Moderne Wasserkraft im Allgäu

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist eine der wesentlichen Aufgaben, damit die Energiewende in Deutschland gelingt. Der Anteil der Wasserkraft stagniert seit Jahren. Jetzt wurde im Allgäu ein neuer Turbinentyp in Betrieb genommen, der neue Standards bei Wirtschaftlichkeit und Fischverträglichkeit setzen soll.

12. April 2016

Binnen eines Jahres ist in Sulzberg/Au im Allgäu ein Wasserkraftwerk mit einer neuen Turbinentechnik gebaut worden. Die sogenannten Very-Low-Head-Turbinen (VLH) stellen in Kombination mit der variablen Stauzielregelung durch ein wassergefülltes Schlauchwehr zufolge eine Weltneuheit dar, so die Betreiber in einer Mitteilung.

 

Seit Jahresbeginn 2016 lieferen die zwei Turbinen mit einer Leistung von je 450 kW bereits Strom. Jetzt wurde die Anlage auch offiziell eingeweiht. Das Investitionsvolumen betrug den Angaben zufolge insgesamt 8,7 Mio. €. 

 

Innovation an einem traditionellen Standort

 

Mit dem Ziel, eine bestehende Staustufe mit niedriger Fallhöhe wirtschaftlich für die Erzeugung von Strom aus Wasserkraft zu nutzen und gleichzeitig eines der fischverträglichsten Wasserkraftwerke zu bauen, gründeten die Allgäuer Überlandwerk GmbH (AÜW) und die Bayer. Landeskraftwerke GmbH (LaKW) die gemeinsame Gesellschaft Illerkraftwerk Au GmbH.

 

„Das spannende an dem Standort ist der geschichtliche Hintergrund - bereits 1907 wurde von unserem Firmengründer Karl Böhm und seinem Vater an dieser Stelle ein Wasserkraftwerk betrieben. Auf Grund der niedrigen Fallhöhe galt dieser Standort lange Zeit als unwirtschaftlich. Der Einsatz der VLH Technologie ermöglicht an dieser Wehranlage nun wieder eine effiziente Erzeugung Erneuerbarer Energie aus Wasserkraft.“, erläutert Michael Lucke, Geschäftsführer AÜW.

 

Ökologie als oberstes Ziel

 

Im Rahmen ihrer Festrede betonte die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf, dass an diesem Standort ein Vorzeigeprojekt entstanden sei.

 

Im Frühjahr 2015 wurde ein umfangreiches Monitoringprogramm des Lehrstuhls für Aquatische Systembiologie der TU München begonnen, um die ökolo­gischen Auswirkungen der Anlage im Vergleich mit dem Vorher-Zustand und mit herkömmlichen Wasserkraftanlagen zu untersuchen.

 

Die Auswertung der Forschungsarbeit wird nach einer weiteren umfangreichen Versuchsreihe im Herbst 2017 erwartet.

 

Technische Spezifikationen des neuen VLH-Wasserkraftwerks Kraftwerk mit zwei baugleichen Maschinensätzen:

Turbinentyp: VLH (Very Low Head)

Turbinenleistung: je 450 kW

Nenndurchfluss: je 27 m³/s

Laufraddurchmesser: 5.000 mm

Nettofallhöhe maximal: 2,32 m (minimal 1,40 m)

Turbinendrehzahl: 15-20 Umdrehungen/min

 

Generatortyp: Permanentmagnet-Generator

Drehzahl: wie Turbine (direktgekoppelt)

Spannung: 500 V

Kühlung: Wasserkühlung

Jahresarbeit: ca. 3,9 Mio kWh

Fischaufstiegshilfe: Vertical Slot Pass