Netzdokumentation - quo vadis?

Kosten und Nutzen von GIS nach vergleichbaren Kriterien bewerten

Viele GIS-Projekte stehen schon auf der Streichliste der Energieunternehmen. Für eine sichere Entscheidung über die künftige Ausrichtung der Netzdokumentation stehen allerdings derzeit kaum belastbare Unternehmenskennzahlen zur Verfügung. Auf der Intergeo startete deshalb ein Benchmark-Projekt zum Thema „Wirtschaftliche Netzdokumentation“.

21. Mai 2001

Die enorme Bandbreite der Netznutzungsentgelte in der Stromwirtschaft sprechen eine deutliche Sprache. Der daraus entstehende Marktdruck auf die Unternehmen wird erhebliche Anpassungen nach sich ziehen. In Zukunft muss sich der Netzbetrieb alleine aus den Netznutzungsentgelten finanzieren, drastische Einsparungen sind die Folge. Kostenintensive und langlaufende Investitionsprogramme ohne erkennbaren ROI (Return of Invest) und nicht zum Kerngeschäft gehörende Prozesse stehen damit schnell auf der Streichliste. GIS-Projekte gehören aufgrund ihrer hohen Investitionskosten, den langen Laufzeiten und des nur schwierig zu bewertenden direkten Nutzens derzeit zu den beliebtesten Opfern der Kostensenkung.

Das Schlagwort „GIS oder Zinsen“, das derzeit im Markt publiziert wird, hat einen realen Hintergrund. Im vergangenen Jahrzehnt stand vielfach nicht die Wirtschaftlichkeit des Netzbetriebes im Vordergrund, sondern mehr die Einführung eines GIS. Das war technologisch interessant und die Techniker hatten endlich eine eigene DV-Welt. GIS-Berater halfen mittels Nutzwertanalyse der nichtquantifizierbaren Wertvorteile, eine harte wirtschaftliche Investitionsbetrachtung zu umgehen.

Die am Markt allgemein gültigen Kennzahlen für IT-Projekte („Nur 16 % aller IT-Projekte werden zeitgerecht und im Budget abgewickelt“, Standish Group) galten natürlich auch für GIS-Projekte. Es gibt eine Reihe von Projektleitern, die im persönlichen Gespräch zugeben, dass ihr GIS-Projekt heute so nicht mehr finanzierbar wäre.

Entscheidungen über diesen Themenbereich sind komplex, da über den tatsächlich erzielbaren Nutzen integrierter GIS-Systeme oder auch einzelner Prozesse im Bereich der Netzdokumentation keine gesicherten Kennzahlen vorliegen.

Ist eine analoge Dokumentation wirtschaftlicher als ein GIS-Projekt, dessen Fertigstellung nicht absehbar ist?

Welche Dokumentationsmethode liefert den schnellsten Nutzen?

Was darf die Dokumentation pro Kilometer Gas- oder Stromleitung kosten, was die zugehörige Vermessung?

Welchen Einfluss haben genauere und vermaßte Pläne auf die Netzbetriebskosten?

Viele Fragen, deren Beantwortung für eine solide Entscheidung auf Management-Ebene notwendig ist. Es reicht aber nicht, laufende Projekte zu stoppen. Auch im liberalisierten Energiemarkt gibt es eine Verpflichtung zur Netzdokumentation. Die Frage ist also nicht ob, sondern wie zu dokumentieren ist.

Jeder Projektleiter ist gefordert, sein GIS-Projekt an neue Bedingungen anzupassen. Wenn der Vorstand nach den Zahlen fragt, ist es zu spät für einen Paradigmenwechsel. Es gibt bereits genügend Beispiele, in denen stabile GIS-Projekte abrupt gestoppt wurden.

Um hier die entscheidungsrelevanten Kennzahlen zu erarbeiten, hat die Enseco GmbH, Regensburg, und die AGIS der Universität der Bundeswehr München in Zusammenarbeit mit Energieversorgern auf der Intergeo 2000 ein Benchmark-Projekt zum Thema „Wirtschaftliche Netzdokumentation“ gestartet. Ziel ist es, die Kosten und den realisierten Nutzen in den dokumentationsrelevanten Geschäftsprozessen nach vergleichbaren Kriterien zu bewerten. Damit ist ein prozesskennzahlenbezogenes Ranking möglich. Zusätzlich werden auch die verwendeten GIS- oder IT-Systeme und - Methoden sowie die Organisation der Unternehmen in die Betrachtung mit einbezogen, um „best practice“ und die realen Auswirkungen des IT-Einsatzes bewerten zu können.

Vorteile für die beteiligten Unternehmen sind dabei die Bewertung des eigenen Unternehmens im Vergleich zu anderen. Der eigene Handlungsbedarf kann durch den Vergleich mit dem jeweils Besten und dem dazu führenden Umfeld auf einfache Weise abgeleitet werden. Mehr Informationen zu diesem und weiteren aktuellen Netzdokumentationsthemen unter:

www.gisportal.de

Erschienen in Ausgabe: 12/2000