Mehr Druck erzeugen

Markt

KWK-Gesetz - In diesem Jahr wird das KWKG novelliert. Der Referentenentwurf soll diesen Monat vorliegen. Wenn alles klappt, verabschiedet der Bundestag das neue Gesetz noch vor der Sommerpause. Die Eckpunkte liegen bereits auf dem Tisch. Sie basieren auf einem Monitoringbericht, der im Herbst vorgelegt wurde. Hier die wichtigsten Passagen.

27. Januar 2015

Vor Inkrafttreten des EEG 2014 konnten sich die Hersteller von BHKW über Monate vor Anfragen und Aufträgen nicht retten. Sonderschichten und Überstunden mussten eingelegt werden, um die Arbeit zu schaffen. Grund war die EEG-Umlage, die mit dem neuen EEG auch für Strom aus KWK fällig wurde. Darum wollten möglichst viele Betreiber die Aggregate noch vorher in Betrieb nehmen. Fachzeitungen und Zeitschriften berichten immer wieder von neuen KWK-Anlagen, die bundesweit in Betrieb gehen. Beides zusammengenommen könnte einen glauben machen, die KWK baue ihren Anteil an der Strom- und Wärmeversorgung kontinuierlich aus.

Das ist auch der Fall. Aber nicht in dem Maß, wie es nötig ist, um die Ziele der Bundesregierung zu erfüllen. Das ergab eine Untersuchung des Beratungsunternehmens Prognos und des Fraunhofer IFAM. Die Latte liegt hoch: Bis 2020 soll der KWK-Anteil in der Stromerzeugung auf 25% steigen. Aber bis dahin ist noch einiges zu tun.

Noch viel Luft nach oben

»Unter Berücksichtigung der aktuellen Marktbedingungen wird die KWK-Stromerzeugung bis zum Jahr 2020 gegenüber dem heutigen Stand stagnieren. Das Ziel von 25% KWK-Stromerzeugung im Jahr 2020 wird deutlich verfehlt werden«, heißt es in der Untersuchung mit dem sperrigen Titel ›Kosten-Nutzen-Analyse zu den Einsatzmöglichkeiten von Kraft-Wärme-Kopplung (Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie) sowie Evaluierung des KWKG im Jahr 2014‹.

Es ist schon einiges erreicht: Der Anteil der KWK an der gesamten Nettostromerzeugung in Deutschland beträgt heute laut Studie 16,2%. Der Anteil der KWK-Wärme am Wärmemarkt bis 300 °C beträgt rund 20%.

Fernwärme und Industrie

Etwas mehr als die Hälfte der KWK-Stromerzeugung entfällt auf KWK-Anlagen der allgemeinen Versorgung beziehungsweise Fernwärme, knapp ein Drittel auf die Industrie. Die restliche KWK-Stromerzeugung wird durch biogene KWK-Anlagen und dezentrale Kleinanlagen bereitgestellt.

Bereits heute spart die KWK den Angaben zufolge gegenüber der ungekoppelten Strom- und Wärmeerzeugung rund 56Mio.t CO2 ein. Bei einer Erschließung weiterer KWK-Potenziale sind gegenüber heute weitere Einsparungen möglich, auch wenn das zukünftige Stromerzeugungssystem durch den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien geprägt sein wird. Aus der Kosten-Nutzen-Analyse geht hervor, dass KWK gegenüber ungekoppelten Systemen in bestimmten Anwendungsfällen betriebs- und volkswirtschaftliche Vorteile aufweist. Auch deshalb wurden für den weiteren KWK-Ausbau große Potenziale identifiziert.

Diese liegen hauptsächlich im Bereich der allgemeinen Versorgung beziehungsweise Fernwärme und der Industrie. In Gebieten ohne Fernwärmeanschluss weisen auch Objekt-KWK-Anlagen zusätzliche Potenziale auf. Das Gesamtpotenzial für die KWK-Stromerzeugung beträgt je nach Betrachtung zwischen etwa 170TWh/a und 240TWh/a. »Die Fernwärme-Potenziale weisen eine hohe Sensitivität auf«, so die Studienautoren. Bereits geringe Änderungen der Rahmenbedingungen, das heißt auch der Förderbedingungen, wirken sich erheblich auf die Ergebnisse aus.

Hoher Anschlussgrad nötig

Das Erreichen hoher Anschlussgrade sei von essenzieller Bedeutung; dies erfordere eine entsprechende politische Flankierung. Für die Industrie könnte die Stromerzeugung bis 2030 um 50% auf 43TWh zunehmen. Das größte Zuwachspotenzial liegt laut Untersuchung in den Nahrungsmittel-, Investitions-, Konsum- und Gebrauchsgüter-Industrien. »Bei vorsichtiger Schätzung ergibt sich ein Stromerzeugungspotenzial aus der Nutzung von Abwärme in Höhe von 0,7TWh bis 1,5TWh pro Jahr«, heißt es in der Zusammenfassung der Untersuchung.

KWK- und ee-ausbau zeitgleich

Viel Luft nach oben auch bei KWK-Fernwärme; bei einem Anschlussgrad von 90% wurden folgende Potenziale errechnet: Wärmenachfrage 154TWh/a und KWK-Wärmeerzeugung 128TWh/a. Die KWK-Potenziale könnten zumindest mittelfristig bis 2030 gemeinsam mit einem weiteren starken Ausbau der Stromerzeugung aus Erneuerbaren erschlossen werden, heißt es in der Studie. Positiv wirke hier die Ungleichzeitigkeit der Einspeisemaxima von fluktuierendem Wind- und PV-Strom und dem maximalen Wärmebedarf der Fernwärmesysteme. Nach 2030 hängt die mögliche Nutzung des KWK-Potenzials von der Struktur der Stromerzeugung, der Entwicklung der Stromnachfrage sowie der Flexibilität des gesamten Stromsystems ab.

»Technisch ist der größte Teil der KWK schon heute in der Lage, flexibel auf Strommarktsignale zu reagieren. Vor allem durch den Bau von kostengünstigen Wärmespeichern kann die Flexibilität der KWK noch weiter erhöht werden«, heißt es in der Untersuchung, die insgesamt vier Parteien erarbeiteten. Neben Prognos und dem Fraunhofer IFAM waren auch das Institut für Prozesseffizienz und Energiestrategien (IREES) sowie das BHKW-Infozentrum beteiligt. Vorgelegt wurde von den Autoren schließlich eine Untersuchung mit 289 Seiten.

Großanlagen nicht rentabel

KWK-Anlagen im Megawatt-Bereich bieten schon seit Jahrzehnten Regelenergie an. Bei kleineren KWK-Anlagen ist dies heute über eine Bündelung der Anlagen ebenfalls möglich.

Die Wirtschaftlichkeit der KWK in der allgemeinen Versorgung ist unter den aktuellen Bedingungen mit niedrigen Stromgroßhandelspreisen für Neubauvorhaben und Anlagenmodernisierungen nicht gegeben.

Im Bestand können heute und in den nächsten Jahren nur noch Kohle-KWK-Anlagen wirtschaftlich betrieben werden. Erdgas-KWK-Anlagen hingegen sind nicht in der Lage, ihre Betriebskosten zu decken.

Für die Betreiber entstehen damit aktuell und zukünftig Verluste. Für Anlagen der Objektversorgung und der Industrie hängt die Wirtschaftlichkeit sehr stark von der Stromeigennutzungsquote und den Strombezugskosten ab. Daher bestimmt die spezifische Situation in den zu versorgenden Objekten und Produktionsstandorten sehr stark die erreichbaren Projektrenditen. Die anteilige Belastung des selbst genutzten Stroms mit der EEG-Umlage dämpft seit der EEG-Novelle die Wirtschaftlichkeit. Die häufig von der Strom- und Energiesteuer und der EEG-Umlage befreiten energieintensiven Unternehmen haben so geringe Strombezugskosten, dass sich Neuinvestitionen in größere KWK-Anlagen kaum rentieren, so die Autoren.

Viel Potenzial in Wohngebäuden

Aufgrund der hohen Anzahl an Wohngebäuden besteht in diesem Sektor nach Ansicht der Experten der beteiligten Institute ein sehr großes KWK-Potential. »Der hohe administrative Aufwand eines direkten Stromverkaufs sowie hemmende Regelungen im Steuerrecht verhindern aber häufig eine Erschließung dieses Potenzials, insbesondere vor dem Hintergrund der erheblich gefallenen Großhandelsstrompreise und der damit unattraktiven Einspeisung von Strom ins öffentliche Netz«, kritisieren die Autoren.

Bewerten und verbessern

Für die Weiterentwicklung des KWKG wurden folgende Vorschläge gemacht: Das aktuelle Förderdesign des KWKG sollte in seiner Grundform beibehalten werden. »Die arbeitsseitige Förderung von KWK-Stromerzeugung«, heißt es, »führt nicht nur zu einer Verbesserung der allgemeinen Wirtschaftlichkeit der geförderten Anlagen, sondern reizt damit auch den Betrieb an und führt zu einer Einsparung von Primärenergie und CO2 gegenüber einer ungekoppelten Erzeugung«. Die Investitionskostenzuschüsse für den Ausbau der Netze und Speicher haben sich in den letzten Jahren bewährt, schreiben die Experten und raten, diese beizubehalten. Ferner empfehlen sie: Unter den aktuellen und für die nächsten Jahre erkennbaren Marktbedingungen sollte eine Bestandsförderung für Erdgas-KWK-Anlagen in der allgemeinen Versorgung in Betracht gezogen werden. Um den Neubau und die Modernisierung von KWK-Anlagen der allgemeinen Versorgung zu ermöglichen, müssten die Zuschlagssätze insbesondere für den ins öffentliche Netz eingespeisten KWK-Strom deutlich erhöht werden, je nach Technologie um Faktor 2 bis 3 im Vergleich zum heutigen Niveau.

50twh KWK-strom fehlen noch

Überschlägig betrachtet wäre für eine Erreichung des KWK-Ziels bis zum Jahr 2020 eine zusätzliche KWK-Stromerzeugung von etwa 50TWh notwendig, heißt es. Der bestehende Deckel im KWKG müsse stark angehoben werden, raten die Autoren.

»Unter der vereinfachten Annahme eines notwendigen KWK-Zuschlags von 4 bis 6 Cent/kWh ergibt sich als Orientierungswert im Jahr 2020 ein zusätzliches Fördervolumen von 2 bis 3 Milliarden Euro.«

Andere politische Maßnahmen wie beispielsweise Kapazitätselemente oder Änderungen der Marktsituation könnten die wirtschaftliche Lage für KWK-Projekte verbessern und damit auch den notwendigen Förderbedarf senken.

Das bisherige Zielsystem zur Förderung der KWK-Anlagen erweist sich nach Ansicht der Experten langfristig aufgrund des zunehmenden Anteils von nicht KWK-fähigen Stromerzeugungstechnologien wie Wind und PV als wenig passend. »Eine Umstellung der Zielgröße auf die KWK-kompatible Stromerzeugung erscheint vor dem Hintergrund der wachsenden Anteile fluktuierender Stromerzeugung langfristig sinnvoll«, schreiben die Autoren. An einzelnen Punkten sollte die bestehenden Regelungen für die KWK-Zuschläge angepasst werden. Zusätzlich zu den Anpassungen des KWKG sollte der Emissionshandel gestärkt werden. Der CO2-Preis hat seine Lenkungswirkung derzeit verloren. Zudem sollte die Gleichbehandlung der Wärmebereitstellung von KWK-Anlagen, die am ETS teilnehmen, und von dezentralen Heizungssystemen, für die keine CO2-Kosten entstehen, sichergestellt werden, heißt es.

Verband will höhere KWK-zuschläge

Der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (BKWK) legte im Oktober eine erste Stellungnahme zu der Untersuchung vor. Das von den Gutachtern ermittelte große Ausbaupotenzial der KWK und seine dargelegte Kompatibilität mit den Ausbauzielen der Stromerzeugung aus Erneuerbaren würde durch die heutige Praxis des Betriebs von KWK-Anlagen bestätigt, so der Verband.

»Wie von den Gutachtern empfohlen, sollte bei dieser Novelle die Fördersystematik des KWKG beibehalten werden«, so der Verband. »Aber es sind deutlich angehobene KWK-Zuschläge erforderlich, um die gesunkenen Strombörsenpreise und die EEG-Umlage auf die Eigenversorgung auszugleichen.«

Der unterschiedlichen wirtschaftlichen Bewertung von KWK-Anlagen für die Eigenversorgung und die Stromverwendung im Netz der allgemeinen Versorgung könnte nach Ansicht des BKWK mit einer neuen zusätzlichen KWK-Zulage auf den in das Netz der allgemeinen Versorgung eingespeisten Strom begegnet werden. Zudem schlägt der Verband vor, für KWK-Bestandsanlagen außerhalb der KWK-Förderung temporär einen besonderen zusätzlichen KWK-Zuschlag II für die ins Netz der allgemeinen Versorgung eingespeisten Strommengen zu gewähren und dies über einen separaten KWK-Fördertopf II zu bilanzieren.

Temporär zusätzliche fördert Öpfe?

Dieser KWK-Zuschlag II soll in Abhängigkeit von der Strommarktentwicklung ausgestaltet werden, um eine Überförderung zu vermeiden. Mit der angedachten Neuordnung des Strommarktes beispielsweise durch Etablierung eines Leistungsmarktes könne dieser KWK-Zuschlag II dann wieder entfallen, so der BKWK.

Weiter weist der Verband hin auf eine rückwirkende Gültigkeit aller mit dem KWKG 2015 festgelegten Vorteile für alle KWK-Anlagen, die nach dem Veröffentlichen der Studie bis zum Inkrafttreten des KWKG 2015 errichtet werden. Dieses Verfahren soll nach Ansicht des BKWK einen Investitionsstau vermeiden und wäre analog der Regelungen zum EEG 2014.

Weitere Vorschläge des BKWK betreffen einen Sonderzuschlag auf KWK-Strom aus Biomethan, die Einführung eines vorläufigen Fördervorbescheids zur Beseitigung von Finanzierungshemmnissen bei Modernisierung von KWK-Anlagen und die Verbesserung der bewährten Förderung von Wärme- und Kältenetzen sowie Wärme- und Kältespeichern.

Erschienen in Ausgabe: 01/2015