Mehr Effizienz durch Geodaten

RIS und GEF bündeln ihr GIS-Know-how in der GEF-RIS AG

Zum Jahresbeginn bündelten die RIS-Projektgesellschaft GmbH, Offenbach, und die GEF Gesellschaft für EDV-Software GmbH in Leimen ihre Aktivitäten für Geographische Informationssysteme (GIS) in dem neuen Systemhaus GEF-RIS AG. Was für den Zusammenschluss spricht und wie sie die Zukunft des GIS-Marktes sehen, erläutern die Vorstände Dr. Martin Icking und Dr. Klaus Bauer.

28. Januar 2002

Zusammen gearbeitet haben die RIS-Projektgesellschaft GmbH, Offenbach, eine Tochter der Arbeitsgemeinschaft Fernwärme, und die GEF Gesellschaft für EDV-Software GmbH in Leimen schon viele Jahre. Warum also nicht die Aktivitäten verschmelzen, dachten sich die Verantwortlichen, und gaben zu Beginn des Jahres bekannt, dass die GIS-Aktivitäten beider Häuser in die GEF-RIS AG mit Sitz in Leimen fließen.

GEF-RIS entwickelt und vertreibt eine Familie von Softwarelösungen, die unter dem Namen sis offeriert wird. Neben dem Netzinformationssystem sisNET - einer standardisierten GIS-Lösung für Energieversorger, Kommunen und die Industrie - bietet das Unternehmen zum Beispiel sisHYD und sisKMR sowie eine in Kooperation mit der ABB Energieanlagenbau GmbH realisierte Software für den Strom-Freileitungsbau (sisFLP) an.

Ein Ansprechpartner für alle Probleme

Durch das Verschmelzen der Unternehmen werden nun Entwicklung und Support (früher GEF) und Vertrieb (früher RIS) zusammengeführt. „Ein großer Vorteil für den Kunden. Er hat nun einen Ansprechpartner für alle Fragen und Probleme“, argumentiert Dr. Martin Icking (Vorstand Technik), der mit Dr. Klaus Bauer (Vorstand Vertrieb) und Dipl.-Ing. Lothar Gerke-Reineke (Vorstand Finanzen) die Geschäfte der neuen AG führt.

Aber auch andere Gründe sprechen dafür, dass sich ehemalige RIS- und GEF- Mitarbeiter unter einem Dach zusammenfinden: „Wir möchten deutliche Rationalisierungspotenziale freisetzen“, erklärt Dr. Bauer. „Die Kapazitäten unseres Mitarbeiterstamms können wir nun gezielter einsetzen und uns intensiver auf die Software-Weiterentwicklung konzentrieren.“ Synergien zu nutzen, um Personal zu sparen, ist bei der GEF-RIS kein Thema - Wachstum lautet eines der wesentlichen Unternehmensziele.

Eins der Zugpferde im Hause GEF-RIS ist die Software sisNET. Sie zählt zu den bekannten Netzinformationssystemen (NIS) in der Branche und findet deutliche Anerkennung, wie Dr. Bauer berichtet. „Bislang sind alle unsere Kunden ohne Ausnahme sehr mit dieser Lösung zufrieden.“ Die gute Akzeptanz der Software sieht Dr. Bauer in dem Entwicklungsansatz begründet, denn sisNET entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Verband für Heizkraftwirtschaft und Fernwärme, der Arbeitsgemeinschaft Fernwärme e.V. (AGFW) bei der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke, VDEW.

Software wurde entwickelt nach Anwenderwünschen

Die AGFW kam ins Spiel, als die Betreiber von Fernwärme- und Dampfnetzen vor einigen Jahren den Wunsch nach einer effektiven GIS-Lösung äußerten. Daraufhin gründete die AGFW die Tochtergesellschaft RIS, die in Kooperation mit Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft und anderen Unternehmen der Versorgungswirtschaft die Softwareanforderungen und Strukturen sowie das Design der Fachschalen entwarf. Umgesetzt wurden die Ideen auf Basis der GEF-Software und nach Vorgaben des Verbandes. Der erste Grundstein für die Zusammenarbeit war gelegt. Später verbesserten die Unternehmen RIS und GEF ihre Lösung unter dem Aspekt, eine zukunftssichere, anwenderfreundliche und auf die Bedürfnisse der Branche zugeschnittene Lösung als Verbandsprodukt zur Verfügung zu stellen.

Für besonders wichtig halten Icking und Bauer die Tatsache, dass bei ihrer Lösung Fachschalen und Software aus einer Hand kommen. „Die Fachschalen sind also nicht einfach übergestülpte Fremdlösungen, wie es bei manch anderen Anbietern der Fall ist“, ergänzt Dr. Bauer. Daher sind die Systeme auch nicht mit „unnötigem Ballast“ überfrachtet. Versorger, Kommunen, Flughäfen, Chemiebetriebe und Telekommunikationsnetzbetreiber finden jeweils die Funktionalität, die sie brauchen - nicht mehr.

Breite Akzeptanz findet die maßgeschneiderte Lösung nicht zuletzt, weil viele Anwender die Notwendigkeit zur Rationalisierung sehen. Beispielsweise durch den Einsatz von Netzinformationssystemen lassen sich Prozesse beschleunigen, Wissen kann nachvollziehbar gespeichert werden und die Daten sind immer auf dem aktuellen Stand. So gelingt auch eine realistische Netzbewertung, und der Kunde eines Energieversorgers kann vom NIS-Einsatz in Form einer verbesserten Versorgungsqualität profitieren. Zunehmend attraktiv sind die Systeme nicht zuletzt wegen der steigenden Leistungsfähigkeit moderner Rechnerlösungen.

„Die Rationalisierungspotenziale, die ein NIS eröffnet, erkennen immer mehr unserer Kunden“, sagt Dr. Bauer, der sich über die wachsende Nachfrage nach Geographischen Informationssystemen freut. „Der GIS-Markt wird auch in den kommenden Jahren weiter wachsen“, ist sich der Vertriebsvorstand sicher, denn „der Trend geht dahin, GIS auch in kleineren Kommunen und Industriebetrieben zu nutzen. Breite Akzeptanz findet außerdem der Datenaustausch via Internet.“

Damit sich auch kleinere Unternehmen ein NIS leisten können, sind die Spezialisten der GEF-RIS sehr darauf bedacht, keine überdimensionierten Lösungen zu generieren. Dr. Icking bringt es auf den Punkt: „Nur wenn wir so wenig Funktionen wie nötig integrieren, kann der Kunde effizient mit dem System umgehen - und wir können die Preise attraktiv gestalten.“

Erfolgversprechend stuft die Unternehmensleitung der GEF-RIS zudem das Thema Dienstleistungen ein. Zur Beratung und der Hilfe bei der Datenumstellung sollen nun „Daten-Dienstleistungen“ kommen. „Viele potenzielle Anwender scheuen die Investition in Hard- und Software oder haben im Hause keine Kapazitäten, um ein Netzinformationssystem zu pflegen“, sagt Dr. Bauer. „Für diese Kundengruppe wäre eine Dienstleistung interessant, bei der die Kunden zwar die Vorzüge des GIS nutzen können, Rechenzentrum und Systempflege allerdings außer Haus vergeben werden.“ Gezahlt würde also für die Datennutzung. Wie groß das Interesse an diesem Service ist, prüfen die Mitarbeiter der GEF-RIS derzeit.

Zukunftsträchtig sei auch die Verschmelzung von geografischen und kaufmännischen Daten, meint Dr. Bauer. Durch die gezielte Verknüpfung ließen sich Informationen gewinnen, die nicht allein für die technischen Abteilungen von Interesse sind. Vertrieb und Marketing beispielsweise könnten aufgrund von Geodaten noch präziser Auskunft geben oder ihre Marktbearbeitung gezielter betreiben. Heute schon bietet die sis-Software- Familie zahlreiche Schnittstellen zu kaufmännischen Anwendungen wie SAP. Doch mit dem bisher Erreichten möchten sich die Chefs der GEF-RIS nicht zufrieden geben. Deswegen wurde durch die AGFW eine Studie bei der IDS Prof. Scheer GmbH, Saarbrücken, in Auftrag gegeben. Ziel ist eine noch bessere Integration des GIS durch SRP-Lösungen (Spatial Research Planning), um noch effektiver mit den wertvollen Geodaten operieren zu können.

Erschienen in Ausgabe: 04/2000