Mitmachfaktor stärkt Image

Management

EVU - Die Möglichkeit, sich an Erneuerbar-Projekten zu beteiligen, stößt bei Bürgern auf hohe Zustimmung. Sie attestieren diesen Versorgern ökologisches und regionales Engagement.

22. Januar 2013

>Ein Plus für die in der Energiebranche tätigen Unternehmen: Angebote einer Bürgerbeteiligung seitens der Energieversorger haben durchaus einen positiven Einfluss auf Image und Kundenbindung. Verbraucher attestieren Anbietern von Beteiligungsmodellen ein besonderes Interesse an der Energiewende sowie das Gefühl, mit dem regionalen Versorger die richtige Wahl getroffen zu haben.

Dies ist das Ergebnis einer Studie des Kölner Marktforschungs- und Beratungsinstituts YouGov in Zusammenarbeit mit dem Informationsdienstleister energate, für die rund 1.000 Bürger im Zeitraum vom 10.09. bis 13.09.2012 repräsentativ befragt wurden. Zusätzlich befragte energate 52 Energieversorger nach ihren Erfahrungen mit der Umsetzung solcher Modelle.

»Die Studie stellt deutlich heraus, dass Bürgerbeteiligungsprojekte klare Erfolgsmodelle sind, die ihren Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten können und gleichzeitig den Energieversorgern deutliche Imagegewinne einbringen können«, sagt Werner Grimmer, Studienleiter und Head of Business Unit Energy bei YouGov. Die Möglichkeit, sich finanziell an erneuerbaren Energieprojekten zu beteiligen, stößt bei den Bundesbürgern auf hohe Zustimmung. Insgesamt fast zwei Drittel (65%) der Befragten haben eine positive Einstellung zum Thema Bürgerbeteiligungsmodelle.

Vertrauen motiviert

29% finden die Grundidee sogar »ausgezeichnet« oder »sehr gut«. Lediglich ein Drittel ist bislang noch kritisch. Mit 46% kennt knapp die Hälfte der privaten Entscheider in Sachen Energie und Geldanlagen zumindest die Grundidee.

Die Sympathien für Beteiligungsmodelle ist bei Kunden mit Ökostrom-Anbieter am höchsten. Die Studie zeigt aber auch, dass Kunden mit einer hohen Bindung an ihren Versorger besonders aufgeschlossen sind. Die Motivation zur Beteiligung kommt also nicht nur aus einer ökologischen Grundeinstellung, sondern kann auch aus dem Vertrauen in den Energieversorger entstehen. 54% der befragten Bürger attestierten einem Versorger mit Beteiligungsangebot einen ökologischen Imagegewinn, 49% honorierten das regionale Engagement.

Beispiele für den Erfolg solcher Beteiligungsmodelle der EVU finden sich unter anderem bei den Stadtwerken Augsburg, die im Frühjahr 2012 innerhalb von knapp anderthalb Monaten sogar zu viele Interessenten für ihre Anlage fanden.

»wertschöpfung in der Region«

Rund 1.400 Bürger wollten sich mit knapp 20Mio.€ an den Erneuerbar-Projekten beteiligen. Das Investitionsvolumen für ein neues Wasserkraftwerk und in PV-Anlagen liegt aber nur bei 12Mio.€, sodass nicht alle Interessenten in dieser ersten Phase zum Zuge kommen konnten. »Das Ergebnis hat alle unsere Erwartungen weit übertroffen«, sagte damals Claus Gebhardt, Geschäftsführer der Stadtwerke Augsburg. Der überwältigende Zuspruch zeige, dass die Bürger die Energiewende mitgestalten wollen.

Ebenfalls im Frühjahr 2012 hat die N-Ergie gemeinsam mit der Baywa und dem Genossenschaftsverband Bayern ein Modell aufgelegt, bei dem sich die Bürger als Kunden der Banken beteiligen können. »Eine dezentrale und bürgerbeteiligte Gestaltung der Energieversorgung macht es möglich, dass durch die Nutzung der regionalen Energiequellen größere Teile der Wertschöpfung als bisher in der Region bleiben«, sagte Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender N-Ergie.

Dabei sind Bürgerbeteiligungsmodelle von Energieversorgern nichts wirklich Neues, wie das Beispiel A3 Solar zeigt – ein Solarprojekt des Elektrizitätswerks Goldbach-Hösbach auf der Autobahneinhausung der A3 Würzburg-Frankfurt, an dem sich über 120 Kunden des Stomerzeugers finanziell beteiligten. Das Projekt erhielt 2009 den Solarpreis für die längste PV-Anlage der Welt.

»Wir haben eine große Kaufbereitschaft erlebt, unsere Anteile von 1.000 Euro pro Stück waren ruck, zuck vergeben«, so A3 Solar. Damit das Elektrizitätswerk das Unternehmen gründen und die Anteile vertreiben konnte, war die Abnahme des Wertpapierprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nötig.

Kundenbindung als Faktor

Hier kam die Dallmayer Informationsysteme ins Spiel. Ein Unternehmen, das mit Partnern wie Rechtsanwälten und Steuerberatern Städte, Gemeinden und Stadtwerke zum Thema Kapitalanlagen berät.

Es bietet unter anderem die Software Prequity an, mit der Kunden ihre Interessenten und Anleger verwalten und Beteiligungsprojekte managen können. Gemeinsam mit dem Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Nicolai Kutz, langjähriger Partner der Dallmayer Informationssysteme, wurde bei der A3 Solargesellschaft die von der BaFin erstellte Mängelliste erfolgreich abgearbeitet.

Wie die Beispiele zeigen, stehen Beteiligungsmodelle auch bei klassischen Energieversorgern auf der Agenda. Das bestätigt die Studie der Partner YouGov und energate. Fast 84% der befragten Unternehmen sehen in Bürgerbeteiligungsmodellen einen Erfolgsfaktor zur Imagepflege.

Die Vermutung, dass Energieversorger Bürgerbeteiligungsmodelle hauptsächlich zur Finanzierung von Ökostromprojekten nutzten, bestätigte die Umfrage dagegen nicht. Nur etwa die Hälfte aller Teilnehmer begründet ihre Aktivitäten mit diesem Argument. Wichtiger ist die Kundenbindung – sie stellt für gut 76% der Unternehmen einen ausschlaggebenden Faktor dar. An dritter Stelle liegt die Förderung der Akzeptanz entsprechender Infrastrukturprojekte mit 65%.

Als populärstes Beteiligungsmodell nannten die Unternehmen den Sparbrief, den sie häufig in Zusammenarbeit mit den Sparkassen ausgeben. Im Mittel ergab sich in der Umfrage hier ein Emissionsvolumen von gut 7Mio.€. Auf Platz zwei folgten gewinnabhängige Darlehen vor Genossenschaftsmodellen. Wie die Umfrage zeigte, versprechen sich auch die Kreditinstitute Vorteile von einem Engagement an Bürgerbeteiligungsprojekten. Durch die im Vergleich zu anderen Finanzprodukten attraktivere Verzinsung erwarten sie vor allem eine höhere Kundenbindung und eine Stärkung ihres grünen Images.

Erschienen in Ausgabe: 01/2013