Milliardeninvest in Kraftwerke

E.on Energie - Der Energiekonzern hat ein umfangreiches Investitionsprogramm angekündigt. Konkrete Planungen gibt es etwa für ein GuD- und ein Steinkohle-Kraftwerk.

08. September 2005

E.on Energie wird bis zum Jahr 2007 insgesamt 6,8Mrd. € investieren, davon allein 5,9 Mrd. € in Sachanlagen. Der überwiegende Teil ist für den Erhalt und den Ausbau der Energieinfrastruktur vorgesehen. So ist in Bayern am Standort Irsching ein neues 800 MW-GuD-Kraftwerk geplant.

In Datteln im Ruhrgebiet soll zudem bis 2011 ein hochmodernes 1.000 MW-Steinkohlekraftwerk ans Netz gehen. Die ersten Genehmigungsvorverfahren seien kürzlich angelaufen, berichtet der Energie-Konzern. Zusätzlich kann die E.on-Tochter kurzfristig 1.500 MW durch die Wiederinbetriebnahme derzeit konservierter Kraftwerksblöcke und 500 MW durch Leistungserhöhungen in laufenden Kraftwerken realisieren.

Auch in die Stromnetze wird investiert: In Niedersachsen werden zum Ausgleich windbedingter Netzengpässe rund 180 neue Leitungskilometer benötigt. Eine erste 380-kV-Trasse entsteht in der Re­gion Oldenburg. In Schleswig-Holstein sind weitere Hochspannungsleitungen mit insgesamt rund 110 km geplant.

Die ökonomischen Parameter des Unternehmens können sich sehen lassen. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Johannes Teyssen konnte einen Umsatzanstieg im Jahr 2004 um rund 8 % gegenüber dem Vorjahr auf 19,7 Mrd. € vermelden. Dieser resultiert zu rund einem Drittel aus der erstmals ganzjährigen Einbeziehung der tschechischen Beteiligungen. Der adjustet EBIT stieg noch deutlicher: um über 20 % auf 3,6 Mrd. €.

»Grundlegender Zeitenwandel«

Besonders im Ausland läuft die Expansion des Unternehmens weiter. So hat man jetzt auch den Einstieg in den niederländischen Verteilermarkt geschafft: E.on Benelux wird alleiniger Anteilseigner von NRE Energie in Eindhoven, dem fünftgrößten Verteilerunternehmen des Landes.

Nach wie vor gilt Zentralosteuropa als Wachstumsregion. Dr. Teyssen beschreibt die Strategie von E.on Energie dort so: »Unsere ausgezeichnete Marktposition in Zentralosteuropa beschränkt sich bislang fast ausschließlich auf das Verteilergeschäft. Zudem sind wir noch etwas stromlastig, obwohl das Gewicht des Gasgeschäfts spürbar zugenommen hat.« Man wolle sich deshalb künftig auch auf der Stromerzeugungsseite stärker aufstellen. Zurzeit würden Optionen geprüft. So werde ein Kraftwerk in Ungarn projektiert und über eine Option für ein Kraftwerk in der Slowakei verhandelt.

Generell sieht Dr. Teyssen die Energiebranche »mitten in einem grundlegenden Zeitenwandel«. Die Internationale Energie-Agentur sage bis 2030 einen weltweiten Anstieg des Primärenergiebedarfs von fast 60 % im Vergleich zu heute voraus. »Die steilen Preisbewegungen, die verknappte Transportkapazität und der weltweit harte Wettbewerb um neue Energiegewinnungsprojekte sind erste, sehr ernst zu nehmende Vorboten«, glaubt der E.on-Energie-Chef. »Die Sicherheit, Preisgünstigkeit und Umweltverträglichkeit von Energie - also die Nachhaltigkeit in einem umfassenden Sinne« könne ein Schwerpunktthema der nächsten Dekade werden. (mn)

Interview mit Bernhard Fischer, Vorstand E.on Energie

es: Sie sind jetzt neu im Vorstand der E.on Energie für Technik zuständig. Was werden Ihre wichtigsten Aufgaben sein?

Die größten Herausforderungen der nächsten Zeit werden darin bestehen, die enormen notwendigen Investitionen in den Erhalt und den Ausbau von Kraftwerkskapazitäten sowie in die Netze auf den Weg zu bringen. Die energiepolitischen Rahmenbedingungen wie Kernenergieausstieg, Emissionshandel und das neue Energiewirtschaftsgesetz müssen dabei genauso berücksichtigt werden wie der hohe Anspruch an die Versorgungssicherheit in Deutschland.

es: Sie planen ein neues Gaskraftwerk in Irsching bei Ingolstadt. Hätte man sich angesichts steigender Gaspreise nicht besser für Kohle entschieden?

Wir haben uns für Irsching entschieden, weil es betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Dort gibt es bereits eine erschlossene Kraftwerks-Infrastruktur. Durch den Emissionshandel werden CO2-arme bzw. -freie Erzeugungsarten bevorzugt. Außerdem benötigen wir zur Optimierung unseres Kraftwerksparks Anlagen mit unterschiedlicher Charakteristik, das heißt neben Grundlastanlagen auch Mittellastkraftwerke. Diese Punkte zusammen begründen, Gaskraftwerke zu bauen. Wir werden zudem jedoch auch an geeigneten Standorten Kohlekraftwerke bauen, um unsere Anlagen in einem ausgewogenen Energiemix zu betreiben.

es: Welche Chancen sehen Sie im Retrofit bestehender Kraftwerke?

Jede betriebswirtschaftlich sinnvolle Investition in vorhandene Kraftwerke ist nachhaltig für den Standort und sichert die dortigen Arbeitsplätze. Mittel- und langfristig gesehen kann Retrofit natürlich nicht alles lösen. Irgendwann erreicht ein jedes Kraftwerk sein technisches und wirtschaftliches Laufzeitende. Daher ist es längerfristig notwendig, alte Kraftwerke durch neue, moderne Anlagen mit noch höheren Wirkungsgraden zu ersetzen.

es: Welchen Einfluss hat eine Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke auf Ihre Kraftwerksplanung?

Die bis heute bei uns initiierten Kraftwerksneubauten werden bis 2012 realisiert und sind von einer Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke unberührt, da sie nur alte, stillzulegende konventionelle Anlagen ersetzen. Die Planungen für die Zeit nach 2012 werden dagegen schon beeinflusst, denn es würden uns Kapazitäten für eine CO2-freie Grundlasterzeugung länger erhalten bleiben. Dies würde sich positiv auf die Absicherung der Versorgung auswirken und wahrscheinlich zu einer Stabilisierung der Strompreise beitragen. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 08/2005