Mit voller Kraft in den IPP-Markt

Steag möchte internationale Kraftwerksaktivitäten ausbauen

Seit Jahren entwickelt sich die Steag AG, Essen, schrittweise vom regionalen Steinkohleverstromer zu einem Player im internationalen Kraftwerksgeschäft. Mit dem Marktauftritt „Steag - The German IPP“ signalisiert das Unternehmen, wo es in Zukunft lang geht.

07. November 2001

Den Namen Steag mit der Verstromung von Steinkohle zu identifizieren, ist nicht verkehrt, hat das Unternehmen an der Ruhr doch seine Position in Deutschland als zweitgrößter Anbieter von Elektrizität aus Kohle erfolgreich verteidigen können. Größter Abnehmer des in den Kraftwerken Herne, Walsum, Lünen, Bergkamen und Voerde erzeugten Stroms ist die RWE Power AG, aber auch die Deutsche Bahn AG zählt zu den Kunden der Essener.

Nicht nur in Westdeutschland engagiert sich die Steag. Durch Projekte in Leuna, Termopaipa (Kolumbien) und Iskenderun (Türkei) konnten sich die Kraftwerksspezialisten als Independent Power Producer (IPP) positionieren, über eine weitere Referenz auf den Philippinen wird voraussichtlich im Herbst entschieden werden.

In dem Engagement auf dem IPP-Markt sieht Vorstandsvorsitzender Dr. Jochen Melchior die Zukunft. „Der Bereich IPP wird sich zur tragenden Säule des Unternehmens entwickeln“, ist er überzeugt und fügt hinzu: „Was wir zu Hause erfolgreich über viele Jahre gemacht haben, wollen wir nun auch international tun!“ Dabei sind der Steag Coinvestoren willkommen.

Rund 500 Mio. € sollen jährlich in IPP-Aktivitäten investiert werden. Für die nahe Zukunft ist dieses Ziel gesichert. Das im vergangenen Jahr gestartete Projekt Iskenderun wird insgesamt ein Investitionsvolumen von rund 1,5 Mrd. US-$ erreichen. Juni 2000 wurde das „Financial Closing“ erreicht, derzeit befindet sich der Kraftwerksbau in der Realisierung. Im Herbst 2003 soll das erste Kilowatt an den türkischen Versorger Teas geliefert werden.

Um den dynamisch wachsenden IPP-Markt im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten mit „ganzer Kraft“ angehen zu können, wie sich Steag-Chef Melchior ausdrückt, wünschen er und seine Vorstandskollegen eine Öffnung der Unternehmenssatzung. Bislang ist dort festgeschrieben, dass sich die Aktivitäten im Bereich Kohleverstromung auf Westdeutschland konzentrieren. Anderweitige Projekte bedürfen bislang der Zustimmung der Aktionäre, und zwar mit vier Fünftel Mehrheit. Verhandlungen, die eine Änderung der Satzung nach sich ziehen könnten, laufen gerade auf Aktionärsebene.

Dass sich die Steag mehr Handlungsfreiheit auf internationalen Märkten wünscht, liegt auf der Hand. Während hierzulande in Anbetracht bestehender Überkapazitäten Diskussionen über Kraftwerksstilllegungen laufen, wächst der Energiehunger in anderen Teilen der Welt. Bis 2010 werden rund 900 GW Kraftwerkskapazität benötigt. Davon entfallen allerdings gerade ein Zwölftel auf den europäischen Markt. Interessanter sind Südamerika, Asien und Nordamerika. Gemeinsam mit den anderen RAG-Kernkompetenzen sollen Potenziale auf diesen Märkten erschlossen werden.

„Wir wollen der deutsche IPP werden“, sagt Melchior. Er sieht die Steag für diese Aufgabe gut gerüstet: „Wir verfügen über eine hochmotivierte Mannschaft und die erforderliche Finanzkraft. Damit sind alle Voraussetzungen gegeben, das Begonnene fortzusetzen und Steag auch nachhaltig auf Erfolgskurs zu halten.“

Erschienen in Ausgabe: 07/2001