Neue Synergien im IT-Bereich

Management

Unbundling - Die Stadtwerke Frankfurt (Oder) haben die IT-Landschaft neu ausgerichtet. Im Mittelpunkt steht dabei die Optimierung aller kundenrelevanten Geschäftsprozesse.

29. April 2010

»Die Software ist die Nervenbahn des Unternehmens«, so beschreibt Hans Köhler, Geschäftsführer der Stadtwerke Frankfurt (Oder) GmbH die Bedeutung eines leistungsstarken IT-Systems für die gesamte Wertschöpfungskette moderner Regionalversorger: »Effiziente Prozesse in effektiven Strukturen sind der Schlüssel zu einer hohen Servicequalität, niedrigen Kosten und sicheren Investitionen.«

Das Querverbundunternehmen versorgt die rund 60.000 Einwohner der Kleist-Stadt mit Strom, Erdgas, Fernwärme und energienahen Dienstleistungen. Mit Inkrafttreten des Zweiten Gesetzes zur Neuregelung des EnWG wurde 2005 die Stadtwerke Frankfurt (Oder) Netzgesellschaft gegründet – eine 100%ige Tochter.

Vor dem Hintergrund eines zuneh-mend aggressiveren Verdrängungswettbewerbs, steigender Bezugspreise für die Primärenergie und veränderter gesetzlicher Rahmenbedingungen hatte man sich entschieden, die IT-Landschaft neu auszurichten. Im Mittelpunkt stand dabei die bereichsübergreifende Optimierung aller kundenrelevanten Geschäftsprozesse. »Das alte Abrechnungssystem hatte sich als allzu monolithisch, starr und unflexibel erwiesen. Mit dessen wachsender Komplexität stiegen auch die Kosten in kaum noch kalkulierbare Höhen«, erläutert der Geschäftsführer die Beweggründe, 2009 einen Anbieterwechsel vorzunehmen.

Dier Entscheidung fiel auf KVASy von der SIV.AG. Mitte Juli 2009 unterschrieb man zunächst einen Vertrag zur Ausstattung des Vertriebs mit KVASy. Das Projektteam um den Projektleiter Andreas Geisler, Senior Consultant der SIV.AG, war zu diesem Zeitpunkt bereits mit der Umsetzung betraut und bereitete die erste Datenübernahme vor. Zugleich fanden die ersten Schulungen für die Mitarbeiter statt. Im weiteren Projektverlauf entschieden sich die Frankfurter im Herbst 2009, auch noch den Netzmandanten mit der Softwarelösung auszustatten. Beide Systeme gingen planmäßig am 31. März 2010 produktiv.

Für die Zukunft erhofft sich Köhler neue Synergien im IT-Bereich und eine Steigerung der Prozess- und Kosteneffizienz – nicht zuletzt auch im sinnvollen Zusammenspiel mit den ebenfalls im Einsatz befindlichen Lösungen SAP R/3 Classic und der CPM-Plattform prevero7. Mit der Entwicklung der neuen serviceorientierten Produktgeneration KVASy5 verbindet er die Hoffnung auf eine systemübergreifende Prozessintegration und -automatisierung.

Die SIV.AG setzt seit 2006 bei der Umsetzung der Unbundling-Anforderungen kompromisslos auf das 2-Mandanten-Modell. Für den Vorstandsvorsitzenden Jörg Sinnig der absolut richtige Weg: »Alle scheinbar als rechtskonform dargestellten Alternativstrategien, Zugriffs- und Portallösungen bedeuten bei objektiver Betrachtung einen sichtbaren Bruch der gesamten Wertschöpfungskette.« Deshalb fragt er sich: »Wozu in Vorgehensmodelle investieren, die mit völlig unkalkulierbaren Folgekosten und datenschutzrechtlichen Risiken einhergehen?«

Auch bei den Kunden komme dies gut an. Nach der Entflechtung beider Systeme gestalte sich die Arbeit meist deutlich einfacher. »Unsere Kunden erreichen in regelmäßigen Benchmarkings Automatisierungsgrade von bis zu 96 Prozent im Rahmen der Wechselprozesse«, berichtet Sinnig. Insofern biete der 1. Oktober 2010 vor allem auch eine Chance, Prozessketten zu optimieren und konsequent zu verschlanken.

Er empfiehlt alle Investments unter genau einer Prämisse abzuwägen: Sind die Prozesse nach der Umstellung einfacher, sind die Prozesskosten niedriger, ist die Effizienz des Energiehändlers respektive Netzbetreibers deutlich besser? »Genau hierin liegt die besondere Herausforderung, der sich alle IT-Lösungsanbieter zu stellen haben und zu der es keine sinnvolle Alternative gibt«, betont Sinnig.

Überblick

Stadtwerke Frankfurt (Oder)

Das Unternehmen versorgt die rund 60.000 Einwohner mit Strom, Erdgas, Fernwärme und energienahen Dienstleistungen. Gesellschafter sind die Frankfurter Dienstleistungsholding GmbH (51%), die E.on edis AG (39%) und die EWE AG (10%). Die Stadtwerke sind selbst mit 51% an der FIS Frankfurter Industrieservice GmbH sowie mit 9% an der local energy gmbh, Potsdam, beteiligt. 2008 erwirtschafteten die rund 130 Mitarbeiter einen Gesamtumsatzerlös von über 90 Mio.€.

Erschienen in Ausgabe: 04/2010