Missing Link entwickelt

Durchgängige Lösung für die neuen Aufgaben im Energiewettbewerb

Der zuletzt etwas abgeflaute Wind des Stromwettbewerbs wird demnächst stark auffrischen, glaubt der IT-Spezialist Jürgen Lange. Mit der Software eccplus, dem ersten durchgängigen CRM- und Energiedatenmanagement-System, erhalten Energieanbieter und Netzbetreiber ein Werkzeug, das die bislang bestehenden technischen Wettbewerbsbarrieren überwindet.

17. April 2001

Nachdem der Kampf um Stromkunden in den letzten Wochen und Monaten etwas an Vehemenz eingebüßt hat, steht die nächste Offensive spätestens Ende dieses Jahres bevor. Das jedenfalls ist die Überzeugung von Jürgen Langes, Vorstand der deutsche eccplus AG in Frankfurt/Main. „Nicht nur die Verbändevereinbarung II hat dafür die Basis gelegt, sondern auch der Markt hat sich weiterentwickelt.“ Innovative Energieversorgungsunternehmen (EVU) und Stromhändler hätten aus der Einheitsware Strom zahlreiche neue Produkte entwickelt, deren Vermarktung dank der nun möglichen durchgängigen Abbildung im IT-System erleichtert werde. Viele Unternehmen arbeiteten deshalb mit Hochdruck an der Einrichtung wettbewerbsfähiger IT-Infrastrukturen, die gemäß Verbändevereinbarung II beide neuen Rollen des Vertriebs und des Netzbetriebs unterstützen.

Tool für professionelles Energiedaten-Management

Für Jürgen Lange und die deutsche eccplus AG eine feine Situation, denn sein Unternehmen bietet ein Produkt an, „das EVU und Energiehändler in die Lage versetzt, all jene neuen Geschäftsprozesse problemlos zu meistern, die aufgrund fehlender IT- Tools bislang nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten zu bewältigen waren, beispielsweise auch die Betreuung von Fremdnetzkunden“. Ohne nennenswerten Widerspruch zu provozieren, könne man behaupten, mit „eccplus“ das führende System für das Customer Relationship Management (CRM) und das Energiedaten- Management für den liberalisierten Energiemarkt entwickelt zu haben. Es unterstützt laut eccplus-Vertriebsleiter Michael Kroehnert sowohl den Energievertrieb als auch Netzbetreiber durchgängig bei allen Aufgaben und Geschäftsprozessen.

Man benötige mit eccplus keinerlei Schnittstellen mehr zwischen Inselmodulen, die jeweils nur verschiedene Teillösungen abdecken. „Von der Angebotserstellung an den Kunden, über die Pflege der Kundendaten und die Visualsierung der Daten in einem Managemenentinformationssystem bis hin zur Abrechnungsvorbereitung ist alles abgebildet“, erläutert Kroehnert. „In ihrer Kernstruktur ist die Software so ausgelegt, dass sie auch als führendes IT-System eingesetzt werden kann, was insbesondere für Mittelständler sehr interessant ist.“

Durch die Kooperation mit der Somentec Software GmbH, Langen, die mit XAP über ein äußerst flexibles Abrechnungssystem verfüge, sei man in der Lage, auch die Verbrauchsabrechnung sämtlicher Produkte und Dienstleistungen im liberalisierten Energiemarkt abzudecken. Mit der Gesamtlösung eccplus und XAP habe man, so Jürgen Lange, „einen Entwicklungsvorsprung von sechs bis neun Monaten.“

Ein neues Unternehmen, das mit einem neuen Produkt die Technologieführerschaft reklamiert und im Markt für Furore sorgen will - das macht neugierig, mag bei manchem aber auch Zweifel wecken. Was steckt hinter der Gesellschaft eccplus, was hinter ihrem gleichnamigen Produkt, und wo liegen die Wurzeln?

Die Lange & Wacker Organisationskonzepte, ein in München ansässiger branchenunabhängiger Spezialist für Individual- Software-Lösungen im Großkundenbereich, hatte seit 1997 bei der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) eine Software-Lösung entwickelt, die möglichst exakt auf die Bedingungen des liberalisierten Markts zugeschnitten sein sollte. Das System läuft heute bei EnBW unter dem Namen SOVT++. Nach dem Ende dieser Geschäftsbeziehung erwarben Jürgen Lange und sein Partner Ulf Ehninger 1999 von EnBW die Rechte und Methoden an wesentlichen Teilen der Software. Diese Elemente wurden von eccplus AG in ihren Kernfunktionen optimiert, weiter entwickelt und zu der heute existierenden komplexen Gesamtlösung eccplus ausgebaut.

Zu den Kunden des Frankfurter Newcomers zählen die EnBW und der Berliner Stromhändler Ares Energie AG (Strom und Fernwärme). Mit der WV Energie AG in Frankfurt/Main, vormals Wirtschaftliche Vereinigung deutscher Versorgungsunternehmen, wurde ein Letter of Intent unterzeichnet, der die Einführung von eccplus gemeinsam mit der Somentec- Abrechnungssoftware XAP vorsieht.

Kleine Versorger können sich eine Server-Farm teilen Aufgrund der beschriebenen Marktsituation und des großen Interesses während der e-Trade in Düsseldorf, rechnet Jürgen Lange schon kurzfristig mit weiteren Auftragserfolgen. Rund 40 EVU seien an der Einführung von eccplus interessiert, vier Unternehmen benutzten es bereits testweise über das Internet auf dem Wege des Application Service Providing (ASP).

Als Finanzpartner ist die Münchner Knorr Capital Partner AG an der deutschen eccplus AG beteiligt. Jürgen Lange legt Wert auf die Feststellung, dass seine Gesellschaft nicht mit Venture-Kapital finanziert ist. Knorr Capital Partner biete die Gewähr, das erwartete Wachstum finanzieren zu können und sei mit seinen rund 40 Beteiligungen an aufstrebenden IT-Unternehmen ein idealer strategischer Partner mit vielfältigen Synergiechancen.

Gegenwärtig hat das Unternehmen 20 Mitarbeiter und wächst kontinuierlich. Um das Aufgabenpensum bewältigen zu können, sind außerdem Partnerfirmen und externe Spezialisten in die Entwicklungs- und Projektarbeit eingebunden.

Eine große Zukunftsaufgabe sieht Jürgen Lange im ASP. Darunter ist zu verstehen, dass sich Unternehmen die benötigte Software nicht mehr im Unternehmen selbst installieren lassen, sondern online auf eine Server-Farm zurückgreifen, die IT-Aufgaben für mehrere Unternehmen zentral erledigt. Die Unternehmen können mit der neuen Software viel schneller produktiv werden, als wenn die Tools jeweils separat vor Ort installiert würden. Außerdem fährt der Anwender damit billiger und kann immer mit der neuesten Technologie arbeiten, muss sich beispielsweise auch nicht mehr um die Wartung kümmern.

„Darüber denken im Moment sehr viele Unternehmen nach“, berichtet Jürgen Lange. Gerade kleinere Stadtwerke („für die sehen wir keineswegs die befürchtete Konsolidierung“) interessierten sich dafür. „Stadtwerke, aber auch kleinere Mittelständler können sich zusammenschließen, um eine Einkaufs- und eine Nutzungsgemeinschaft zu gründen. Sie blieben rechtlich eigenständig und profitierten von den Synergien des gemeinsamen Customer Relations- und Energiedaten-Managements. Das vom Energiewirtschaftsgesetz geforderte Unbundling ist auch bei der ASP- Lösung gewährleistet.“ Diese Server-Farm könnten die Unternehmen gemeinsam selbst betreiben, ebenso sei aber auch eine Mietlösung denkbar, bei der eccplus die komplette IT-Dienstleistung für Kunden erbringt. „Wenn wir das machen sollen, werden wir uns den Wünschen der Kunden nicht verschließen.“

Erschienen in Ausgabe: 06/2000