Modell für EVU mindert Risiken der Aufbereitung

Spezial

Biomethan - «Schuster bleib bei Deinen Leisten«, könnte man auch überspitzt formulieren: Das Konzept von Arcanum bringt Stadtwerke und Landwirte zusammen. Mit strikter Aufgabentrennung.

30. März 2012

Ein Biomethan-Einspeiseprojekt zu realisieren ist für Energieversorger mit verschiedensten Herausforderungen verbunden. »Die Ansprache und Gewinnung von landwirtschaftlichen Partnern und damit die Sicherung von Substraten sind Grundvoraussetzungen für ein nachhaltiges und dauerhaftes Einspeiseprojekt«, erläutert Vera Schürmann, Geschäftsführerin bei Arcanum Energy Systems.

Es gilt außerdem, passende Standorte zu evaluieren und die richtige Technik auszuwählen. Diese Faktoren seien maßgeblich für die wirtschaftliche Auslegung und bedürfen einer ganzheitlichen Betrachtung des Projektes. »Die Projektentwicklung ist damit an Know-how und Erfahrungen geknüpft, die bei vielen EVU im Bereich Bioerdgas nicht vorhanden sind.«

Eine besondere Herausforderung stelle immer noch der Zugang zum Erdgasnetz dar. Trotz des vorrangigen Netzzugangs von Biogas gemäß GasNZV kommt es oft zu Verzögerungen durch den Netzbetreiber vor Ort, berichtet die Geschäftsführerin. »Hier ist die Bundesnetzagentur weiter gefordert, entsprechend einzugreifen.«

Ist die Bioerdgaseinspeisung erfolgreich umgesetzt, sind die Anlagenbetriebsführung, das Transport- und Bilanzkreismanagement und die Absatzsicherung des Bioerdgases weitere Herausforderungen, die anzugehen sind. »Wir empfehlen, diese Aspekte in der Projektplanung bereits zu berücksichtigen.«

Landwirt als Partner

Solche Herausforderungen lassen sich auch gemeinsam stemmen, wie das Unternehmen mit dem Geschäftsmodell Biogas Pool unter Beweis stellt. Für das Konzept hat Arcanum im Dezember den Preis ›Biogaspartnerschaft des Jahres 2011‹ der dena bekommen. Gewonnen hatte diesen der ›Biogaspool I‹ in Niedersachsen.

Das Konzept ermöglicht es Stadtwerken, gemeinsam in die Aufbereitung und Einspeisung von Biogas zu investieren, ohne selbst bei der Rohbiogasherstellung aktiv werden zu müssen. Die für die Biogasbereitstellung zuständigen Landwirte profitieren wiederum von langfristigen Abnahmeverträgen. »Eine Investition in eine einzelne Bioerdgasanlage rechnet sich erst ab einer Produktionsmenge von mindestens 30 Millionen Kilowattstunden pro Jahr.«, erläutert Schürmann die Idee. »Gerade für kleinere und mittlere Stadtwerke hat sich gezeigt, dass eine solche Menge den eigenen Bedarf überschreitet.«

Jedes Stadtwerk könne mit einer Beteiligung am Biogas Pool seinen individuellen Mengenbedarf sichern.

»Durch die gemeinsame Investition an mehreren Standorten ist zudem eine hohe Liefersicherheit geboten.« Im Falle eines Ausfalls einer Anlage im Pool könne der Schaden durch die Produktion der übrigen Anlagen gedämpft werden.

Eine Anlage allein könne mit der zur Zeit am Markt verfügbaren Aufbereitungstechnik nur einen marktgerechten Bioerdgaspreis erzielen, wenn die Einspeisekapazität mindestens 350 Nm3/h beträgt. »Durch die Gemeinschaftsinvestition reduzieren sich Kosten und Risiken, sodass eine Versorgung mit Bioerdgas für alle Pool-Beteiligten auf diese Weise besser zu bewältigen ist als alleine ein solches Projekt in die Hand zu nehmen.«

Die Rollen der Beteiligten sind durch eine klare Aufteilung des Wertschöpfungsprozesses definiert. Stadtwerke gründen eine eigene Gesellschaft, über die sie gemeinsam an drei bis vier Standorten in die Bioerdgasaufbereitung und Einspeisung investieren. Die EVU selbst verwenden das Biomethan in ihren Versorgungsgebieten in BHKW, an Erdgastankstellen oder bieten ihren Kunden Ökogas als Beimischung zum Erdgas an. Die Landwirte investieren in die Biogasproduktion, verantworten die Rohbiogasproduktion inklusive der Substratsicherung. »Sie verkaufen das produzierte Rohbiogas langfristig zu fairen Konditionen an die Pool-Gesellschaft. »

Die Aufbereitungsanlagen innerhalb eines Pools gehören den beteiligten Stadtwerken gemeinsam. Da Produktion und Aufbereitung in unmittelbarer räumlicher Nähe auf einem Grundstück geschehen, genügt eine kurze Rohbiogasanbindung. Nach der Einspeisung in das Netz ist Biomethan physikalisch vom Erdgas nicht zu unterscheiden. »Deshalb bestehen hohe Ansprüche an den nachgelagerten virtuellen Transport und die Mengenbilanzierung«, so Schürmann. Hier müsse sichergestellt werden, dass das Gas virtuell auch dort ankommt, wo es verwendet wird. »Diese Dienstleistungen übernehmen wir für den Biogas Pool.«

Weitere Pläne in Petto

Der Biogas Pool 1 erzeugt mit insgesamt drei Anlagen 120Mio.kWh Biomethan. Neben Arcanum als Projektmanager und Gesellschafter haben sich hier die Stadtwerke Bad Salzuflen, Herne, Rotenburg (Wümme), Verden (Aller) und Witten zusammengeschlossen. Die Landwirte gründeten als Kooperationspartner des Pools zwei Gesellschaften: die H.A.N.S. Energie (Engeln) und die Agrogas & Wärme (Deinstedt).

Nach dem ersten Pool produziert mittlerweile ›Biogas Pool 2‹ demnächst mit der dritten Anlage Bioerdgas. »Für den Pool 3 haben wir bereits einige Zusagen von Stadtwerken, auch auf der landwirtschaftlichen Seite konnten wir attraktive Rohbiogas-Standorte gewinnen. Die Resonanz ist somit auf beiden Seiten sehr positiv.« Der 4. Pool sei bereits in Vorbereitung. Die bisehrigen Biogas Pools beziehen das Rohbiogas von fünf landwirtschaftlichen Betrieben oder Kooperationen. Die Anzahl der Abnehmer dieser Gasmengen in den Pools liege derzeit bei 11 Gesellschaftern.

»Die Aufteilung der erzeugten Gasmengen auf verschiedene Biogas Pools hat vor allem operative Vorteile«, erläutert Schürmann. Auf diese Weise seien der Transport, die Bilanzierung aber auch die individuelle Betreuung der Gesellschafter einfacher umzusetzen. Und es gibt weitere Pläne: »Unser Pool-Konzept werden wir künftig um die Möglichkeit der Bürgerbeteiligung und die Integration in den kommunalen Klimaschutz ausweiten.« Diese Optionen befänden sich bereits in Vorbereitung und würden im Laufe des Jahres vorgestellt.

Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat gemeinsam mit Partnern aus Land- und Energiewirtschaft das Projekt ›Biogaspartnerschaft‹ entwickelt. Im Rahmen des Projekts »werden Marktakteure der gesamten Wertschöpfungskette Biogaseinspeisung zusammengebracht und in ihren Aktivitäten zur Marktgestaltung unterstützt«, heißt es. Die dena ist hier in der Funktion eines Moderators tätig und stellt eine Plattform für die Informationsbeschaffung und -aufbereitung sowie für deren nationale und internationale Verbreitung zur Verfügung.

Erschienen in Ausgabe: 03/2012