»Nachwuchs aus allen Universitätsstädten Deutschlands«

Menschen

Personalentwicklung - Die Chancen der Energiewende stellen Stadtwerke auch vor besondere Herausforderungen. Eine davon ist es, Mitarbeiter zu finden, die sich mit den neuen Themen auskennen, sagt Reinhard Büttner, SWM.

01. August 2012

Umbau der Energielandschaft in einem kurzen Zeitraum – dieser Herausforderung wollen sich erklärtermaßen die großen deutschen Stadtwerke stellen. Was bedeutet das für den künftigen Personalbedarf beispielsweise der Stadtwerke München?

Wir brauchen künftig mehr neue Mitarbeiter als bisher – und das mit einem breiteren Spektrum an Profilen und Qualifikationen. Denn unsere bisherigen Standbeine bleiben ja bestehen: Wir halten die Versorgungsinfrastruktur instand und bauen sie aus. Wir sind als kompetenter Ansprechpartner für unsere Kunden erreichbar. Wir betreiben nach wie vor konventionelle Kraftwerke mit Gas, Kohle, Abfall als Brennstoff. Wir setzen weiterhin auf regenerative Energien vor Ort – ob Geothermie oder Solardächer und kleine Solarparks. Hinzu kommt in Zukunft das Engagement bei Offshore-Windparks, das ganz andere Mitarbeiterprofile erfordert, als wir sie bisher kannten ...

... hier in München oder an Standorten entlang der Nord- und Ostseeküste?

Wenn wir in Offshore-Windenergie Milliarden investieren, wollen wir selbst wissen, ob das sinnvoll angelegtes Geld ist und hier nicht einfach alles den Projektgesellschaften überlassen. Dazu brauchen wir Mitarbeiter im Bereich des Beteiligungsmanagements wie im Projektmanagement. Konkret suchen wir daher nach Juristen, Wirtschaftsingenieuren und klassischen Maschinenbauern. Standort ist vor allem München. In bestimmten Projektphasen ist es allerdings auch erforderlich, den Ausbau vor Ort zu begleiten. Geologen, Meeresbiologen und Umweltfachleute werden wir allerdings nicht selbst einstellen. Deren Fachwissen wird von außen bei Bedarf hinzugeholt.

Müssen Sie da eher einen Küstenbewohner, der schon viel Winderfahrung hat, von München überzeugen oder dem Bayern die Nord- und Ostsee schmackhaft machen?

Weder noch – solche Klischees sind längst überholt. Untersuchungen zeigen, dass 60 Prozent der Deutschen durchaus gerne in München leben würden. Viele Menschen machen das dann auch wahr und kommen an die Isar – von überall her, wie beispielsweise unsere akademischen Nachwuchskräfte zeigen: Hier sind alle Universitätsstädte Deutschlands vertreten. Diese zumeist mobilen und weltoffenen Menschen nehmen auch gerne mal die Herausforderung einer Projektbetreuung fern der Wahlheimat an.

Kehrseite der Attraktivität sind hohe Wohn- und Lebenskosten.

Die SWM bieten ihren Mitarbeitern deshalb vergünstigten Wohnraum. Lockt das auch Neubürger an?

Wir haben über die klassische Betriebswohnung hinaus unterschiedliche Modelle. Denn wenn es um das mittlere Management und um Führungskräfte geht, braucht man andere Ansätze. Insgesamt setzen wir über die Betriebswohnungen hinaus unsere Möglichkeiten als Großkunde im Wohnungsmarkt ein und finden meist gute Lösungen. Eine ebenso wichtige Rolle wie attraktiver und gleichzeitig bezahlbarer Wohnraum spielen andere soziale Faktoren – etwa Kinderkrippenplätze. Auch hier haben wir längst aktiv vorgebaut.

Der Arbeitsmarkt der Stadt selbst bietet aktuell ebenfalls Potenzial ...

Allerdings. Umstrukturierungen, wie jetzt bei E.on und in der Vergangenheit beispielsweise bei Siemens oder EADS, eröffnen uns immer wieder Potenzial, neue Mitarbeiter mit passender Erfahrung zu gewinnen.

Außerdem kommen von den Münchner Schulen und Hochschulen junge Menschen, für die wir ein Talentprogramm aufgelegt haben. Praktikum, Ausbildung, oder für Bachelor-Absolventen – nach angemessener Zeit der beruflichen Leistung – von uns geförderte Master-Optionen sind nur einige der Möglichkeiten, die wir hier bieten können.

Wie sieht denn Ihr jährlicher Bedarf in Zahlen aus?

Wir spüren zunehmend, dass die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit ans Ende ihrer aktiven Berufstätigkeit kommen. Zusammen mit den Ausbauplänen bei den Erneuerbaren kommen wir aktuell deshalb auf jährlich 50 bis 60 Neueinstellungen bei Jusristen, Ingenieuren und studierten Kaufleuten. Die akademischen Berufsanfänger machen etwa 12 bis 15 Neueinstellungen aus. Auszubildende stellen die SWM jährlich etwa 140 neu ein.

Vita

Reinhard Büttner

• Ausbildungen zum Kaufmann, Organisator, Veränderungsmanager und Coach. Gewerkschaft ÖTV: Geschäftsführer in Regensburg und München, Koordinator Aufbau Ost, Landesbezirksvorsitzender Thüringen. Seit 1998 Geschäftsführer Personal und Soziales, Arbeitsdirektor des SWM-Konzerns, München.

Erschienen in Ausgabe: 06/2012