Minderheiten bevorzugt

Thüga AG: Erfolgreiche Beteiligungsstrategie soll fortgesetzt werden

Auch als Teil des E.ON-Konzerns hält die Thüga AG an ihrer bewährten Beteiligungspolitik fest: Nicht die großen Stücke des Anteilskuchens strebt das Münchener Unternehmen an, sondern Minderheitsbeteiligungen. Dies Konzept findet nicht nur bei den Partnern des Thüga-Netzwerks Anklang. Auch Aktionäre freuen sich, denn das operative Ergebnis erreichte 2002 wieder einen Rekordwert.

05. August 2003

Erfolg ist bei der Münchner Thüga AG Programm: Wieder einmal konnte das Unternehmen eine mehr als zufrieden stellende Bilanz vorlegen. Ein paar Eckwerte: Das Beteiligungsergebnis erreichte den Rekordwert von 300 Mio. €. Als Dividende für 2002 schlagen Vorstand und Aufsichtsrat zur Thüga-Hauptversammlung Ende Juni einen Euro je Stückaktie vor (2001 waren es 90 Cent, 2000 noch 80 Cent). Und auch das operative Ergebnis der Thüga AG fiel mit 182 Mio. € so hoch aus wie nie zuvor. Damit übertrifft es den Vorjahreswert um 4 %. Vorstandsvorsitzender Dr. Dieter Nagel erläutert, dass es bei einem „echten Vergleich“ sogar 10 % höher ausfiele, denn drei Betriebe sind Anfang 2002 in Thüga-Beteiligungsgesellschaften eingebracht worden.

Die Investitionen betrugen 422 Mio. € und lagen damit deutlich unter dem Vorjahresniveau, doch die hohe Investitionssumme in 2001 von 1.353 Mio. € beruhte vor allem auf der Sacheinlage der Contigas, die mit 602 Mio. € zu Buche schlug. Nagel kommentiert: „Unsere Investitionen sind immer wenig kontinuierlich.“ Mal gelänge den Münchnern der Kauf eines interessanten Stadtwerksanteils, und mal eben nicht. Doch auch 2002 hat die Thüga konsequent ihre Linie - den Erwerb von Beteiligungen an kommunalen Energieversorgern und den Zusammenschluss dieser Gesellschaften zu einem Netzwerk - weiter verfolgt. So konnte das Unternehmen Anteile an Versorgern in Fulda, Korbach und Würzburg hinzugewinnen und bestehende Beteiligungen zum Teil deutlich aufstocken, darunter die an der Gasag Berliner Gaswerke AG (jetzt 24,9 %) und der Erdgas Südbayern GmbH (nun 50 %).

Im Rahmen einer Bereinigung hat sich das Unternehmen von Beteiligungen getrennt: von der egm Erdgas Mitteldeutschland GmbH, der Fränkische Gas-Lieferungs-Gesellschaft mbH, der Hein Gas Hamburger Gaswerke GmbH sowie der Avacon Beteiligungsgesellschaft mbH und der E.ON Bayern AG. Zudem hat Thüga ihre Beteiligungen an Unternehmen, deren Kerngeschäft nicht die Energie- und Wasserversorgung ist, abgegeben.

Gut entwickelt sich auch das Geschäft in Italien. Die Thüga Italia S.r.l., Verona, - hier sind die Aktivitäten der Thüga-Beteiligung Co.Gas und das ehemalige Italien-Engagement der Contigas gebündelt - hat mittlerweile Beteiligungen an rund 40 Unternehmen, die etwa 420.000 Endkunden versorgen, wie Vorstandsmitglied Dr. Herbert Rüben berichtet. Dem deutschen Vorbild entsprechend soll auch unter der Regie der Landesgesellschaft Thüga Italia ein Netzwerk entstehen, das den Partnern Rückendeckung bei Vertriebs- und Rechtsfragen sowie Einkaufsvorteile bei der Energie- und Materialbeschaffung verleiht. Dr. Nagel sieht das in Italien weit fortgeschrittene Unbundling als einen der Gründe an, warum Thüga dort soviel Anklang findet: „In Italien gibt es viele kleine, private Betriebe, die denken, dass sie dem Unbundling alleine nicht gewachsen sind.“

Überhaupt seien gerade die kleineren Unternehmen reizvolle Partner für das Thüga-Netzwerk, meint Nagel - auch in Deutschland. „Die kleinen verzetteln sich nicht in artfremden Aktivitäten.“ Größere Stadtwerke hingegen wagten gelegentlich Experimente, die oft viel Geld verschlingen. Stärken der kleinen Kommunalen seien eindeutig die Kundennähe und die Bekanntheit. Schwächen kompensiere die Thüga-Gruppe durch ihr Netzwerk: Beispielsweise sorgen Strom- und Gas-Handelsgesellschaften für eine effiziente Energiebeschaffung und das gemeinsame Erarbeiten und Umsetzen von Kostensenkungspotenzialen stärken die regionalen Marken in ihrer Wettbewerbsposition.

Aus Perspektive der Kommunen spielt oft die Selbständigkeit eine große Rolle, denn die kommunalen Mehrheiten beugen einer Integration vor. Auch bestehe für die Minderheitsbeteiligungen keine Gefahr, an einen Vorlieferanten gefesselt zu sein. Thüga-Vorstandsvorsitzender Nagel: „Thüga kann nicht den Vertriebsarm des E.ON-Konzerns spielen. Wir haben im Konzern schon immer eine Sonderrolle gehabt, weil wir Minderheitsbeteiligungen anstreben.“

„Trotz der sich abzeichnenden energiepolitischen Weichenstellungen und den daraus resultierenden Marktrisiken, sind wir überzeugt, dass unsere Beteiligungsgesellschaften auch künftig ihre gute Wettbewerbsposition behaupten können.“ so Dr. Nagel zuversichtlich. Er rechnet für die nahe Zukunft mit einem weiter steigenden Beteiligungsergebnis. Armin Geiß, der Nagels Amt als Vorstandsvorsitzender zum 1. Juli übernehmen wird, lässt keinen Zweifel, dass er die eingeschlagene Richtung weiter verfolgen wird. „Das Geschäftskonzept der Thüga passt im liberalisierten Markt besser denn je zuvor.“

Erschienen in Ausgabe: 06/2003