Mögliche Ablösung für 30.000 Einzelheizungen

Technik

KWK - Das Heizkraftwerk Niehl 2 gilt als Vorzeigeprojekt und Beleg dafür, dass Kraft-Wärme-Kopplung ein besonderes Potenzial in der Umsetzung der Energiewende bietet. Niehl 3 ist als GuD mit Wärmeauskopplung in Planung.

22. Mai 2012

>2005 nahm die Rheinenergie in Köln das Heizkraftwerk Niehl2 in Betrieb. Das damals modernste Heizkraftwerk Europas setzte Maßstäbe und war ein Höhepunkt des Ausbaus der Fernwärme in Köln. Mit der Erzeugungskapazität wurde das Netz weiter ausgebaut und 2009 erreichten die Kölner bei der Wärmeversorgung der privaten Haushalte – bezogen auf die Endenergie – einen Anteil von 15%. Bundesweit lag der Durchschnitt damals bei etwa 7%.

Niehl 3 wieder im Spiel?

Zu den Zukunftsplänen sagt Rheinenergie-Vorstandsvorsitzender Dr. Dieter Steinkamp am 4. Mai – wenige Tage vor der NRW-Wahl – im Rahmen eines Besuchs des Landesumweltministers Johannes Remmel im Kraftwerk Niehl2: »Jetzt planen wir mit dem Projekt Niehl3 eine noch modernere und effizientere Ergänzung und stehen bereit, rund eine halbe Milliarde Euro zu investieren. Das ist die Grundlage für einen weiteren erheblichen Ausbau der Fernwärme für Köln.« Rund 470MW zusätzliche Fernwärmeleistung für das Versorgungsgebiet wären mit dem künftigen Gas- und Dampfkraftwerk realisierbar, so Steinkamp weiter. Das würde eine Ablösung von rund 30.000 Einzelheizungen bedeuten. Damit brachte Steinkamp das Zukunftsprojekt Niehl3 wieder ins Gespräch.

Emissionsrechtlich Genehmigt

Zu dem GuD-Heizkraftwerk mit einer emissionsrechtlich bereits genehmigten Leistungsgröße von maximal 1200MW sollte nach Aussagen vom vergangenen Sommer bereits im Herbst 2011 eine endgültige Entscheidung fallen. Dabei sollte vor allem die tatsächliche Leistung der Anlage festgelegt werden. Doch seither wurde der Beschluss mehrfach aufgeschoben. Steinkamp appellierte bereits im Sommer 2011 an den Gesetzgeber, die Förderung von umweltschonenden Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen beizubehalten und eine Förderung vor allem an Effizienz und Benutzungsstunden der Anlagen auszurichten. »Moderne Gaskraftwerke wie Niehl 3 bilden künftig das Rückgrat einer auf erneuerbaren Quellen basierenden nachhaltigen Energieversorgung.

Als Anlagen für Regel- oder Ausgleichsenergie sind sie ebenfalls ideal geeignet. Allerdings kann eine solche Einsatzweise Nachteile für eine wirtschaftlich optimale Nutzung mit sich bringen, und das sollte berücksichtigt werden.« Im Januar 2012 hieß es dann, die Rheinenergie überdenke ihre Pläne zum Bau des neuen GuD-Heizkraftwerks. Die Investitionsentscheidung wurde vertagt, weil mangelnde Nachfrage für den dort produzierten Strom befürchtet werden musste. Erneuerbare haben Vorrang vor Gaskraftwerken, selbst wenn diese im KWK-Betrieb vorbildliche Ausnutzung des Brennstoffs Erdgas nachweisen können. Damit sind aber auch die Ziele der Wärmeversorgung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten schwierig zu realisieren.

Dennoch ist die Entscheidung nun für Mitte des Jahres angesetzt. An den Kraftwerksplänen werde mit Hochdruck gearbeitet, doch ein weiteres Abwarten und eine nochmalige Verschiebung ist ebenso möglich.

Ausbau des Wärmenetzes

Die Rheinenergie treibt aktuell auch den Ausbau des Fernwärmenetzes voran. Neben einer weiteren Fernwärmeleitung unter dem Rhein hindurch, die von Niehl aus rechtsrheinische Gebiete erschließen soll, ist ein Fernwärmeverbund zwischen den derzeit getrennten Heiznetzen in Merheim/Neubrück und Deutz geplant. Auch ist eine Erweiterung der Fernwärme im Norden und Südwesten Kölns vorgesehen.

Den Rhein mit Fernwärme zu unterqueren ist für die Kölner nichts Neues: Bereits seit 1985 verläuft unter dem Fluss hindurch der bestehende, 461m lange Fernwärmetunnel. Rheinenergie stellt die Heizwärme mit einer Gesamtleistung von etwa 1.300MW aus vier Heizkraftwerke in Niehl, Merkenich, Merheim und der Südstadt bereit. Sie alle erzeugen nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung sowohl Strom als auch Heizwasser, das mit einer Temperatur von 110 bis 130°C durch das etwa 300km lange unterirdische Leitungsnetz zu den Kunden fließt.

Drei große Stadtgebiete verfügen inzwischen über Fernwärme: Das Innenstadtnetz inklusive Deutz auf der rechten Rheinseite, die nördlichen Stadtteile sowie rechtsrheinische Teile von Merheim und Holweide. Pro Jahr will die Rheinenergie um zusätzlich 10MWth Anschlussleistung erweitern. Das entspricht der Wärmeversorgung von 2.000 Haushalten. Zurzeit erschließt der Kölner Energieversorger Teile von Sülz, Zollstock und Bayenthal. Der Ausbau nach Ehrenfeld und Lindenthal ist schon in der Planung.

Erschienen in Ausgabe: 05/2012