Mehr Kraft von der Fläche

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Windenergie - Wie viele der aktuell geplanten konventionellen Kraftwerke realisiert werden, ist noch ungewiss. In diese mögliche Stromlücke könnte das Repowering von Windkraftanlagen stoßen.

14. April 2009

Ein Ranking der aktuellen Planungen im Bereich der fossil befeuerten Großkraftwerke zeigt, dass lediglich Projekte mit einer Leistung von rund 20GW höchstwahrscheinlich umgesetzt werden. Die Realisierung von weiteren 20 GW geplanter Leistung ist aufgrund der jeweiligen lokalpolitischen Lage oder des unkonkreten Planungsstatus ungewiss. Sollten tatsächlich nur wenige Projekte umgesetzt werden, rechnen einige Experten bereits mit einer ›Stromlücke‹ zwischen 2015 und 2020 und damit mit einem Anstieg des Stromimportbedarfs.

Das Bremer Marktforschungsinstitut trend:research hat berechnet, dass es notwendig sein könnte bis zum Jahre 2030 bis zu 100 TWh Strom nach Deutschland einzuführen. Ein Teil davon könnte das Repowering von Windkraftanlagen abdecken. Bis 2015 sehen die Bremer Marktforscher ein Potenzial von 4,6GW in Deutschland. Das entspricht einem Zubau von 11 TWh pro Jahr. Allerdings ist dies – wie immer bei Windkraft – mit der notwendigen Regelenergie abzusichern.

»In der Windenergiebranche wird aufgrund der zunehmenden Verknappung geeigneter Standorte an Land das weitere Wachstum hauptsächlich aus dem Bereich der Offshore-Windenergie und dem Repowering bestehender Standorte kommen«, heißt es einleitend in der Studie.

Repowering-Bonus: 0,5 ct/kWH

Der Markt für das Repowering spielte bislang nur eine untergeordnete Rolle, wird jedoch nach Einschätzung der Experten in den kommenden Jahren – auch aufgrund der Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) in 2009 – zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Das EEG hat die Onshore-Vergütung auf 9,2ct pro kWh erhöht und vergibt zudem einen Repowering-Bonus von 0,5ct/kWh. Hinzu kommt die stabilisierende Wirkung des EEG, denn den Anlagenbetreibern wird je nach Zeitpunkt der Inbetriebnahme ein fester Vergütungssatz und die gesicherte Abnahme des erzeugten Stromes über 20 Jahre hinweg garantiert.

Die EEG-Novelle bewerten auch die meisten der von trend:research befragten Marktakteure wie Anlagenbauer, Projektentwickler und Energieversorgungsunternehmen positiv. Etwa die Hälfte (49%) sind der Meinung ist, dass Finanzmittel für geplante Investitionen im Onshore-Bereich in einem ausreichenden Maße verfügbar sind.

Knapp ein Drittel der Nennungen bewertet die Verfügbarkeit von Finanzmitteln für Repowering demgegenüber als »schwierig«. Sechs Prozent beurteilen die Situation als »noch gut«, das heißt eine weitere Verknappung von Finanzmitteln ist aus Sicht der befragten Experten nicht ausgeschlossen.

In den Interviews zeigten sich die Akteure der Windenergiebranche mehrheitlich zuversichtlich, dass die Marktentwicklung »durch die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise nicht nachhaltig beeinträchtigt wird. Ein Grund dafür seien die, verglichen mit Offshore-Windparks, »vergleichsweise geringen Investitionssummen«, betonen die Marktkenner des Bremer Instituts.

Die jährlich neu installierte Leistung durch Repowering werde kontinuierlich zunehmen. Trend:research hat in fünf verschiedenen Szenarien mit unterschiedlichen Ausprägungen die Marktentwicklung bis zum Jahr 2015 durchleuchtet. In dem als wahrscheinlichsten eingestuften Referenzszenario wächst die kumulierte neu installierte Windleistung durch Repowering um rund 4.600MW. Dies ist der Saldo aus der Leistung der neu installierten und der demontierten Anlagen. Wie die Studienautoren betonen, läuft die Marktentwicklung »zunächst nur schleppend an«, ab 2012 sei mit »deutlichen Zuwachsraten« zu rechnen. Die erzeugte Strommenge durch Repowering (kumuliert) steige damit um rund 10.800 GWh pro Jahr bis 2015 an.

Bezogen auf den Status quo in der Nutzung der Windenergie entspricht die zusätzlich erzeugte Strommenge durch Repowering bis 2015 laut Studie einem deutlichen Anstieg von rund 30%. Dies ist die ›Gegenleistung‹ von circa eineinhalb großen konventionellen Kraftwerken.

Durch das Inkrafttreten des neuen EEG zum 1. Januar 2009 und die dadurch geschaffene Planungssicherheit rechnet auch der Bundesverband WindEnergie (BWE) für 2009 trotz Finanzkrise wieder mit einem Wachstum. »Die Novelle bietet die Chance, den Ausbau der Windenergie als Klimaschutztechnologie wieder deutlich anzuschieben und so die von der Bundesregierung gesetzten Ziele zu erreichen«, sagte kürzlich BWE- Präsident Hermann Albers.

In einem weiter wachsenden Weltmarkt hat sich der deutsche Markt im vergangenen Jahr auf einem stabilen Niveau gehalten. Nach der aktuellen Statistik des Deutschen Windenergie-Instituts (DEWI) wurden in 2008 im Inland 866 WEA – gegenüber 883 Anlagen im Jahre 2007 – mit einer Leistung von 1.665MW (2007: 1.667) neu installiert. Der Zubau bewegte sich damit auf Vorjahresniveau. Insgesamt waren in Deutschland Ende 2008 20.301 WEA mit einer Gesamtleistung von 23.902MW installiert.

Marktzuwachs auch nach 2015

Der Markt für Repowering in Deutschland wird auch nach 2015 weiter wachsen, prognostiziert trend:research: »Da neue WEA-Standorte auf Land in Deutschland zu diesem Zeitpunkt voraussichtlich nur noch in Ausnahmefällen verfügbar sein werden, wird das Repowering den größeren Teil des Zubaus von Onshore-Anlagen ausmachen.«

So lange die Lebensdauer der Anlagen nicht wesentlich über die derzeit üblichen 20 bis 25 Jahre hinaus ausgedehnt werden könne, bleibe es hier auch langfristig bei einem stabilen Markt. Dies gelte nach Einschätzung der Bremer Marktforscher auch dann, wenn die Zuwachsraten hinsichtlich der installierten Leistung mit jeder neuen Anlagengeneration geringer ausfallen werden.

Daraus schlussfolgern die Marktbeobachter, dass deutsche Unternehmen weiter zunehmend internationale Märkte erschließen werden. In diesem Zusammenhang werden insbesondere osteuropäische Länder, die USA sowie Schwellenländer wie China und Indien genannt.

In 2008 war der weltweit stärkste Markt – und das zum vierten Mal in Folge – mit etwa 8.000 bis 9.000 MW neu installierter Leistung der US-amerikanische.

Er wird laut BWE durch das von der neuen US-Administration vorgesehene Klimapaket, das eine Verdoppelung der erneuerbaren Energien in den nächsten drei Jahren vorsieht, »auch weiterhin seine Führungsrolle behalten«.

Der Branchenverband prognostiziert, dass die Windindustrie auch in diesem und im nächsten Jahr ein zweistelliges Wachstum aufweisen wird.

Damit Deutschland mit Repowering dazu beiträgt, fordert der BWE, den Einsatz effizienter neuer Anlagengenerationen auch in Zukunft möglich zu machen. »Aktuell wirken sich eine Reihe von Länderverordnungen zu Höhenbegrenzungen in diesem Bereich äußerst hemmend aus«, betont der BWE.

Neue positive Steuerregelung

Dagegen könnten steuerliche Gründe den Ausbau von Windkraft begünstigen. Ende vergangenen Jahres brachte der Deutsche Bundestag das Jahressteuergesetz 2009 abschließend auf den Weg. Die dort festgeschriebene Aufteilung der Gewerbesteuer bei Windenergieanlagen auf 70% zu 30% für die Standortgemeinden ist laut BWE-Präsident Albers »ein wichtiges Signal für den weiteren Ausbau der Windenergie in Deutschland«.

Die Regelung zur Zerlegung der Gewerbesteuer war notwendig geworden, weil ein Urteil des Bundesfinanzhofs den Windenergieausbau auf lokaler Ebene erschwerte. Als Folge forderten zahlreiche Kommunen, in der die WEA-Betreiber ihren Firmensitz hatten, die Gewerbesteuereinnahmen ausschließlich für sich ein. Die Standortgemeinden gingen hingegen zunehmend leer aus. »Die Neuregelung erhöht die Akzeptanz von Windparkprojekten bei den Menschen vor Ort«, betont Albers. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 04/2009