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Intergraph-Chef Taylor zur Reorganisation des Unternehmens

In noch größerer Eigenständigkeit werden in Zukunft die verschiedenen Intergraph-Geschäftsbereiche agieren. Die neue Orientierung bei dem Softwareanbieter und Systemintegrator kommt auch der Zielgruppe Energieversorgung und Telekommunikation zugute, wie CEO Jim Taylor und GIS-Experte Ed Sweet erläutern.

17. April 2001

Aus dem ehemaligen Hard- und Softwarespezialisten Intergraph ist im Laufe der Jahre ein fokussiertes Softwareunternehmen geworden, das mit seinen speziellen Branchenlösungen dedizierte Zielgruppen anspricht. Diese Diversifikation und Fokussierung machten es Intergraph möglich, mit High-end-Softwarelösungen auf verschiedenen Märkten Fuß zu fassen. Allerdings ist es schwierig, „alle Bereiche unter einen Hut zu bringen“, wie Jim Taylor, President und CEO von Intergraph, meint. „Zu verschieden sind die Aktivitäten, um ein einheitliches Image aufrechtzuerhalten“, sagt Taylor.

Darum war es an der Zeit, neue Strukturen ins Unternehmen zu tragen. Den ersten Schritt machte das Unternehmen im September vergangenen Jahres. Der Verkauf von VeriBest und Intense3D leitete die Fokussierung und Straffung des Unternehmens ein. Im nächsten Schritt wird Intergraph die Vertikalisierung weiter vorantreiben. Die Geschäftsfelder Mapping/Geografische Informationssysteme (GIS), Öffentliche Sicherheit, Energieversorgung und Telekommunikation, Öffentliche Verwaltung, Anlagenbau und -betrieb sowie Photogrammetrie sollen in Zukunft die tragenden Säulen des Unternehmens darstellen. Diese Geschäftsfelder spiegeln die Kernkompetenzen wider. „Jeder dieser Bereiche agiert weitgehend unabhängig“, betont Taylor. „Sie sollen sich eigenständig weiterentwickeln. Dadurch möchten wir die Flexibilität erhöhen und die Möglichkeit schaffen, dass jeder Bereich sich sein eigenes Image am Markt schafft.“

Warum Intergraph auf die Vertikalisierung setzt, bringt Taylor auf den Punkt: „Fokus heißt das Schlüsselwort. Die Fokussierung erlaubt den Geschäftsbereichen, vollen Einfluss auf alle Aktivitäten zu nehmen - sei es Personal, Finanzen, Marketing oder Verkauf -, um die Kundenwünsche effektiver erfüllen zu können. Unser Motto „Focus the Power“ bedeutet nicht zuletzt, sich auch auf die spezifischen Probleme unserer Kunden in ihren jeweiligen Tätigkeitsbereichen zu konzentrieren.“

Von der Umstrukturierung soll auch die Kundengruppe Energieversorgung und Telekommunikation profitieren. Im Mittelpunkt der Aktivitäten in diesem Bereich steht die Entwicklung und Vermarktung der Lösung GRM (Geospatial Ressource Management), die Intergraph in enger Zusammenarbeit mit seinen Kunden stetig weiterentwickelt. „GRM wurde 1998 in unserer Zentrale in Huntsville/Alabama, USA entwickelt und eignet sich wegen der Integration von alphanumerischen und geografischen Informationen besonders für den Einsatz in der Versorgungswirtschaft “, erklärt Ed Sweet, bei Intergraph zuständig für die weltweiten GIS- Aktivitäten. Systemen wie diesen gehöre die Zukunft, ist Sweet überzeugt. „Zwar laufen noch einige Anwendungen, bei denen Geodaten und Sachdaten getrennt gehalten werden“, sagt der Manager, „aber verkaufen kann man so etwas heute nicht mehr.“

Standardisierung der GIS-Lösung zu etwa 85 %

Welche Vorzüge GRM bietet, haben schon etliche Versorger erkannt. Zu den Referenzen zählt unter anderem Florida Power, und auch die Ruhrgas AG, Essen, setzt auf dieses Konzept und entwickelt es gemeinsam mit Intergraph weiter. Sweet: „Partnerschaften mit repräsentativen Unternehmen erlauben es uns, branchenspezifische, vorkonfektionierte Lösungen zu erarbeiten.“ Ziel ist ein Standardisierungsgrad von etwa 85 %, sagt er, also mehr oder weniger ein „Produkt aus der Box“, das nur mehr in geringem Maße an kundenspezifische Anforderungen angepasst werden muss. So lässt sich aus der Ruhrgas-Lösung ein Produkt ableiten, das auch für andere Ferngasgesellschaften Europas von Interesse sei, sagt Sweet. Ähnliche Projekte haben schon zu Lösungen für Strom, Wasser und Telekommunikation geführt. (du)

Erschienen in Ausgabe: 08/2000