Mehr Power beim Erdgasbezug

ERDGAS - Die Stadtwerke Ulm Energie (SWU) haben für rund 2,3 Mio. € zwei neue Anschlüsse an überregionale Transportleitungen gebaut.

21. Februar 2006

Das Unternehmen ist künftig technisch in der Lage, Erdgas aus der Hochdruck-Leitung der Bayerngas im Neu-Ulmer Steinhäule zu beziehen, sowie aus derjenigen der E.on-Ruhrgas, die an Altheim/Weihung vorbei bis nach Ingolstadt verläuft.

Bis die SWU tatsächlich Erdgas aus diesen Trassen beziehen kann, sind vertrags- und nutzungsrechtliche Fragen zu klären. „Der Ausbau der Stationen ist aber ein Wechsel auf die Zukunft“, betont SWU-Geschäftsführer Matthias Berz. „Denn die neuen technischen Möglichkeiten machen uns grundsätzlich flexibler in unserem Erdgasbezug. Neben dem Anschluss an die Trasse unseres derzeitigen Lieferanten Gasversorgung Süddeutschland haben wir künftig zwei weitere Bezugsmöglichkeiten.“

Vor allem dem Anschluss an die Hochdruck- Leitung der Bayerngas im Neu-Ulmer Steinhäule kommt in nächster Zeit Bedeutung zu. Denn seit März 2005 ist die SWU mit einem Anteil von 5,0 % Bayerngas-Mitgesellschafterin.

Berz betrachtet die Bayerngas als den künftigen Einkaufsdienstleister für die SWU Energie. Die in München beheimatete Gesellschaft sei für diese Rolle wie geschaffen, denn ihr gehören weitere fünf bayerische Stadtwerke und die Innsbrucker Tigas an, betont Berz.

Die Bayerngas könne also kommunale Nachfrage nach Erdgas bündeln und dadurch auf dem Beschaffungsmarkt Preisdruck aufbauen. Der Direktanschluss ans Bayerngas-Netz könne überdies Einsparungen bei den Transportkosten bringen. Dazu Berz: „In den gegenwärtigen Zeiten stetig steigender Einkaufspreise ist das ein klares Plus.“

Liefervertrag noch bis 2007

Vorteile aus einem solchen, preisgünstigen Bezug werde die SWU an ihre Kunden weitergeben, kündigt der Geschäftsführer an. Der im vergangenen Sommer mit der GVS abgeschlossene Liefervertrag läuft im September 2007 aus. Schon im nächsten Jahr wird die SWU die Optionen für den Gasbezug nach diesem Datum prüfen.

In der Gasübernahmestation Neu-Ulm im Gebiet ‚Steinhäule’ strömte schon immer Erdgas vom traditionellen Lieferanten GVS ins Verteilnetz des Ulmer Versorgers. Im Steinhäule konnten auch GVS und Bayerngas Gasmengen austauschen. Die Bayerngas-Hochdruckleitung München - Augsburg - Neu-Ulm endete allerdings unmittelbar vor der SWU-Gasübernahmestation und war nur mit der GVS-Leitung verbunden. In den letzten Monaten wurde die Lücke zum SWU-Netz geschlossen. Die SWU hat ein etwa sechzig Meter langes und 30 cm dickes Leitungsstück verlegt, das auf 64 bar Hochdruck ausgelegt ist.

Ähnlich ist die Situation in Altheim-Staig. Dort wurde die vorhandene SWU-Reglerstation in rund sechs Monaten Bauzeit zu einer Übernahmestation mit zwei Druckregler-Schienen ausgebaut und ein Verbindungsrohr an die in unmittelbarer Nähe vorbeiführende Ferngas-Leitung der E.on Ruhrgas gelegt. Bei dieser Transportleitung handelt es sich um eine frühere Öl-Pipeline, die von Genua nach Ingolstadt führte, vor Jahren stillgelegt und vor kurzem zur Erdgas-Trasse umfunktioniert worden ist.

Die SWU verfügt jetzt über einen eigenen Anschluss an diese Trasse. Für einen möglichen Bezug muss aber erst noch die Frage der Netznutzung generell geklärt werden. „Daran arbeitet die neue Bundesnetzagentur“, berichtet das Ulmer Stadtwerk.

Mehr Flexibilität bei der Beschaffung ist auch aufgrund der Gaspreisentwicklung angebracht. „Die Erhöhung der Erdgaspreise für die Privatkunden der SWU Energie, die zum 1. Januar 2006 in Kraft trat, kann die Steigerungen bei den Beschaffungskosten nicht auffangen“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Biomasse-Kraftwerk geplant

Der Ulmer Versorger hat nach eigenen Angaben als erstes Stadtwerk in Deutschland auf die Forderung nach mehr Transparenz bei den Gaspreisen mit der Offenlegung der Kalkulation reagiert. Danach sei davon auszugehen, dass man in 2006 bei der Belieferung von Privatkunden sogar Verluste hinnehmen müsse, wenn die derzeitigen Prognosen über die Entwicklung der Bezugspreise zuträfen.

Um sich von dieser Entwicklung etwas unabhängiger zu machen, plant die SWU neue Wege zu gehen. In Neu-Ulm soll in den nächsten Jahren ein mit Waldholz und anderen nachwachsenden Rohstoffen beschicktes Kraftwerk gebaut werden, das pro Jahr künftig rund 40 Mrd. kWh Strom liefert.

„Mit der Anlage kann die Stromerzeugungskapazität Neu-Ulms um fast das Doppelte ausgebaut werden“, informiert SWU. Die Anlage soll in Kraft-Wärme-Kopplung gleichzeitig rund 20 Mio. kWh Wärme ins Neu-Ulmer Fernwärmenetz einspeisen. Das Kraftwerk mit fünf Megawatt elektrischer Leistung ist auf etwa 20 Mio. € veranschlagt. Es könnte bis 2008 ans Netz gehen. Pro Jahr sollen etwa 40.000 t unbehandeltes Restholz aus der Region eingesetzt werden. Auch Schwemmholz will man verwerten - als quasi kostenfreier Brennstoff aus den Wasserkraftwerken.

Erschienen in Ausgabe: 01/2006