POLITIK

Nabeg: Gut fürs Netz, schlecht fürs Klima?

Nach dem Bundestagsbeschluss zum Netzausbaubeschleunigungsgesetz weisen Experten auf negative Folgen für den Klimaschutz hin. Die Sektorkopplung würde ausgebremst, heißt es.

15. April 2019
Nabeg: Gut fürs Netz, schlecht fürs Klima?
(Foto: Nordreisender – stock.adobe.com)

Nach Ansicht von GP Joule wirke die Gesetzesnovelle wie ein Sektorenkopplung-Entschleunigungsgesetz, so das Unternehmen. GP Joule ist ein Spezialist für die Sektorkopplung der Bereiche Strom, Wärme und Verkehr.

Eine unscheinbare Detailregelung des neuen Gesetzes sorge dafür, dass für die Sektorenkopplung durch Power-to-Gas eine fast unüberwindbare Hürde aufgebaut wird, heißt es. „Sollte es dabei bleiben, sind die als Ziel ausgegebene Dekarbonisierung aller Sektoren und das Bekenntnis zu den Klimaschutzzielen kaum noch das Papier wert, auf dem sie stehen“, so das Unternehmen.

Demnach sorgt das Nabeg mit einer Änderung des §118 Absatz 6 Satz 7 des Energiewirtschaftsgesetzes dafür, dass der wirtschaftliche Betrieb von Elektrolyseuren beziehungsweise Power-to-Gas (PtG)-Anlagen in Zukunft noch schwieriger wird.

Netzentgelte fällig

Laut GP Joule bewirke diese vorgesehene Gesetzesänderung, dass Elektrolyseure, die Strom in Wasserstoff umwandeln, künftig Netznutzungsentgelte entrichten müssen. Bislang sind Betreiber von Elektrolyseuren für die ersten 20 Jahre ab Inbetriebnahme der PtG-Anlage von den Entgelten für die Nutzung des Stromnetzes befreit.

„Diese Netzentgeltbefreiung soll es künftig nur noch dann geben, wenn der erzeugte Wasserstoff später zur Rückverstromung genutzt und damit ins Stromnetz zurückgeführt wird“, so das Unternehmen. Eine derartige Anwendung wird aber auch noch längerfristig ein Ausnahmefall bleiben, heißt es. Denn wesentlich sinnvoller ist es, den erzeugten grünen Wasserstoff dafür zu nutzen, die Sektoren Mobilität, Wärme und Industrie zügig zu dekarbonisieren, so GP Joule.

„Strafzoll“

„Sollte diese Regelung tatsächlich in Kraft treten, so würden sich die Netzentgelte wie ein zusätzlicher Strafzoll auswirken, wenn Strom aus erneuerbaren Energien die Grundlage für Energie in Mobilität, im Wärmesektor und in industriellen Prozessen ist“, so Ove Petersen von GP Joule.

„Der Strombezug würde sich für PtG-Anlagen erheblich verteuern, so eine wirksame Sektorenkopplung komplett unwirtschaftlich machen und damit faktisch verhindern. Die Auswirkungen wären verheerend.“ Er appelliere an den Bundesrat, das Gesetz zurück in den Bundestag zu verweisen.

Bundesverband Windenergie

Der BWE kritisierte ebenfalls die Nabeg-Novelle. »Wir sind überrascht und enttäuscht, dass in letzter Sekunde und ohne fachliche Diskussion die Tür für die Sektorenkopplung durch eine kleine Änderung in einem wichtigen Teilbereich des Entwurfs zum Netzausbaubeschleunigungsgesetz (Nabeg) zugeschlagen wurde. Dies widerspricht allen öffentlichen Ankündigungen der Bundesregierung und den Zielen der Koalition“, so der Verband. „Es gefährdet gute Projekte unserer Mitglieder zur sinnvollen Nutzung von Windstrom vor Ort.“

Nabeg-Novelle

Anfang April hatte der Bundestag das Nabeg beschlossen. Hier die Details zum Nachlesen.