Modernes Motormanagement

Avacon ließ Blockheizkraftwerk am Standort Lüneburg errichten
11. April 2001

Das Energiedienstleistungsunternehmen Avacon ist aus der Fusion der fünf bisherigen Energieversorgungsunternehmen EVM (Magdeburg), Ferngas Salzgitter, Hastra (Hannover), Landesgasversorgung Niedersachsen (Sarstedt) und Überlandzentrale Helmstedt entstanden. Nach intensiver Vorbereitung ist am 20. August 1999 die Fusion der fünf Partner zur Avacon AG mit Sitz in Helmstedt rechtlich vollzogen worden. Avacon ist mit etwa 1,1 Mio. Kunden und einem Netzgebiet von über 24.000 km2 einer der größten Energiedienstleister in Deutschland. Neben der Versorgung der Kunden mit Strom, Gas, Wasser und Wärme setzt Avacon auch bewusst auf Innovation und Umweltschutz.

In diesem Zusammenhang spielt auch die Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung eine wichtige Rolle. Der Einsatz dieser Technologie hat bei Avacon vor allem im Heizkraftwerk der alten Salzstadt Lüneburg eine jahrzehntelange Tradition. Die alten Dampferzeuger und Dampfturbinen waren abgängig und es wurde die Entscheidung gefällt, ein unter wirtschaftlichen und technischen Gesichtspunkten optimiertes Fernwärmeversorgungskonzept zu erstellen. Eine im Anschluss durchgeführte Wirtschaftlichkeitsanalyse kam zu dem Ergebnis, dass eine Sanierung der Wärmeerzeugungsanlagen auf Basis des Einsatzes eines Blockheizkraftwerkes optimale energiewirtschaftliche Voraussetzungen mit sich bringt.

Herzstück des neuen Blockheizkraftwerkes ist der Ottogasmotor Wärtsilä 18V28SG mit einer elektrischen Leistung von 4.560 kW. Dieses moderne Aggregat mit einem Gesamtgewicht von 63 t wird von der finnischen Firma Wärtsilä NSD Corporation, einem weltweit agierenden Lieferanten von mittelschnell laufenden Diesel- und Gasmotoren, in Zwolle in den Niederlanden gefertigt. Durch den Einsatz eines modernen elektronischen Motormanagementsystems, das den Verbrennungsprozess in jedem der 18 Zylinder individuell regelt und optimiert, erreicht das Aggregat unter Einhaltung der halben TA-Luft- Emissionswerte einen gemessenen elektrischen Wirkungsgrad von 40,7 %. Gleichzeitig wird eine thermische Leistung von 4,9 MW ausgekoppelt und in Form von Heißwasser mit einer Vorlauftemperatur von 95° C in das Fernwärmesystem eingespeist oder zwei Wärmespeichern mit je 125 m3 zugeführt.

Die hohe elektrische Leistung des Aggregates, der niedrige Gasverbrauch sowie die günstigen spezifischen Wartungskosten und die Verfügbarkeitsgarantien, die im Rahmen des mit Wärtsilä NSD abgeschlossenen Servicevertrages zugesichert wurden, waren ausschlaggebend für die Auswahl von Wärtsilä NSD als Partner für das BHKW. Das neue Blockheizkraftwerk liegt im Innenstadtbereich von Lüneburg, wodurch entsprechende Anforderungen an den Schallschutz der Anlage gesetzt werden.

Wärtsilä NSD lieferte neben dem Aggregat, der Steuerung, der Wärmerückgewinnung und der für den Motorbetrieb notwendigen Nebensysteme auch die aus Beton erstellte Schallschutzkabine, die in das bestehende Gebäude integriert wurde. Um auch die Schallemissionen über die Lüftung der Anlage zu minimieren, wird der Luftdurchsatz durch die Aggregatzelle deutlich reduziert, in dem die anfallende Strahlungswärme über eine Wasserrückkühlung mit integrierten, langsam laufenden Radiatoren an die Umgebung abgegeben wird.

Damit auch an besonders kalten Tagen der Wärmebedarf in Lüneburg von der Avacon gedeckt werden kann, installierte der Generalunternehmer, die BPA Borsig Energy, drei neue Omnical-Großraumwasserkessel, von denen einer 14,5 und zwei der Kessel je 9 MW leisten. Bauseitig vorhanden war ein Kessel mit 5 MW. Die Vorlauftemperatur der Anlage kann gleitend bis auf 140° C erhöht werden.

Das Blockheizkraftwerk wird von der Avacon im 72-Stunden-Betrieb ohne Beaufsichtigung gefahren. Störungen der Anlage werden über eine Fernüberwachung direkt an die Netzleitstelle der Avacon in Rethen bei Hannover geleitet, von wo aus der Bereitschaftsdienst benachrichtigt wird. In Lüneburg hat somit Anfang Januar 2000 das fünfzehnte Blockheizkraftwerk der Avacon den Betrieb aufgenommen.

Dipl-Ing. Jörk Knepler ist Bereichsleiter Wärme bei der Avacon AG, Helmstedt, Dipl.-Ing. Rolf Stiefel ist Vertriebsleiter der Wärtsilä NSD Deutschland GmbH, Hamburg

Erschienen in Ausgabe: 03/2000