Mit spitzem Stift durchkalkulieren

Management

Repowering - Der Austausch veralteter Windenergieanlagen gegen leistungsstärkere Modelle rechnet sich in den meisten Fällen. Mit Blick auf das neue Auktionsmodell kann das Thema nochmals an Bedeutung gewinnen. Die Anforderungen an die Planung und Durchführung von Repowering-Projekten sind aber stark gestiegen.

23. Januar 2017

Das neue Auktionsmodell und der zunehmende Mangel neuer, attraktiver Anlagenstandorte verleihen dem Repowering– also dem Austausch alter Windenergieanlagen durch leistungsfähigere Modelle– zusätzlichen Schub. Allerdings ist das Repowering für Anlagenbesitzer kein Selbstläufer, denn es muss sich rechnen, und die Genehmigungsbehörden wie auch die Finanzierer müssen dem Modernisierungsprojekt ihren Segen erteilen.

Aus Vorhandenem Schöpfen

Da das neue Auktionsmodell vorsieht, dass unterschiedliche Windparkflächen bei den Ausschreibungen gegeneinander antreten, weisen Repowering-Projekte auf Arealen, die bereits seit vielen Jahren verlässlich hohe Erträge erwirtschaften, besonders gute Erfolgsperspektiven auf.

Dennoch bilden auch hier präzise und verlässliche Berechnungen die Grundlage, um ein wettbewerbsfähiges und zugleich wirtschaftliches Gebot abgeben zu können.

Dabei kommt dem Betreiber zugute, dass ihm bereits oft belastbare Daten über die Windausbeute am Standort zur Verfügung stehen. Darüber hinaus kann bestehende Infrastruktur, zum Beispiel Zuwegungen und Netzanschlüsse, im Vergleich zu einem Neuprojekt die Organisation vereinfachen und Infrastrukturkosten senken.

Höhere Anforderungen

Zu beachten ist allerdings, dass für die Planung und Genehmigung eines Repowering-Projekts grundsätzlich die gleichen Bedingungen und gesetzlichen Regelungen gelten wie bei einer Greenfield-Anlage.

Zunächst muss eine geeignete Fläche zur Verfügung stehen, und das Projekt muss nach den zum Zeitpunkt der Planung geltenden Vorgaben genehmigungsfähig sein. Das heißt auch, dass ein komplettes Antrags- und Genehmigungsverfahren zu durchlaufen ist– die Gutachten und Genehmigungen der alten Anlage lassen sich nicht übertragen. Daher müssen Betreiber auch für ein Repowering-Projekt von der ersten Planung bis hin zur Schlüsselübergabe drei bis fünf Jahre für die Umsetzung einplanen.

 In manchen Fällen kann das Genehmigungsverfahren zu einem negativen Ergebnis führen. Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn seit dem Bau der Altanlage Abstandsregelungen geändert oder Naturschutzgebiete ausgeweitet wurden.

Für den Rückbau der Altanlage gelten Sicherheits- und Umweltvorgaben, die gewährleisten, dass dieser belastungsfrei für Mensch und Umwelt erfolgt. Der Rückbau sollte ausschließlich von geschultem Personal durchgeführt werden, und es sollten die gleichen hohen Sicherheitsstandards wie für Neuinstallationen gelten.

Die Repowering-Anlagen sind in der Regel deutlich höher als die Altanlagen. Daher sind auch die damit wachsenden Anforderungen an die Ausgleichsmaßnahmen zu berücksichtigen.

Grundsätzlich ist es möglich, eine leistungsfähigere Anlage auf gleicher Höhe zu bauen– das bietet sich vor allem an, wenn Naturschutzvorgaben den Bau eines höheren Turms verbieten. Allerdings fällt damit auch der zu erwartende Mehrertrag geringer aus.

WirtschaftlichkeitsFaktoren

Eine wichtige erste Voraussetzung für das Repowering: Die Altanlage sollte vollständig abbezahlt, also frei von jeglicher Fremdfinanzierung sein. Für die Kalkulation des Gesamtprojekts ist zunächst einmal ausschlaggebend, welche Ziele der Investor beziehungsweise Betreiber mit dem Repowering-Vorhaben verfolgt.

Geht es um die Rendite-Maximierung bei möglichst flachen Investitionskosten? Oder gilt es, einen langfristigen Werterhalt der Anlagen zu erzielen? Ist diese Grundsatzentscheidung getroffen, geht es an die Betrachtung der Kosten und Gewinne (Wirtschaftlichkeit Bestandsanlage, Saldo Rückbau, Wirtschaftlichkeit Neuanlage).

Rückbau der Altanlage

Erweist sich ein Repowering-Projekt als wirtschaftlich sinnvoll– das ist meist der Fall– geht es an die Detailplanung. Dazu gehört auch die Planung des Rückbaus. Hat der Landwirt seine alte Anlage in der Vergangenheit schon einmal selbst kurzerhand mit Hilfe des Traktors umgelegt, so sind die Anforderungen an einen vorschriftsmäßigen Rückbau in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Dazu trägt auch bei, dass die Größe der Windenergieanlagen immer weiter zunimmt, wodurch die Komplexität für die Unternehmen wächst, die den Rückbau vornehmen.

Seit 2003 steigt der relative Anteil von Repowering-Anlagen am Gesamtmarkt kontinuierlich an. Seit 2010 werden jedes Jahr konstant über 200Megawatt an Neuanlagen installiert, die als Repowering-Projekte klassifiziert sind. Heute liegt der Anteil des jährlichen Zubaus von Repowering-Anlagen im deutschen Onshore-Markt bei rund 15 Prozent.

Bereits im Jahr 2015 wurden eine Vielzahl von 2-MW-Anlagen auf Nabenhöhen von 100Metern und mehr zurückgebaut. Die technischen Anforderungen an Kran und Installationsteams sind bei diesen Anlagen so hoch wie bei dem Aufbau von neuen Anlagen.

Weiterverwertung klären

An den Abbau der Anlage schließt sich deren Weiterverwertung an. Entweder ist deren Laufzeitprognose und Restwert noch so gut, dass sie mit Hilfe eines versierten und erfahrenen Partners am Gebrauchtmarkt verkauft werden kann solche Anlagen finden in den unterschiedlichsten Ländern eine neue Heimat, von Italien und Polen bis hin zu Kasachstan und Neuseeland.

Oder der Zustand lässt nur noch eine Verschrottung zu. Das betrifft auch Modelle, die nur in kleinen Auflagen produziert wurden– mit entsprechenden Konsequenzen für die Ersatzteillage. Auch für diese Aufgaben bieten sich Experten an, die sich auf das Recycling von Altanlagen und die Wiederverwertung des hohen Stahl- und Kupferanteils spezialisiert haben.

Risiken minimieren

Angesichts der hier aufgezeigten Vielzahl von Aufgaben und Schnittstellen, die bei der Planung und Durchführung von Repowering-Projekten zu berücksichtigen sind, sind Eigentümer und Betreiber von Onshore-Windparks gut beraten, diese Aufgaben ganz oder teilweise in die Hand erfahrener Spezialisten zu legen. Auf diese Weise optimieren sie die Risikoverteilung des Projekts.

Darüber hinaus ergeben sich durch die Minimierung von Einmalkosten, eintretende Synergieeffekte, die zentrale Koordination des Gesamtprojekts und Preisvorteile durch ein hohes Einkaufsvolumen auch handfeste wirtschaftliche Argumente für die Zusammenarbeit mit einem etablierten Repowering-Partner.

Jens Kück (Vestas Deutschland)

Erschienen in Ausgabe: 01/2017