Mehr Grün in der Pipeline

Markt

Wachstum - Ob Stadtwerke oder Krankenhäuser, die Nachfrage nach Bioerdgas steigt. Auch wenn noch Hürden zu nehmen sind, will die Branche ihre Produktion ausbauen.

03. August 2010

»Wir wollen uns komplett mit erneuerbaren Energien versorgen. Biogas kann einen großen Anteil leisten, gerade in unserer landwirtschaftlichen Region«, so der Bürgermeister von Lüchow, Karl-Heinz Schultz. In dem niedersächsischen Ort speist seit Juli 2009 eine Biogasanlage Biomethan in das Erdgas-Netz ein.

2007 hat das Münsteraner Unternehmen agri.capital GmbH die Anlage übernommen und später für die Einspeisung umgerüstet. Zwölf Monate dauerte der Umbau. Das bis Ende 2009 produzierte Gas hat das Unternehmen an bmp greengas verkauft eine Handelsplattform für Bioerdgas.

»Der Umbau zur Biomethan-Einspeisung bietet uns eine attraktive Alternative, um Biogasanlagen auf eine neue wirtschaftliche Grundlage zu stellen«, erläutert Tobias Dollberg, Leiter Biomethan bei agri.capital GmbH. »Das gilt in erster Linie für Anlagen ohne nachhaltiges Wärmekonzept.«

Damit die Umrüstung auch wirtschaftlich sei, böten sich Anlagen ab einer Größe von 1MW an. »Die Entscheidung zugunsten einer Gaseinspeisung hängt im Wesentlichen von der Realisierbarkeit eines Wärmekonzeptes vor Ort ab.«

Es laufen bereits Planungen, weitere Anlagen auf Biomethan-Einspeisung umzurüsten. »Wir sehen ein großes Wachstumspotenzial für Biomethan, allerdings sollten die gesetzlichen Rahmenbedingungen noch angepasst werden, um den Markt schneller auszubauen«, so Dollberg.

Auch die Biogasbranche an sich nimmt Fahrt auf: Bis Ende 2013 werden in Europa 3.000 neue Biogasanlagen gebaut. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie von Ecoprog und dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UmSichT).

Deutschland ist danach weiter der größte Wachstumsmarkt. Besonders attraktiv ist der Markt für Biogas in Einzelsegmenten wie der direkten Einspeisung von Biomethan.

Gemäß einer Studie der Deutschen Energie-Agentur liegt im Bereich der Kraft-Wärme-Kopplung noch großes Absatzpotenzial für Biomethan. Eine Anpassung der Fördermechanismen würde helfen, den Ausbauzielen der Bundesregierung von 6Mrd.m3 bis 2020 näher zu kommen.

Vorteil Stabile Preise

Gerade im Bereich der Stadtwerke sieht Tobias Dollberg Potenzial. Die Nachfrage nach Biomethan nehme hier stark zu. »Viele Stadtwerke wollen ihren Kunden Biomethan-Produkte anbieten, denn auch kundenseitig steigt die Nachfrage. Wir wollen hier nicht nur Lieferant, sondern auch Partner sein.« So unterstütze das Unternehmen die Stadtwerke als Dienstleistung unter anderem beim Bilanzkreismanagement.

Der Transport von Biomethan wird geregelt durch spezielle Bilanzkreisregeln. Auch wenn Handelbarkeit und Transport funktionieren, sieht Dollberg daneben noch Optimierungspotenzial: »Uneinheitlichkeit der Marktgebiete sorgt für Kosten und teilweise beim Transport für Herausforderungen bei der Durchleitung zwischen Marktgebieten.«

Bei der Vermarktung von Biomethan habe man außerdem festgestellt, dass die Motivation der Kunden für den Kauf im Zusatznutzen liegt. »Stofflich gesehen gibt es zwischen Biomethan und Erdgas keinen Unterschied aber Biomethan ist klimaneutral«, erläutert Dollberg die Vorteile. Viele Stadtwerke könnten durch die Nutzung des Gases ihrer Verpflichtung zur Einsparung von CO2-Emissionen nachkommen.

Die Preisspanne zwischen Biomethan und fossilem Erdgas rücke dabei eher in den Hintergrund. Das EEG biete zudem die Möglichkeit, diese bei entsprechender Nutzung durch KWK-Boni zu kompensieren. »Und durch die langfristige Gültigkeit der EEG-VergütungkönnenStadtwerke den Kunden so eine gewisse Preisverlässlichkeit bieten«, sagt Dollberg.

Nicht nur bei den Stadtwerken sind die Münsteraner aktiv: 2010 schlossen sie mit der Gesellschaft für wirtschaftliche Energieversorgung GWE eine strategische Partnerschaft. Seit April liefern sie Biomethan an das Ketteler Krankenhaus.

»Wir verkaufen unser Biomethan an Stadtwerke, Energieversorger, an Händler wie etwa bmp greengas, und an Contracting-Unternehmen wie die GWE«, fasst Dollberg zusammen.

Mit einer Kapaziät von rund 37,7MW betreibt das Unternehmen mit Stand Ende Juni Biogasanlagen an 52 Standorten. Es produziert so Strom, Wärme und Biomethan. In Könnern, Lüchow und Schmargendorf speisen drei Anlagen das aufbereitete Biogas ins Erdgasnetz ein, insgesamt mit einer Kapazität von rund 150GWh pro Jahr.

Im laufenden und in den folgenden Jahren soll die Anschlussleistung bei Biogas und Biomethan gesteigert werden. Dafür setzen die Münsteraner auf den Ausbau eigener Projektentwicklungsaktivitäten sowie auf verstärkte Akquisitionen bestehender Biogasanlagen und fertig entwickelter Projekte.

Von den Branchen-Verbänden erwartet Dollberg, dass sie sich bei der Politik insbesondere dafür einsetzen, den Wärmemarkt für Biomethan zu öffnen. (mwi)

Erschienen in Ausgabe: 06/2010