Neue Regeln für die korrekte Abrechnung

Management Marktkommunikation

MaBiS - Die Marktregeln für die Durchführung der Bilanzkreisabrechnung Strom werden überarbeitet. In der Summe soll dies für mehr Transparenz sorgen. Trotzdem bleibt noch Verbesserungspotenzial.

28. Mai 2013

Die marktweite Konsultationsphase zu den überarbeiteten Marktregeln für die Durchführung der Bilanzkreisabrechnung Strom (MaBiS 2.0) ist Anfang März zu Ende gegangen. Anfang Oktober sollen aktualisierte Formate veröffentlicht werden. Ab April kommenden Jahres sind dann die neuen Regeln und Formate bei der Bilanzkreisabrechnung anzuwenden.

Zusätzliche Daten zu liefern

»Der Zeitpunkt klingt zunächst noch weit entfernt«, sagt Tamara Schlömer vom Aachener IT-Lösungsanbieter Kisters. »Doch viele Neuerungen werden erst mit der Veröffentlichung der neuen Formate im Oktober abschließend definiert. Außerdem formulieren die beteiligten Verbände sicher noch einige Umsetzungsfragen, die geklärt werden müssen.«

Ein solches Verfahren führe in der Regel auch zu Format-Fehlerkorrekturlisten, die neben Präzisierungen oft auch weitere Änderungen mit sich brächten. »Vor diesem Hintergrund ist der angestrebte Termin ambitioniert. Denn die Energiedatenmanagement-Systeme müssen nicht nur auf die Neuerungen vorbereitet werden, es muss auch genügend Zeit für eine Testphase bleiben.«

Im Rahmen ihrer Mitarbeit in einer Projektgruppe des Bundesverbandes Energiemarkt & Kommunikation EDNA begleitet Schlömer die Erarbeitung der neuen Marktregeln aktiv. Klar ist schon jetzt: Die MaBiS 2.0 bringt einige Neuerungen. Für Lieferanten ändert sich nur wenig, Netzbetreiber und Bilanzkreiskoordinatoren (BIKO) sollen demnächst aber zusätzliche Daten liefern.

Normlastprofile versionieren

Eine der wichtigsten Novellierungen betrifft die Verwendung von Normlastprofilen. Mit Inkrafttreten der überarbeiteten Regeln müssen diese, analog zu Lieferanten-, Bilanzkreis- und Abrechnungssummen, versioniert werden.

Ändert ein Verteilnetzbetreiber also ein bereits ausgerolltes und versendetes Profil, muss er dieses mit einer entsprechend höheren Versionskennzeichnung (Aggregationszeitpunkt) versehen und anschließend an alle Lieferanten übermitteln. Letztere profitieren so von einer höheren Transparenz beim Clearing.

Die Versionierungspflicht bezieht sich nur auf Profile, die für einen Monat oder länger gelten. »Auch wenn diese Änderung auf den ersten Blick keine allzu großen Umstellungen mit sich bringt, ist für uns von Bedeutung, dass das zugehörige Einführungsszenario noch nicht existiert«, erklärt Tamara Schlömer. »Durch die Versionierungspflicht wird auch eine MSCONS-Anpassung nötig.«

Kürzere KBKA-Fristen?

Besonders die BIKO hätten gerne gesehen, dass die Korrekturbilanzkreisabrechnung (KBKA) in der Konsultationsfassung der Prozessbeschreibungen nicht mehr erwähnt wird. Außerdem wurden die Fristen für Datenlieferungen und Abrechnungsstichtage im Rahmen dieses Dokuments noch nicht verändert.

In einem Workshop, der hierzu im April bei der Bundesnetzagentur stattgefunden hat, befürworteten nach einer umfangreichen Diskussion jedoch mehrere Marktpartner kürzere KBKA-Fristen. Mitte Mai haben die Bundesnetzagentur und die zuständige BDEW-Projektgruppe diesen Punkt noch geprüft. Es sei aber abzusehen, dass die Herabsetzung in die Endfassung der Prozessbeschreibungen aufgenommen wird, so Schlömer.

Neuerungen gibt es auch beim Clearing. Aktuell tauschen nur Lieferanten und Verteilnetzbetreiber entsprechende Listen aus. Dieser Prozess zum Abgleich der Lieferantensummen gilt demnächst auch für Abrechnungssummen. Für das Bilanzkreisausgleichssaldo (BAS) muss der BIKO dem Bilanzkreisverantwortlichen (BKV) künftig ebenfalls eine Clearingliste übermitteln. In dieser werden aber, anders als bei der Aufstellung für Lieferanten, keine reellen Einzelzählpunkte genannt.

Vielmehr muss der BIKO in der Liste Zeitreihentypen aufführen, die in die BAS-Berechnung eingeflossen sind.Virtuelle Zählpunktbezeichnungen finden hier ebenso Platz wie OBIS-Codes, Zeitreihenversionen, Monatsenergiemengen und der Datenstatus. Für die Deltazeitreihe, die eventuelle Prozessfehler aufzeigt, muss der BIKO eine äquivalente Liste künftig auch an den Verteilnetzbetreiber senden.

Clearinglisten handhabbar

Was zunächst nach einem erheblichen Mehraufwand aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als durchaus handhabbar: »Außer dem Datenformat ändert sich für den BIKO eigentlich nichts, denn die neuen Clearinglisten sind durchaus vergleichbar mit den gegenwärtig noch zu übermittelnden Kontoauszügen«, so die Produktmanagerin weiter. »Dass die hierin enthaltenen Informationen künftig im EDIFACT-Standard versendet werden, vereinfacht das Clearing und macht die zugrunde liegenden Werte transparenter.«

War die Aktivierung der Netzzeitreihen bisher nur zwischen Verteilnetzbetreiber und BIKO vorgesehen, soll der Prozess mit Inkrafttreten der MaBiS 2.0 auch für das vorgelagerte Clearing zwischen zwei benachbarten Verteilnetzbetreibern offiziellen Charakter bekommen. Der notwendige Austausch virtueller Zählpunktbezeichnungen fand hier noch nicht per EDIFACT statt. Ob bisherige Zeitreihen in diesem Zusammenhang nachträglich aktiviert oder mitsamt ihren virtuellen Zählpunktbezeichnungen ignoriert werden können, ist noch zu klären.

Noch Luft nach oben

Bevor die anstehenden Änderungen im April nächsten Jahres greifen, kommt auch auf die Anbieter von IT-Lösungen noch einiges an Arbeit zu. Tamara Schlömer ist sich aber sicher, dass auch ihr Unternehmen die Neuerungen – wie zuletzt bei Herkunftsnachweisregister- und Einspeiserwechselprozessen – pünktlich umsetzen kann. Denn aufgrund des Engagements in der EDNA sowie der Abstimmung mit den Kunden zum Beispiel in Entwicklungsbeiräten bekomme man neue Entwicklungen frühzeitig mit.

Es ist schon absehbar, dass MaBiS 2.0 manches transparenter und einfacher machen wird. Dennoch haben sich einige Marktpartner wohl weitere Verbesserungen erhofft und dies im Rahmen der Konsultationsphase auch kundgetan. »Die Spiegelung der Netzzeitreihen an nachgelagerte Netzbetreiber und der elektronische Austausch der Zuordnungsermächtigungen werden von vielen noch immer schmerzlich vermisst«, berichtet Schlömer. »Zudem wurde die Chance vertan, die BKV zur Prüfung der erhaltenen Summenzeitreihen zu verpflichten und den Clearingprozess so erheblich abzukürzen.«

Erschienen in Ausgabe: 05/2013