Mehr Transparenz verhilft zu effizienterem

Markt

Verbrauchsvisualisierung - Im Rahmen eines Modellvorhabens haben Mieter in Essen, Berlin und München mit Hilfe aktueller Verbrauchsdaten die Möglichkeit erhalten, ihr Heizverhalten zu steuern. Erste Ergebnisse zeigen, dass viele Teilnehmer ihren Wärmeverbrauch über zehn Prozent senken konnten.

27. Januar 2015

Die deutschen Verbraucher wünschen sich mehr Transparenz und Kostenkontrolle bei der Heizkostenabrechnung – das belegt eine Forsa-Umfrage im Auftrag vom Energiedienstleister Ista. Demnach mangelt es drei Viertel der Verbraucher an exaktem Wissen über das eigene Heizverhalten und den damit verbundenen Kosten. Die Befragung macht aber auch deutlich, dass sich rund 65% der Verbraucher zusätzliche unterjährige Information zum Heizungsverbrauch wünschen.

Diese Einschätzung deckt sich weitgehend mit Erfahrungen der Teilnehmer in dem Modellvorhaben ›Bewusst heizen, Kosten sparen‹, das die Deutsche Energie-Agentur (Dena) und Ista gemeinsam mit dem Deutschen Mieterbund und dem Bundesumweltministerium im Herbst 2013 gestartet haben.

Im Mittelpunkt des Projekts steht es, Einsparmöglichkeiten für Wärmeenergie im Mietwohnbereich zu überprüfen und zwar mit Hilfe des von Ista entwickelten Energiedatenmanagements in den Modellregionen Essen, Berlin und München.

Die meisten Mieter haben sich laut einer Befragung, die die Projektpartner zum Ende der Heizperiode 2013/2014 durchgeführt haben, für die Teilnahme am Pilotprojekt entschieden, um mehr über ihren Heizungsverbrauch zu erfahren oder auch um diesen zu senken.

Gut ein Viertel der Befragten führt außerdem als weitere Motivation eine bessere Kostenkontrolle an. Auf die Frage nach hilfreichen Ansätzen zur Senkung des Energieverbrauchs wurden von den Mietern am häufigsten die Sanierung des Gebäudes, die monatliche Rechnungsstellung und die regelmäßige Information zur Verbrauchs- und Kostenentwicklung genannt.

Monatliche Information

Die Befragung macht zudem deutlich, dass 80% der befragten Mieter grundsätzlich davon überzeugt sind, dass Einsparungen im Heizungsbereich für sie möglich sind. Jeder Dritte schätzt das eigene Einsparpotenzial im Heizungsbereich auf 5 bis 10%. Zugleich belasten die Heizkosten in gut zwei Drittel der Fälle die Haushaltskasse mit mehr als 5% des Einkommens.

Für Mieter sind dabei die Möglichkeiten, ihre Heizkosten aktiv zu gestalten, begrenzt. Sie können nur schwerlich in eine dichte Gebäudehülle oder effiziente Anlagentechnik investieren. In der Optimierung des eigenen Heizverhaltens liegt aber ein bislang zu wenig beachtetes Effizienzpotenzial, das es auszuschöpfen gilt.

Eine Grundvoraussetzung, um Verbrauch und Kosten senken zu können, ist zu wissen, wann man wie viel Wärmeenergie verbraucht. Die bisherige Praxis der jährlich übermittelten Heizkostenabrechnung ist für ein eigenes Energiemanagement der Mieter nicht ausreichend.

Genau hier setzt das gemeinsame Modellvorhaben an, indem es die Wirksamkeit der monatlichen Verbrauchsinformation auf Basis des Energiedatenmanagements in einem breiten Praxistest überprüft.

Zugriff via Online-Portal

Bei dem entwickelten Energiedatenmanagement handelt es sich um eine Dienstleistung, bei der die Nutzer über ein Online-Portal jederzeit Einblick in ihren aktuellen Wärmeverbrauch nehmen können. Es basiert auf der Erfassung des individuellen Wärmeverbrauchs über speziell installierte Zähler, deren Daten per Funk an den Energiedienstleister übermittelt werden.

Die Nutzer erhalten über ein Webportal oder per Post Zugang zu ihren Verbrauchsdaten, die unter anderem klimabereinigt dargestellt und monatlich aktualisiert werden. Damit können sie ihren aktuellen Verbrauch mit dem Verbrauch aus dem Vormonat oder auch mit dem Durchschnittsverbrauch der Wohnungen im Mietshaus vergleichen.

Derzeit nutzen über 140 Mieterhaushalte dieses Angebot. Zudem wurde allen Mietern in den Wohngebäuden in München, Berlin und Essen parallel eine Heizkostenberatung angeboten.

Neun Prozent Einsparung

Zum Ende der ersten Heizperiode (Oktober 2013 bis April 2014) wurden die Verbrauchsdaten der Teilnehmer und der übrigen Mieter in den ausgewählten Liegenschaften ausgewertet. Das Ergebnis: Gegenüber den nicht teilnehmenden Mietern konnten die Projektteilnehmer im vergangenen Winter im Vergleich zum Winter 2012/2013 im Durchschnitt 9% Heizenergie einsparen – und das allein aufgrund eines veränderten Nutzerverhaltens.

Um die Langzeitwirkung der unterjährigen Verbraucherinformation zu überprüfen und ein mögliches Optimierungspotenzial zu ermitteln, wird das Modellvorhaben über mehrere Heizperioden bis Mitte 2016 fortgesetzt.

Nahezu alle Teilnehmer geben an, dass die Nutzung des Energiedatenmanagements zu mehr Wissen und zu einer besseren Kontrolle über Verbrauch und Kosten geführt hat. Fast zwei Drittel sind davon überzeugt, dass sie ihren Wärmeverbrauch durch die EDM-Nutzung gesenkt haben.

Dieses lässt sich auch mit den realen Verbrauchswerten belegen, da 60% der Teilnehmer ih

ren Verbrauch um über 10% senken konnten. Entsprechend sind die meisten Nutzer sowohl mit dem Projekt als auch mit dem Energiedatenmanagement sehr zufrieden.

Wärmewende wichtig

Mit den ersten Ergebnissen können die Projektpartner nachweisen, dass die unterjährige Verbraucherinformation einen positiven Einfluss auf den Energieverbrauch hat. Sie sind zuversichtlich, dass sich das erste Zwischenergebnis in den kommenden zwei Jahren bestätigen wird. Das Plus an Transparenz ist dabei angesichts der Diskussion über die Kosten der Energiewende umso wichtiger.

Es wird oft vernachlässigt, dass das Großprojekt Energiewende nur dann gelingen kann, wenn parallel zum Ausbau neuer Erzeugungsarten auch nachhaltig und in großem Stil Energie eingespart wird, insbesondere im Gebäudesektor. Ein geringerer Energieverbrauch lohnt sich für Eigentümer und Mieter sowie für die Volkswirtschaft gleichermaßen.

Christian Stolte (Dena) & Walter Schmidt (Ista International)

Erschienen in Ausgabe: 01/2015