Nachhaltige Plattform

Spezial Kraftwerke

Die Kraftwerksbranche präsentiert sich auf der Hannover Messe im Spannungsfeld zwischen höherem Energiebedarf und CO2-Einsparung. Neu in Hannover ist die MobiliTec – eine Messe für umweltfreundliche Mobilität.

09. April 2010

Zu Beginn des neuen Jahrzehnts steht die Energiebranche vor großen Herausforderungen: Der weltweite Energiebedarf steigt ungebremst, gleichzeitig zeichnet sich ein Ende der Nutzung fossiler Rohstoffe ab. Dazu kommt die Herausforderung, den CO2-Ausstoß weiter zu reduzieren.

Strategische, aber vor allem auch technische Neuentwicklungen läuten den Beginn eines neuen Energiezeitalters ein. »Zu sehen sind diese auf der Power Plant Technology, der internationalen Leitmesse für Kraftwerksplanung, -bau, -betrieb und -instandhaltung im Rahmen der Hannover Messe vom 19. bis 23. April«, sagt Oliver Frese, Projektleiter der Messe Energy auf der Hannover Messe.

Doch es wird nicht nur präsentiert, die internationale Energiewirtschaft trifft sich in Hannover zum fünften Mal zum ›World Energy Dialogue‹ (in Halle 27 vom 19. bis 21. April), um über den Energiemix der Zukunft sowie über länderübergreifende Energieversorgungskonzepte zu diskutieren.

Dort geht es vor allem um die Fragestellung, wie erneuerbare Energien und Energieeffizienz als Kernelemente integrierter Nachhaltigkeits- und Verbundsysteme weltweit zum Einsatz kommen.

Vier Megathemen stehen hierbei im Fokus: Die nachhaltige Energieversorgung für dynamisch wachsende Großstädte am Beispiel Shanghais, Möglichkeiten der Mobilität in den Städten der Zukunft, Verbundsysteme für den Energietransport und die Chancen, die Solarstrom aus Afrika der Welt bieten kann.

Frese ist von der großen Bedeutung des Themas überzeugt und rechnet auch nicht damit, dass der Klimaschutz durch das Scheitern der Klimakonferenz in Kopenhagen einen großen Dämpfer erhalten hat.

»Nach Kopenhagen ist es umso wichtiger, dass die Energiewirtschaft ihre Technologien, Produkte und Dienstleistungen für einen nachhaltigen, effizienten, wettbewerbsfähigen und sicheren Energiemix der Zukunft in eine breite Öffentlichkeit trägt. Und genau diese Chance nutzen unsere Aussteller.«

Die Energy entwickle sich weiter hervorragend. Frese geht davon aus, dass die Veranstaltung das »hohe Niveau der Vorjahre« halten wird. »Mit über 1.000 Ausstellern auf einer Fläche von rund 40.000 Quadratmetern ist die Energy die weltweit größte und bedeutendste Energietechnologiemesse.«

Im vergangenen Jahr kamen über 54% der Besucher der gesamten Hannover Messe auf die Energieleitmessen, und damit eine Gesamtzahl von über 110.000. »Allein diese Zahlen zeigen, welche Bedeutung das Thema Energie mittlerweile auf der Hannover Messe hat«, analysiert der Projektleiter.

Messe nicht in Frage gestellt

Aber er verhehlt auch nicht, dass die weltweite Wirtschaftskrise Auswirkungen auf die Ausstellungsbereiche und das Messegeschäft hat. »Das eine oder andere Unternehmen hat sich in diesem Jahr für eine veränderte Standkonzeption entschieden.« Die weltweite Bedeutung der Veranstaltung für die Industrie werde jedoch von den Ausstellern nicht in Frage gestellt. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei es wichtig Flagge zu zeigen und in neue Branchen zu expandieren, so Frese.

Einen großen Raum wird wieder das Thema erneuerbare Energien einnehmen – und das obwohl in diesem Jahr die Leitmesse Wind in Hannover nicht stattfindet. Diese wechselt sich im zweijährigen Turnus mit der Messe Husum Wind ab.

Der Projektleiter betont: »Gemeinsam mit dem Bundesverband Erneuerbare Energien bauen wir den Themenbereich weiter aus.« So bündelt man in diesem Jahr erstmalig in Halle 27 alle Anbieter aus diesem Sektor im Ausstellungsbereich Renewables.

Dort präsentieren Unternehmen aus den Bereichen Bioenergie, Photovoltaik,Solar- und Geothermie sowie Windkraft ihre Leistungsfähigkeit zentriert an einem Ort. Im Zusammenspiel mit der neuen Leitmesse MobiliTec, die ebenfalls in Halle27 stattfindet, wird aufgezeigt, wie Energie künftig nachhaltig und emissionsfrei erzeugt und genutzt werden kann. »Damit bringen wir diese Zukunftsthemen idealtypisch zusammen«, ist Frese überzeugt.

Der Projektleiter sieht jedoch bei dieser Zukunftstechnologie noch viele offene Fragen. »Umso mehr müssen wir das Thema Mobilität in seiner ganzen Bandbreite darstellen – etwa das Zusammenwirken der Elektromobilität mit den Energieträgern der Zukunft, mit Energieversorgungsunternehmen und Netzbetreibern, bis hin zu Speichertechnologien und Werkstoffen.«

Ein Beispiel ist hier das Thema Leichtbau, das in Hannover in verschiedenen Ausstellungsbereichen gespielt wird. Die einzelnen Branchen werden hier gefordert sein enger zusammenzuarbeiten.

Neue Leitmesse Mobilitec

Mit der neuen Leitmesse MobiliTec wurde es erforderlich, die gesamte Hallenplanung für die Energy zu überarbeiten. Während die Renewables im Umfeld der MobiliTec sowie des Themenbereichs ›Wasserstoff und Brennstoffzellen‹ positioniert sind, wird die Power Plant Technology laut Frese »von der Platzierung in der besucher-stärksten Messehalle 13 partizipieren«.

Eine wichtige Rolle spielt dort das Thema Carbon Capture and Storage (CCS) – die Abtrennung und Lagerung von CO2. Auch hier kommt es auf Effizienz an: Da das Verfahren zusätzlichen Energieaufwand erfordert, muss das Kraftwerk noch effizienter arbeiten, wenn es weiterhin Energie einsparen will.

Für Professor Klaus Töpfer, der dieses Jahr wiederum den Vorsitz des World Energy Dialogue (WED) übernimmt, geht es dabei weniger um Storage als um Usage. Die Frage sei: Was kann man mit dem CO2 machen? Der ehemalige Bundesumweltminister ist sich aber sicher, dass es bei einem Preis von 10 bis 20€/t CO2 Fachleute geben wird, die entsprechende Lösungen entwickeln. (mn) <

Interview

Dr. carsten Kreklau - vom - Bundesverband der Deutschen Industrie zum Klimaschutz nach Kopenhagen. Der BDI ist Mitorganisator des WED.

es: Viele sprechen von einem Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen. Wie stellt sich die Situation aus Sicht des BDI dar?

Wir sind von den Ergebnissen der Klimakonferenz enttäuscht, da nur ein Minimalkompromiss zustande gekommen ist. Dennoch kann die Erklärung aus meiner Sicht einen ersten Schritt in Richtung eines international verbindlichen Klimaabkommens darstellen. Jetzt geht es darum, sich bis und während der nächsten UN-Klimakonferenz in Mexiko für ein verbindliches Klimaabkommen einzusetzen, das vergleichbare Wettbewerbsbedingungen für die deutsche Industrie schafft.

es: Welche Auswirkungen hat dies für die deutsche Industrie?

Das Fehlen klarer Rahmenbedingungen in der internationalen Klimapolitik hat gravierende Auswirkungen auf die deutsche Industrie. Ohne ein internationales Klimaabkommen und ohne ein Level Playing Field werden sich die Wettbewerbsbedingungen für die deutsche Industrie verschärfen.

Weiterhin fehlt es den Unternehmen an langfristiger Planungs- und Investitionssicherheit, wenn es nicht rechtzeitig gelingt, ein Nachfolgeabkommen für das im Jahr 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll zu verabschieden. Offen ist dann etwa die Frage, ob Unternehmen ihre CDM-Projekte in China und anderen Schwellen- und Entwicklungsländern fortsetzen können.

es: Viel diskutiert wird die Zukunft der Kern-energie. Ein zu langes Festhalten verhindere Innovationen, so die Meinung vieler.

Genau das Gegenteil ist der Fall. Zum einen behindern längere Laufzeiten keineswegs den Ausbau etwa der erneuerbaren Energien. Der Einspeisevorrang für diese nach EEG bleibt bestehen und Kernkraftwerke sind – entgegen mancher Behauptungen – in gleichem Maße wie Kohlekraftwerke regelbar, um ihren Lastgang an den fluktuierenden Erneuerbaren zu orientieren. Zudem gibt es derzeit eine Renaissance der Kernenergie.

es: Veranstaltungen wie die Hannover Messe und der World Energy Dialogue tragen zum Außenbild des Standortes Deutschland bei. Welche Rolle spielt dies heute im Energiebereich?

Die Hannover Messe bietet ein internationales Forum für die Fachleute und Anbieter von Lösungsvorschlägen in diesem komplexen Feld und trägt damit sehr dazu bei, das Außenbild als Land von Energie-Innovationen zu befördern. Der World Energy Dialogue ist dabei die politische Bühne, auf der es um die inhaltlichen Fragen künftiger Energieversorgung aus internationaler Sicht geht. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 2-3/2010