Netzdaten in Ingolstadt vollständig erfasst

Effiziente Arbeitsteilung mittels AIM-Verfahren

Die Stadtwerke Ingolstadt Netze GmbH hat die digitale Ersterfassung der Versorgungsnetze aller ihrer vier Sparten im Herbst 2002 erfolgreich abgeschlossen. Als Kern des umfangreichen Erfassungsprojektes, das die Siemens Business Services (SBS) als Generalunternehmer betreuten, nutzten die Stadtwerke mit der AIM (After Image) Technologie, ein Verfahren zur effizienten Datenübernahme innerhalb der Standard-Applikation Sicad-UT.

16. Juli 2003

Mit der AIM-Technologie zum automatisierten Einspielen der Daten verfügt Sicad-UT, das Netzinformationssystem der Sicad Utilities, Neubiberg, über ein Alleinstellungsmerkmal, das die intelligente Arbeitsteilung zwischen Versorgungsunternehmen und Erfassungsdienstleistern ermöglicht. Die Stadtwerke Ingolstadt konnten hiermit die Erfassungsaufgaben auslagern, die gewonnenen Netzdaten automatisiert einspielen und zur gleichen Zeit mit den Bestandsdaten produktiv weiter arbeiten.

Ganz im Sinne eines strukturierten Vorgehens haben die Verantwortlichen der Stadtwerke das Einzugsgebiet der Netzinfrastruktur von rund 320 km² zunächst in 15 Erfassungsblöcke unterteilt. Zu diesen Planquadraten haben die Ingolstädter alle bislang analog erstellten Pläne, Kartierungen und Handskizzen zu den verschiedenen Versorgungssparten zusammengestellt und an den Erfassungsdienstleister Enseco weiter gegeben. Auch die bereits vorhandenen digitalen Netzdaten wurden ausgespielt; diese standen für die Mitarbeiter der Stadtwerke weiter für Auskunftszwecke zur Verfügung, wurden jedoch für Veränderungen bewusst gesperrt.

Nach der Feldarbeit wurden die aktualisierten oder zumeist erstmals erfassten Netzinformationen vom Dienstleister mittels der AIM-Technologie mit den bestehenden Daten verwoben, topologisch verknüpft und dann automatisiert in die Sicad-UT-Lösung der Stadtwerke Ingolstadt eingespielt. Daraufhin folgte die Qualitätssicherung anhand von Prüfprozeduren und der Sichtkontrolle, die punktuelle Bereinigung sowie die Endabnahme der erfassten Daten.

Die blockweise Ersterfassung der digitalen Netzdaten in Ingolstadt ist als laufender Prozess zu verstehen. So befanden sich zu jedem Zeitpunkt mehrere Planquadrate in verschiedenen Erfassungsstadien im Umlauf. Hierbei wurden für jeden Block die gesamten Netzdaten der Sparten Strom, Gas und Wasser in einem Zuge generiert. Einzig die Erfassung des Fernwärmenetzes betrieben die Stadtwerke in einem separaten Vorgehen flächendeckend über das gesamte Versorgungsgebiet hinweg. Durch die konzertierte Aktion zur Erfassung, die gemäß den Prozessen gestaltet war, konnten die Ingolstädter die Durchgängigkeit ihrer Netzdaten zwischen allen Sparten auf einer gemeinsamen Grundkarte realisieren. Schließlich gab das Erfassungsprojekt den grundlegenden Anstoß zur Evaluierung und Aufbereitung der bislang überwiegend analog vorhandenen Arbeitsgrundlagen. Nach den Erfahrungen von Konrad Forster, dem für das Netzinformationssystem zuständigen Projektleiter der Stadtwerke Ingolstadt, konnte die Effizienz der Datenerfassung mit der AIM-Technologie in Sicad-UT massiv gesteigert werden. „Zugleich diente uns dieses Verfahren dank der genauen Überprüfung der Datenstrukturen als regelrechtes Qualitätssiegel.“

Vorgehensweisen bei Erfassungsprojekten sind entweder die vollständige Auslagerung der Erfassungsleistungen mit möglichen Nachteilen bei Qualität und Prozessintegration oder die direkte Einbindung des Dienstleisters beim Auftraggeber mit entsprechend hohen Kosten. Demgegenüber konnten die Stadtwerke Ingolstadt durch Nutzung der AIM-Technologie eine intelligente Arbeitsteilung praktizieren, mit der qualitativ hochwertige Ergebnisse in effizienter Weise erhoben und in die produktive Nutzung gebracht werden konnten. Gemäß Projektleiter Forster „ist die gute Zusammenarbeit und zielgerichtete Kommunikation zwischen den beteiligten Partnern hier extrem wichtig. Wir als Auftraggeber und Nutzer haben uns mit dem Generalunternehmer SBS, dem Systemanbieter Sicad Utilities sowie dem beauftragten Erfassungsdienstleister optimal ergänzt. Ganz im Sinne hoher Reaktionsgeschwindigkeiten und zielgerichteter Umsetzung verlief der Austausch der Differenzdaten über E-Mail. Entsprechend des Erfahrungskurvenkonzeptes haben wir gemeinsam den automatisierten Erfassungsvorgang stetig verbessert und beschleunigt.“

Die Entscheidungsträger der Stadtwerke haben die Vorteile der AIM-Technologie in Sicad-UT frühzeitig erkannt und konsequent eingesetzt. Das Scannen bestehender Pläne erwies sich als nicht konkurrenzfähig, da hiermit nur unter unvertretbar großem Aufwand adäquate Rasterbilder zu erzeugen gewesen wären. Darüber hinaus formulierten die Stadtwerke bereits in der Ausschreibung die grundlegende Anforderung, die Erfassung extern vergeben zu können und zugleich im Hause mit den bestehenden und bereits integrierten Daten prozessgerecht arbeiten zu können. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ersterfassung der Daten gab man sich in Ingolstadt jedoch keineswegs mit deren isolierter Archivierung zufrieden. Vielmehr stehen der weiterführenden Nutzung durch den Einsatz des Sicad Internet Map Service (Sicad-IMS) alle Wege offen; rund 50 Mitarbeiter profitieren heute bereits vom Zugriff auf die Grafik- und Sachdaten. Mit der digitalen Wissensbasis zu ihren Versorgungsnetzen haben die Stadtwerke einen dynamischen Vermögenswert aufgebaut, der dem Unternehmen zunehmend auch bei Datenbank-basierten Auswertungen zugute kommt.

Die Stadtwerke Ingolstadt nutzen bereits seit 1998 die Standard-Applikation Sicad-UT. Mit dieser übergreifenden Kernanwendung sowie den zugehörigen Fachapplikationen betreibt Ingolstadt die Netzinformation zu den Versorgungssparten Strom, Gas, Wasser und Fernwärme. Auch über die Integration der verschiedenen Sparten hinaus haben die Stadtwerke ihre Systemlandschaft bedarfsorientiert weiter entwickelt: So nutzt das Unternehmen Sicad-IMS zur Distribution und Präsentation der Grafik- und Sachdaten im Web, die zur User-Verwaltung dienende Zusatzapplikation Web-DD des Sicad-Partners Baral sowie die Generalisierungsanwendung Sicad-Igen. Vorteilhaft erweist sich die eingesetzte Lösung auch im Zuge des Einstiegs des überregionalen Versorgungsunternehmens MVV aus Mannheim als Partner der Stadtwerken Ingolstadt im Dezember 2001. Da die MVV ebenfalls Sicad-UT nutzt, entstehen weitreichende Synergien beim integrierten Management der Netze sowie der durchgängigen Nutzung der Netzinformationen.

Erschienen in Ausgabe: 03/2003