Messe mit Weltpremiere

Kurz vor der H2Expo in Hamburg wird erstmals ein Fahrgastschiff mit Brennstoffzellenantrieb seinen Fahrdienst aufnehmen. Die Internationale Kongressmesse begleitet dies mit der ›Zemships‹-Konferenz.

08. September 2008

Der neue Alsterdampfer soll auf jeder seiner Touren bis zu 100 Fahrgäste emissionsfrei befördern. Unter der Federführung der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt der Freien und Hansestadt Hamburg haben sich insgesamt neun Partner zusammengefunden, die ihr spezifisches Knowhow in das von der Europäischen Uniongeförderte Projekt einbringen.

Gebaut wurde der Alsterdampfer auf der Werft SSB Oortkaten in Hamburg. Betreiber ist die ATG Alster-Touristik GmbH, die im Rahmen des Projektes auch für den Entwurf des Schiffskörpers verantwortlich ist. Der Geschäftsführer der ATG, Jens Wrage, ist überzeugt, dass Hamburger und Touristen gleichermaßen begeistert sein werden: »Es wird ein besonderes Erlebnis, auf einem modernen Schiff vollkommen emissionsfrei auf unserer Alster, durch die Kanäle und Fleete zu fahren. Und die ATG hat wieder einen richtigen Alsterdampfer, dessen Dampf nun allerdings ausschließlich reiner Wasserdampf sein wird.«

Überzeugt von der Zugkraft des umweltfreundlichen Dampfers ist auch Peter Bergleiter, Projektleiter der vom 22. bis 23.Oktober stattfindenden siebten Ausgabe der Kongressmesse H2Expo: »Dieses praxisbezogene Projekt wird mit Sicherheit großes Interesse wecken.« Die Veranstalter haben dazu ein passendes Highlight in das Konferenzprogramm aufgenommen: die Zemships-Konferenz. ›Zemships‹ steht für zero emissions ships.

Die am zweiten Veranstaltungstag abgehaltene Konferenz ist laut Bergleiter »eine optimale Ergänzung des H2Expo-Programmes «. Bei fachlichen Exkursionen auf der Alster bestehe für die Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Experten die Möglichkeit, sich selbst von Leistung und Vorteilen des Zemships zu überzeugen.

Die Konferenz ist Teil einer Partnerschaft zwischen der H2Expo und dem von der EU unterstützten Zemships-Projekt. In Fachvorträgen stellen die verschiedenen Projektpartner die ersten Erfahrungen vor, die bei Entwicklung und Einsatz des Schiffes in Hamburg sowie während des Betriebes der dafür gebauten Tankstelle gesammelt wurden. Darüber hinaus geht es um die Zertifizierung des Schiffes und die Funktionsweise des Brennstoffzellensystems.

Im Zemship selbst sorgen zwei 50-kW-BZSysteme von Proton Motor für die nötige Leistung. Der Germanische Lloyd zertifiziert diese für den Schiffsbetrieb. Für einen effizienten Betrieb des Schiffes sorgt ein intelligentes Energiemanagementsystem, das die Arbeitsteilung zwischen Brennstoffzellen und Batterie koordiniert.

Betankt wird das Schiff an einer eigens gebauten Wasserstofftankstelle an einem Seitenkanal der Alster. Für das im November 2006 gestartete und von der Stadt Hamburg koordinierte Projekt ist ein Investitionsvolumen von knapp 5,2 Mio. € nötig. Davon tragen die Partner rund 2,4 Mio. €, den Rest finanziert die Europäische Union. Nicht nur wegen dieses Highlights betrachtet Projektleiter Bergleiter die Hansestadt als idealen Konferenzort für die H2Expo. »Hamburg nimmt auf dem Gebiet der Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technologie in Europa eine Spitzenposition ein«, betont er. Die Landesinitiative Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnologie fördere intensiv die enge Verzahnung zwischen Forschung und Wirtschaft auf diesem Technologiesektor. »Zudem

haben wir hier im Congress Center die perfekte Infrastruktur mit Anschluss an alle Verkehrsmittel direkt im Zentrum der Stadt«, sagt Bergleiter.

Im Mittelpunkt der H2Expo steht die wissenschaftliche Konferenz mit einem Symposium am 22. Oktober und drei parallel laufenden Workshops am folgenden Tag. Rund 50 hochkarätige Referenten aus elf Ländern werden dazu erwartet. Die Schwerpunkte liegen auf den technischen Neuerungen bei den einzelnen Brennstoffzellentypen und ihren zukunftsträchtigsten Anwendungsfeldern, auf der Wasserstoff-Produktion aus erneuerbaren Energien sowie auf der Speicherung und der Infrastruktur.

Zu den vielversprechendsten frühen Einsatzfeldern von Brennstoffzellen zählt neben dem Schiffs- auch der Luftverkehr. Auf dem genannten Symposium wird Dr. Jean Botti, Chief Technical Officer des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, über Trends in der zivilen Luftfahrt berichten.

Die EADS-Tochter Airbus entwickelt derzeit ein Verfahren, um an Bord aus Kerosin Wasserstoff herzustellen. Man arbeite darauf hin, Hilfstriebwerke (APU) künftig mit Brennstoffzellen zu betreiben, kündigte Botti im Vorfeld an.

Umfassend beleuchtet wird die Thematik auch in den Workshops. Unter anderem stellt Peter Schumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein Simulationsmodell für Brennstoffzellen-Systeme in der Luftfahrt vor. »Der Trend, pneumatische und hydraulische Komponenten durch elektrische Systeme zu ersetzen, wird den Strombedarf weiter erhöhen«, so Schumann. Brennstoffzellen erwiesen sich hier als effiziente Lösung. Auch internationalen Perspektiven wird die H2Expo breiten Raum einräumen. Eine aktuelle Lagebeschreibung zu Trends und Entwicklungen aus Japan gibt Dr. Yoshiteru Sato, Direktor für Brennstoffzellen- und Wasserstoff-Technologie in der Entwicklungsabteilung der NEDO (New Energy and Industrial Technology Development Organization). Dr. Subhash Singhal vom Pacific Northwest National Laboratory (USA) präsentiert den Stand der SOFC-Technik.

Ein ganz aktueller Themenschwerpunkt der Konferenz widmet sich der Wasserstoff-Produktion aus alternativen Quellen. Über Forschungsaktivitäten und Verfahren zur direkten Gewinnung von Wasserstoff aus Biomüll, organischen Reststoffen und sogar aus Abwasser informiert eine Reihe von renommierten Experten.

Profit aus den vielen Leuchttürmen in der Hansestadt

Profitieren will die H2Expo insgesamt vom Engagement der Hansestadt auf diesem Gebiet. Laut Projektleiter Bergleiter finde man »einen so breit gespannten Rahmen der Anwendungen sonst in kaum einer anderen Region«. Durch die zu erwartenden Gelder aus dem Topf des Nationalen Innovationsprogramms NIP werde diese positive Entwicklung verstärkt.

Diverse Leuchtturmprojekte sprechen hier für sich. So hat die Hamburger Hochbahn mit ihren BZ-Bussen bereits einen Meilenstein gesetzt. Nun soll der Betrieb von sechs Citaro-Bussen bis in den Sommer 2010 verlängert werden. Diese bekommen weitere Verstärkung: Ab 2010 sollen die ersten zehn Busse der nächsten Generation getestet werden, in den Folgejahren will man weitere Modelle des Hybridbusses ordern. Zudem soll eine Pkw-Flotte mit rund 40 Fahrzeugen heranwachsen. Laut Planung stehen die ersten beiden A-Klasse-Mercedes des Hamburger Car-Sharing-Projekts bereit. Ein überregionaler ›Leuchtturm‹ soll den marktnahen Einsatz von Flurförderzeugen voranbringen. Hier und an zwei weiteren Standorten (NRW und Süddeutschland) ist beabsichtigt, eine Kleinflotte mit bis zu 100 Geräten in mehreren Anwendungs- und Leistungsklassen zu realisieren. (mn)

»An Entwicklung angepasst«

Peter Bergleiter, Projektleiter der H2Expo, zu den diesjährigen Schwerpunkten und dem Wechsel auf den Zwei-Jahres-Turnus.

bzm: Die H2Expo findet in diesem Jahr zum siebten Mal statt. Wie sind Sie mit der Entwicklung zufrieden?

Die Veranstaltung hat sich zu einem bedeutenden Innovationsforum für Industrie und Forschung im Bereich Wasserstoff- und Brennstoffzelle entwickelt. Die Kombination von Konferenz und Fachmesse bringt Ausstellern wie Besuchern entscheidende Synergieeffekte.

bzm: Was werden die Schwerpunkte in diesem Jahr sein?

Der Fokus liegt in diesem Jahr vor allem auf den technischen Neuerungen bei den einzelnen Brennstoffzellentypen und ihren zukunftsträchtigsten Anwendungsfeldern sowie auf Speicherung und Infrastruktur. Ein weiterer Schwerpunkt sind alternative Verfahren der Wasserstoffgewinnung, etwa aus Biomasse oder Abwasser.

bzm: Haben Sie generell etwas am Konzept verändert?

Wir sind zum Zweijahres-Rhythmus übergegangen und haben das Konzept weiter optimiert. So greifen wir unter anderem im vielseitigen Rahmenprogramm mit Workshops, Exkursionen und Foren aktuelle Entwicklungen auf. Neu im Rahmenprogramm ist zum Beispiel der Maritime Workshop, den die Marine Hydrogen and Fuel Cell Association organisiert. Dort wird eine Vielzahl von maritimen Wasserstoffprojekten, -technologien und Services präsentiert und mit den Teilnehmern erörtert und diskutiert. Der frühere Workshop für Studenten wurde zum Workshop ›H2 for Newcomers‹ weiterentwickelt. Damit wollen wir allen interessierten Neueinsteigern die Gelegenheit geben, sich über die innovativen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technologien zu informieren. Neu ist auch die ›Speakers corner‹, wo man Kontakt mit den Referenten aufnehmen kann.

bzm: Hat sich der Umstieg auf den zweijährigen Turnus aus heutiger Sicht bewährt?

Wir sind mit der H2Expo 2006 zum Zweijahres-Rhythmus übergegangen und haben uns damit dem Entwicklungstempo dieser Zukunftsbranche angepasst. Das spiegelt sich auch in den eingereichten Abstracts wider, sowohl in der Qualität als auch in der Quantität.

bzm: Hamburg will sich zu einer Schwerpunktregion für Wasserstoff entwickeln. Wie bewerten Sie den Rückenwind für Ihre Veranstaltung?

Die Stadt setzt mit ihrem Klimaschutzprogramm klare Akzente, und mit der Regierungsbeteiligung der GAL dürften diese noch deutlicher werden. Der Erste Bürgermeister Ole von Beust hat in diesem Jahr die Schirmherrschaft für die H2Expo übernommen und damit deutlich gemacht, welchen Stellenwert die Veranstaltung für die Regierung hat. Auch die Landesinitiative Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnologie mit ihren Mitgliedsunternehmen präsentiert sich umfangreich auf der Fachmesse, der Germanische Lloyd engagiert sich in diesem Jahr außerdem als Sponsor der H2Expo. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 03/2008