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Menschen

Windenergie - Der Mangel an qualifiziertem Fachpersonal macht der Branche zu schaffen. Gezielte Aus- und Weiterbildung mit Schwerpunkten kann helfen.

04. März 2013

Die europäische Windindustrie sieht sich einem massiven Fachkräftemangel gegenüber: Pro Jahr fehlen rund 5.500 qualifizierte Mitarbeiter. Die Lücke könnte bis 2030 auf bis zu 18.000 ansteigen, wenn die Zahl geeigneter Kräfte nicht ansteigt. Es gilt jetzt zu handeln.

Das sind Ergebnisse, einer Studie der europäischen Wind Energy Technology Platform (TP Wind). Sie basiert auf Daten der Beratungsagentur GL Garrad Hassan. »In Zeiten steigender Arbeitslosigkeit ist es fatal, dass die Windindustrie nicht das qualifizierte Personal findet, welches sie so dringend benötigt«, sagt Jacopo Moccia von der European Wind Energy Association.

»Wir müssen gezielte Weiterbildungs- und Aubildungsmöglichkeiten entwickeln. Damit steigen entsprechende Abschlüsse von diesen Kursen an und das Personal entspricht den Anforderungen, welches die Branche benötigt«, sagt Henning Kruse von TPWind.

Fokus auf Betrieb und Wartung

Die Studie empfiehlt in der Ausbildung einen Schwerpunkt auf Wissenschaft, Technik, Maschinenbau und Mathematik zu legen und den Anteil an Beiträgen aus der Industrie zu erhöhen. Zudem sollten die Absolventen mehr Abschlüsse in allgemeinen Windenergiekursen machen. Auch seien die Entwicklung einheitlicher europäischer Standards für Aus- und Weiterbildung und ein stärkerer Fokus auf Betrieb und Wartung wichtige Punkte.

Dem Ausbildungspersonal kommt dabei die äußerst wichtige Aufgabe zu, dem Fachkräftemangel bereits in der Ausbildungsphase entgegenzuwirken, mahnt Paul Christiani von der Christiani-Akademie an. Die Sicherung des Fachkräftepotenzials ist die Voraussetzung für leistungsfähige, wettbewerbsfähige Unternehmen, die auf die ausreichende Versorgung mit qualifizierten Fachkräften angewiesen sind. Moderne Ausbildungsmethoden und -konzepte steigern die Qualität in der Ausbildung, um so die Jugendlichen möglichst langfristig an die Unternehmen zu binden, erläutert Christiani weiter.

Lehrgänge für die Ausbilder

Lehrgänge zum geprüften Aus-/Weiterbildungspädagogen und geprüften Berufspädagogen vermitteln hierbei grundlegende Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen aus den Bereichen Bildungsplanung und - organisation, Lernbegleitung, Leistungsbewertung sowie Ausbildungsmarketing. Darüber hinaus beschäftigen sich die angehenden Berufspädagogen mit Beratungs-, Führungs- und Managementaufgaben in der Berufsbildung.

Fernlehrgänge bieten Unternehmen zudem die Möglichkeit, ihr Ausbildungspersonal nebenberuflich zu qualifizieren. Die Ausfallzeiten sind minimal und die vermittelten Inhalte können von den Teilnehmern direkt angewendet werden.

Die Fernlehrgänge bestehen aus einem Mix aus Selbstlernphasen, Nutzung der Online-Lernplattform, regelmäßige Online-Sprechstunden sowie Präsenzterminen. Durchgeführt werden die Lehrgänge von erfahrenen Lernbegleitern.

Hohes Qualifikationsniveau

Beschäftigungsschwerpunkte im Bereich Windenergie liegen in Planung, Bau und Betrieb von Windkraftanlagen, sowie in der Zulieferung von Anlagenkomponenten. Das Qualifikationsniveau der Branche ist nach wie vor hoch, so die Agentur für Erneuerbare Energien. Die Beschäftigungsstruktur werde geprägt durch einem großen Anteil an Akademikern, Facharbeitern und Meistern sowie Technikern. Angelerntes Personal ohne entsprechenden Bildungsabschluss macht nur einen geringen Anteil aus.

In fast allen Unternehmen sind Ingenieure der Elektrotechnik, Naturwissenschaftler und Betriebswirte tätig. Da spezifisch ausgebildete Fachkräfte oft fehlen, wird der Bedarf durch Personal mit klassischen Qualifikationen gedeckt, so die Agentur weiter. Windspezifische Kenntnisse würden innerhalb der betrieblichen Einarbeitung und Schulung und durch gezielte Zusatzqualifizierungen vermittelt.

Erschienen in Ausgabe: 02/2013