-UT sowie die ebenfalls angeschaffte Kanallösung Sicad-Kandis sprach aber auch ein weiterer Umstand: Die benachbarten Stadtwerke, mit denen eine intensive Kooperation und sogar Freundschaft gepflegt wird, setzen ebenfalls auf die Sicad-Software. So fällt ein eventueller Datenaustausch, insbesondere aber der Erfahrungsaustausch, nicht schwer. Und es besteht die Option, die Netzinformationssysteme in einem gemeinsamen Rechenzentrum zusammen zu führen.

Die Stadtwerke Georgsmarienhütte und Tessag Technische Systeme und Services AG arbeiten bereits seit einigen Jahren erfolgreich im Bereich Netztechnik zusammen und haben Projekte gemeinsam durchgeführt. Somit entstand der Kontakt zur Tessag, NIS-V, die sich unter anderem auf die Einführung von Netzinformationssystemen sowie die Digitalisierung von Plänen spezialisiert haben. Seit der Auftragserteilung im April vergangenen Jahres begleitete Heinz-Josef Brünen, Leiter des Tessag-Regionalbüros, das Projekt. Rainer Hafertepe, DV-Experte von Georgsmarienhütte, ist sich sicher, im Team der Tessag und der Sicad Geomatics kompetente Partner gefunden zu haben. „Die Tessag-Mitarbeiter haben unsere Probleme verstanden und geholfen, sie zu meistern.“ Beispielsweise bei der Software-Einführung und dem Einspielen der ersten (Raster-)Daten hat der Dienstleister wertvolle Unterstützung gegeben, lobt Hafertepe. Gute Dienste leistete das Tessag-Team nicht zuletzt auch beim Parametrieren der Software.

Nur drei Monate nach der Auftragsvergabe konnten die Sicad-Lösung installiert und die ersten Daten eingespielt werden. So gelang es, schnell ein elektronisches Auskunfts- und Netzmanagementsystem auf die Beine zu stellen. Gegenwärtig werden die digitalen Karten vervollständigt und perfektioniert - auf Basis aktualisierter ALK-Daten sind zukünftig Vektordaten vom Strom-, Fernwärme- und Wassernetz sowie der Straßenbeleuchtung verfügbar. Grundmann ist überzeugt: „Die Qualität unserer Auskünfte ist deutlich besser geworden - und wir können jetzt Informationen zu jeder Sparte auf Knopfdruck liefern.“

Bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt zeigen sich schon die Vorteile des Netzinformationssystems, meint Grundmann und nennt ein Beispiel: „Als Dienstleister für die Straßenbeleuchtung erlaubt uns die Lösung eine effektivere Instandhaltung als früher.“

Der Nutzen wird weiterhin organisch wachsen, ist Grundmann überzeugt. Im Laufe der kommenden drei Jahre werden alle Netze (Strom, Wasser, Fernwärme und Straßenbeleuchtung) vermessen und in aktualisierte ALK-Pläne eingearbeitet. Erst dann ist das Projekt abgeschlossen. Rund 1,1 Mio. DM haben die Stadtwerke Georgsmarienhütte dafür veranschlagt - eine Investition in die Zukunft, wie Grundmann sagt, denn „unser Netzinformationssystem steigert unsere Wettbewerbsfähigkeit“.

Weitere Vorteile soll später die Verschmelzung von Sicad-UT mit Navision bringen. Diese betriebswirtschaftliche Anwendung wird dann Sach- und Kundendaten beinhalten, die in engem Zusammenhang mit den Geoinformationen in Sicad-UT stehen und zur integrierten Nutzung verfügbar sein werden.

Erschienen in Ausgabe: 03/2001