Mit kühlem Kopf kalkuliert

Technik

Effizienz - Ein Duisburger Einkaufszentrum und ein deutscher Versicherer haben jeweilsverschiedene Kühlkonzepte umgesetzt, die das Energiesparen in den Mittelpunkt stellen.

04. Oktober 2010

Dass ein Shopping Center mit über 60.000m² Nutzfläche unter nachhaltigen Aspekten betrieben werden kann, zeigt das Forum Duisburg. Es ist das weltweit erste Einkaufszentrum außerhalb Großbritanniens mit dem Gütesiegel BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Method).

Im April zeichnete das International Council of Shopping Centers (ICSC) das Forum außerdem als bestes europäisches Einkaufszentrum 2010 und gleichzeitig mit dem ›Resource Award‹ für das Energiekonzept aus.

Die Duisburger setzen auf ein integriertes, in sich geschlossenes Versorgungssystem. Dazu gehören Fernwärme für die Heizung, Blockheizkraftwerke, die mit Erdgas betrieben werden, sowie eine nachgeschaltete Absorptionskältemaschine mit 900kW, die die Wärme der BHKW im Sommer in Kälte umwandelt.

Komponenten im Blick

Zudem wird über Rückkühltürme aus der Außenluft Energie für die Kälteerzeugung gewonnen. Für die reguläre Kälteversorgung sind drei Quantum-Kältemaschinen der Cofely Refrigeration mit insgesamt 5,1MW Leistung Teil des Systems. Die Energieerzeugungsanlage erreicht so einen Wirkungsgrad von rund 90%.

Cofely Deutschland übernimmt im Contractingverfahren den gesamten Anlagenbetrieb sowie das Energiemanagement. Der Vertrag läuft über 15 Jahre. »Neben der Energielieferung ist auch das technische Gebäudemanagement Teil unserer Aufgabe im Forum Duisburg«, sagt Friedrich Lamsfuß. Er ist Leiter Vertrieb Energiecontracting bei Cofely Deutschland. Man habe es hier außerdem mit einem »hochkomplexen System« zu tun.

Für den Contractor besteht die Herausforderung und tägliche Aufgabe unter anderem darin, für den Betrieb der Anlage zu sorgen und diesen den tatsächlichen Bedürfnissen des Centers anzupassen.

Einerseits haben die mehr als 90 Mieter des Forums verschiedene Anforderungen an Energieversorgung, Klimatisierung und Kühlung. Andererseits dürfen auch die Komfortbedürfnisse der Kunden beim Einkaufen nicht außer Acht gelassen werden.

Gleichzeitig muss der Contractor die Energien immer zu den wirtschaftlichsten Bedingungen zur Verfügung stellen, sodass die prognostizierten Verbrauchswerte und Preise eingehalten werden können.

Dies erreiche man durch ein Konzept, das das Zusammenspiel aller Komponenten berücksichtige sowie die Optimierung unter wirtschaftlichen Aspekten, erläutert das Unternehmen. So ergibt sich die Option, in Zeiten der Netzspitzenlast und hohen Vergütungen, Strom aus den BHKW ins Netz zu speisen oder diese zu Gasspitzenzeiten abzuschalten.

Sparende Steuerung

Nach zwei Jahren Betrieb zeigt sich, dass das Konzept aufgeht. »Wir kombinieren hier unser Wissen um die optimale Bewirtschaftung komplexer Liegenschaften mit unserer Expertise für Kälte und Klima sowie mit unserer Kompetenz im Bereich der Energielieferung zu einem Gesamtergebnis, bei dem der Energieverbrauch nun sogar noch unter den vorgegebenen Zielwerten liegt«, sagt Friedrich Lamsfuß.

Auch bei der Allianz Deutschland konnte die Kältetochter des Unternehmens diese »Expertise für Kälte und Klima« nutzen. Bei der Modernisierung seines Gebäudes in Unterföhring hat sich der Versicherer für ein Kühlkonzept mit drei Kältemaschinen und einer Wärmepumpe entschieden, die über eine Steuerungssoftware einen energiesparenden Betrieb der Anlagen ermöglicht.

Über automatische Leistungsanpassung regelt die Software die Kälteleistung nach dem aktuellen Bedarf. Dabei koordiniert sie das Zu- und Abschalten der Kälteaggregate anhand verschiedener Parameter.

So sorgen in den Räumen drei wassergekühlte Quantum mit je 960kW Leistung für die benötigte Kälte. Eine weitere mit 400kW ergänzt das System als Heizanlage – dank Wärmerückgewinnung.

Fernkälte

Ausbau Berliner Kältezentrale

Vattenfall plant, seine Kältezentrale in Berlin von 36MW auf 44MW bis 2012 zu erweitern. Diese kühlt unter anderem das Sony-Center sowie den Bundesrat. Der Hauptteil wird durch Absorptionskältemaschinen erzeugt, dabei dient Fernwärme als Antriebsenergie. Als Medium dient 6°C kaltes Wasser. Dieses kommt über das Fernkältenetz zu den Kunden, erwärmt sich und gelangt zurück in die Zentrale.

Erschienen in Ausgabe: 08/2010