Unternehmen

Nachhaltigkeit per Direktleitung

Klimakonferenzen sind mal um mal eine Enttäuschung. Wenig bis gar nichts wird erreicht. Anders Unternehmen und Investoren: Dort ist Nachhaltigkeit hoch im Kurs. In der Summe kommt der Klimaschutz so besser voran als auf staatlicher Ebene.

01. Februar 2019
Eco concept : globe , tree in bubbles against the sun and the blue sky

Die Allianz Capital Partners hat im Auftrag der Allianz Versicherungsgesellschaften heute den Kaufvertrag über den Erwerb des 218,8-Megawatt-Solara-Projektes in Portugal unterzeichnet«, so das Unternehmen Mitte Dezember in einer Mitteilung. Die Baumaßnahmen für das Projekt haben bereits begonnen. Die Inbetriebnahme ist im Sommer 2019 vorgesehen. Allianz gehört nach eigenen Angaben zu den führenden Investoren im Bereich Erneuerbare Energien in Europa.

Vorreiter sein

»Unser Ziel ist es, in der Branche hinsichtlich der Integration der sogenannten ESG-Kriterien bei unseren Investments Vorreiter zu sein«, so Marc Groves-Raines von Allianz Capital Partners. ESG steht für Environment, Social und Governance.

Mit diesem neunten Photovoltaik-Investment habe das Unternehmen im Bereich Erneuerbare nun über 90 Projekte im Portfolio.

Nach Unternehmensangaben umfassen die Eigenkapitalanlagen der Allianz neun Solarfarmen und 83 Windparks in Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Österreich, Portugal, Schweden und den USA.

Der Verkauf des in Solara erzeugten Stroms ist per Power Purchase Agreement, kurz PPA, geregelt. Allianz und der Anlagenbetreiber haben einen Direktliefervertrag mit Festpreis und einer Laufzeit von 20 Jahren vereinbart, heißt es.

Kommentar

Das Beste kommt noch

Das Energiewende-Land Deutschland ist auf manchem Feld ein Nachzügler, siehe das PPA-Geschäft. Im ersten Halbjahr 2018 wuchs das globale PPA-Volumen um 25 Prozent auf 7,2 GW, so die Nachrichtenagentur Bloomberg. 4,2 GW wurden in den USA vereinbart, in Europa waren es 1,66 GW. Davon entfiel nur ein Bruchteil auf Deutschland. Ab 2021 wird es einen Nachholeffekt geben. Dann fallen hierzulande zig Wind- und PV-Anlagen aus der EEG-Förderung.

Direktlieferung

Im September verkündete Statkraft, den Strom aus sechs niedersächsischen Bürgerwindparks nach Auslaufen der EEG-Förderung über eine Laufzeit von drei bis fünf Jahren abzunehmen. Seit Mitte Dezember hat das Unternehmen auch einen namhaften Abnehmer für den Windstrom.

Ab 2021 wird Mercedes-Benz Cars diesen Strom exklusiv beziehen und damit unter anderem den Produktionsstandort des Elektroautos EQC in Bremen versorgen, so Statkraft und Mercedes in einer gemeinsamen Mitteilung.

»Wir verfolgen bei Mercedes-Benz Cars die Strategie ›digital, flexible, green‹ in unserer weltweiten Produktionsorganisation. Dazu gehört unter anderem, dass wir alle unsere deutschen Werke bis 2022 mit CO2-neutraler Energie versorgen werden«, so Markus Schäfer von Mercedes-Benz. Als erstes Industrieunternehmen in Deutschland nutze der Autohersteller Strom aus sechs Windparks und sichere schon heute deren Weiterbetrieb. »Damit gehen wir einen wichtigen Schritt in der Umsetzung unserer CO2-neutralen Produktion und unterstreichen unsere gesellschaftliche Verantwortung«, sagt Schäfer.

»Wir werden alle deutschen Werke bis 2022 mit CO2-neutraler Energie versorgen.«

— Markus Schäfer Mercedes-Benz

Der Trend zu mehr Nachhaltigkeit in vielen Unternehmen kommt für viele Windparkbetreiber zur rechten Zeit. Der Anteil der Anlagen, die in den kommenden Jahren aus der EEG-Förderung fallen, ist beträchtlich. Aber das bedeutet nicht automatisch das Ende für die Windenergieanlagen. In der Regel steht einem Weiterbetrieb nichts im Wege; die technische Lebensdauer kann deutlich mehr als 20 Jahre betragen, sagen Experten. Solange nicht eine große Reparatur anfällt, deren Kosten den Weiterbetrieb unwirtschaftlich machen würden, geht die Windstromproduktion der Altanlagen weiter.

»Wenn marktorientiertes Handeln, eine gezielte Vermarktung und ein effizienter Anlagenbetrieb zusammenkommen, ist in vielen Fällen ein Betrieb ohne Förderung möglich«, sagt Carsten Poppinga von Statkraft.

Ab dem 1. Januar 2021 läuft bei etwa 6.000 deutschen Windkraftanlagen die EEG-Förderung aus. Insgesamt entspricht dies einer installierten Leistung von 4,5 GW. Bis 2026 werden schätzungsweise jährlich etwa 1.600 Windenergieanlagen mit einer Leistung von circa 2,5 GW ihre EEG-Förderung verlieren. hd

Erschienen in Ausgabe: 01/2019