Seven2one

»Man muss integral denken«

Energieversorger erschließen mit Softwarelösungen von Seven2one neue Dienstleistungen für das Energiemanagement im smarten Quartier. Wie das genau geht, erklärt Geschäftsführer Dr.-Ing. Christoph Schlenzig.

05. Februar 2019
(Bild: Armin Huber/energiespektrum)

Mit speziellen Softwarelösungen managen EVU Strom, Wärme, Mobilität und Speicher für Liegenschaften, Quartiere und Industrieinfrastrukturen (Microgrids) – von der Systemoptimierung bis hin zur einer Kundenrechnung für alle Dienstleistungen. Mit der zentralen Datenbasis bauen die Unternehmen Wissen über ihre Kunden auf, behalten die Hoheit über ihre Daten und können mit neuen digitalen Mehrwertservices die Kundenbindung erhöhen. Die Lösungen machen durchgängige digitale Prozesse vom Vertrieb bis zur Abrechnung möglich und schaffen eine OpenData-Schnittstelle für Mehrwertdienste von Dritten.

Wie engagiert sich Ihr Unternehmen im Bereich Quartierversorgung?

Seven2one macht Software, um die Geschäftsmodelle rund um die smarten Quartiere zum Fliegen zu bringen. Wir treten mit der Software nicht im Vordergrund beim Endkunden auf, sondern bauen Backend-Software für die Smart-Meter-Quartierlösungsanbieter. Vielleicht sollte ich sagen, dass ich auch im Vorstand der Smart-Grids-Plattform Baden-Württemberg bin. Smarte Quartiere zu entwickeln ist dort ein Schwerpunkt.

Wenn man die Energiewende zu Ende denkt, muss sich die Installation an Anlagen ja noch verdoppeln. Die Energiewende wird in die Fläche gehen – dorthin, wo die Verbraucher sind. Und die sind in den Städten. Dann muss PV für Stromerzeugung in die Stadt.

Aber man muss auch bei Strom, Wärme und Elektromobilität integral denken. Denn den im Haus eigenerzeugten Strom könnte man vor Ort nicht ganz verbrauchen, wenn man nur die Stromverbraucher sieht. Wenn man aber Wärme und E-Mobilität einbezieht, könnte man den gesamten PV-Strom des Hauses direkt lokal nutzen.

Aber wie geht das? Das muss intelligent und automatisch gehen. Dazu brauchen wir Software, die die Systeme managt und die Abrechnung macht. Genau diese Software machen wir.

Wir übernehmen die Daten dort, wo man aus ihnen ein Geschäft macht und Mehrwert generiert. Unsere Lösungen haben immer drei Komponenten: das Daten-Backend, dann Optimieren der Geschäftsprozesse, Energiemanagement und und Abrechnung, und das Dritte ist die Visualisierung, um zum Beispiel einen Eigenversorgungsgrad darzustellen oder wie seine Abrechnung aussieht. Dafür haben wir eine Portallösung. Und unsere Software wird maßgeschneidert für den jeweiligen Geschäftsmodellbetreiber.

Es ist ein logischer Schritt, das man sagt: Wir bleiben nicht bei Energie, wir erweitern die Dienstleistungen um Internet, Telefonie und Kabelfernsehen. Man hat ja eh schon den Kontakt zum Kunden. Oder Mobilitätsdienstleistungen, Carsharing-Angebote, die im Portal zugänglich gemacht werden. Oder Parkplatzmanagement mit einer App. Mit diesen Geschäftsmodellen kann ein Stadtwerk Kunden halten und sich vom Preiswettbewerb abheben.

Ein Mehrwert, der mit Einzellösungen nicht möglich wäre.

Ja, genau. Nicht Einzellösungen – White-Label-Lösungen, wo die Daten verteilt sind. Und vielleicht gar nicht bei Ihnen. Sie müssen die Daten stattdessen zu sich holen; an eine Stelle. Erst dann schaffen Sie Mehrwert. Dann kann man die PV-Erzeugung mit dem Lastprofil eine Haushalts vergleichen. Oder wann der ideale Zeitpunkt wäre, um zu Laden. Und einen Tarif zu machen, damit Überschussstrom besser genutzt wird. Solche Lösungen kann man erst aufbauen, wenn man die Daten hat. Das Energiemanagement ist hier nur der Türöffner.

Welchen Stellenwert wird das in zehn Jahren haben?

Ich glaube, das automatische Management wird am ehesten bei PV, Heizung und dem Laden des Elektroautos greifen, bei den Großverbrauchern. Und Heizung und Elektroautos bieten beide Speicher. Und wenn es kostengünstiger wird, eine PV-Anlage aufs Dach zu machen, als den Strom einzukaufen, dann wird ein zweiter Schwung für die Energiewende kommen. Und wer die Dreier-Kombination anbieten kann, bei dem werde ich einkaufen.

Das kann das Stadtwerk anbieten. Es ist eine komplexe Leistung, wo viele Gewerke ineinander greifen. Und das können nicht einmal die großen Energieversorger, denn die denken überregional. Aber das Stadtwerk ist lokal verankert, kennt die Handwerker und die Situation vor Ort, ist ansprechbar.

Welche Projekte machen Sie zum Beispiel?

Mit den Stadtwerken München z.B. machen wir die Einbindung der Speicherheizungen in so ein System, mit den Stadtwerken Krefeld ein virtuelles Kraftwerk. Wir waren auch bei zwei großen Forschungsprojekten dabei: beim Smart-Energy-Hub am Flughafen Stuttgart und mit NetzeBW ein Projekt, bei dem Flexibilität in einem ländlichen Netz netzdienlich integriert wurde, um ein Abregeln bei Stromüberangebot zu vermeiden.