Mehr als Brot und Brötchen

Eine Bäckerei aus Hilden ist auf dem Weg in die klimaneutrale Produktion. Nicht nur PV und Elektromobilität spielen dabei eine Rolle. Sie hat für ihr Engagement den Effizienz-Preis NRW 2017 erhalten.

07. Februar 2018

Das 18 Filialen umfassende Unternehmen „Ihr Bäcker Schüren“ ist im Rahmen der Verleihung mit einem Sonderpreis ausgezeichnet worden. Die Bäckerei überzeugte die Fachjury mit ihrem ganzheitlichen Unternehmenskonzept, wie die Effizienz-Agentur NRW weiter mitteilt. Klimaneutralität, ökologische Produkte und ein zukunftsorientiertes Mobilitätskonzept seien dabei wichtige Pfeiler der Unternehmensphilosophie, die das Kundenvertrauen und das Unternehmen erhalten.

Wärmerückgewinnung und Biomasse

Die benötigte Energie der Bäckerei wird zum größten Teil vor Ort gewonnen, die ökologisch angebauten Getreide kommen von regionalen Bauern und der Strom für die Elektro-Autos entsteht zum größten Teil in der eigenen Solaranlage, heißt es in der Mitteilung.

„Durch Kombination der Biomasse-befeuerten Backöfen mit einer Wärmerückgewinnung und einem wassergekühlten Erdwärme-Kühlsystem sind wir schon sehr energieeffizient“, erklärt Roland Schüren, Inhaber der Bäckerei.

„Größter öffentlicher Ladepark Deutschlands“

„Der Wirtschaftlichkeits-Booster ist jedoch die Photovoltaik-Anlage in Kombination mit Elektromobilität.“ Während die Backstube den meisten Strom in den Morgenstunden benötigt, lädt die Anlage nachmittags die inzwischen zurückgekehrten Lieferfahrzeuge und die der Kunden.

„Wir sind mit 21 direkten Ladepunkten der größte öffentliche Ladepark in Deutschland“, sagt Schüren. „Ein Titel, den wir gern abgeben würden.“

Weniger CO2 durch Bio-Getreide

Die klimaneutrale Produktion sei durch das Energiekonzept mit PV-Anlage und Elektromobilität fast schon erreicht, so die Agentur. Eine weitere Verringerung der Klimabelastung bringt seit Anfang 2018 die Umstellung der Rohstoffproduktion.

„Durch ökologische Landwirtschaft lassen sich – nach der klimaneutralen Backstube – am meisten Ressourcen schonen“, sagt Schüren.

Die Bäcker aus Hilden verarbeiten daher für alle Brote und Brötchen nur noch Bio-Getreide. So verursacht ein Brot aus Bio-Weizen rund 25 Prozent weniger Kohlendioxid-Emissionen als eines aus konventionellem Weizen. Das hat die Forschungsanstalt für biologischen Landbau 2010 bei der CO?-Bilanzierung von Lebensmitteln  festgestellt.

Minus 91 Prozent

Mit der „Bio-Erweiterung“ ist die Produktion um 50 Prozent ressouceneffizienter als zuvor, der Ersatz fossiler durch regenerative Energieträger durch Pellet-beheizte Backöfen, Photovoltaik (PV)-Anlagen und Grünstrombezug hat die CO?-Emissionen um 91 Prozent reduziert und bereits 35 Prozent des Strombedarfs deckt die eigene PV-Anlage.

Mit einem intelligenten Wärmetauscher- und -speicherkonzept aus Erdwärme und Abwärme konnte die Bäckerei ihren Energiebedarf weiter deutlich reduzieren. Inzwischen kommen auch vier Filialen ohne Heizung aus. Entsprechend liegt der Anteil der Energiekosten des gesamten Unternehmens jetzt bei 1,7 Prozent, der Durchschnitt der Handwerksbäcker hat noch 5 Prozent.

Außerdem hat die Bäckerei inzwischen sieben von 14 Lieferfahrzeugen von Erdgas auf Elektro umgestellt, dazu gibt es fünf elektrische Pkw und zwei elektrische Renault Twizy für Azubis.

Beim Sortiment versuchen die Bäcker auch die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. So konnten sie die Retourenquote auf acht Prozent senken – üblich sind laut Bäcker-Innung 20 Prozent.

Der „Effizienz-Preis NRW – Das ressourceneffiziente Produkt“ wird von der Effizienz-Agentur NRW verliehen. Der Preis würdigt innovative Produkte und Dienstleistungen von kleinen und mittleren Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen, die wesentliche Effizienzfaktoren miteinander verbinden.