Neue Windrichtung

Management

Betrieb und Instandhaltung - Geld wird im Windbereich künftig mit Dienstleistungen verdient. Zahlreiche unabhängige Anbieter haben sich bereits positioniert. Worauf sollten kommunale Betreiber von Windenergieanlagen achten? Was müssen die Anbieter leisten, um Aufträge für Betriebsführung oder Wartung zu bekommen?

22. April 2016

Für durchschnittlich zwei bis fünf Jahre schließen Windparkbetreiber Verträge mit Dienstleistern für die Betriebsführung oder die Wartung und Instandhaltung der Windenergieanlagen (WEA) des Parks. Wenn der Anbieter seine Sache gut gemacht hat, werden die Verträge meist verlängert.

Wenn nicht, trennen sich die Wege und ein anderer Anbieter bekommt eine Chance. Aber auch für den Auftraggeber eröffnen sich Möglichkeiten.

lukrativer markt

Ein Grund dafür ist der große Bestand an Onshore-WEA zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen. Deshalb ist die Zahl der Serviceanbieter in den Jahren immer größer geworden. Zum 31. Dezember 2015 gab es laut dem Statusbericht der Deutschen Windguard bundesweit mehr als 25.000 Onshore-Anlagen. Zirka 20.000 waren mindestens fünf Jahre alt. Wenn deren Betreiber alle zwei bis fünf Jahre neue Verträge für Betriebsführung oder Wartung abschließen, können die Anbieter theoretisch regelmäßig neue Kunden und damit Marktanteile gewinnen.

Praktisch sieht es anders aus. Wenn ein Serviceunternehmen gute Arbeit gemacht hat, wird der Vertrag in der Regel verlängert und andere Anbieter haben das Nachsehen. Oder der Anbieter ist nicht regional präsent und müsste eigens über hunderte Kilometer anreisen, um einen Windpark zu warten.

Was die Arbeiten verteuert und zudem wertvolle Zeit kostet, wenn eine Anlage aus technischen Gründen stillsteht.

Trotzdem gilt der deutsche Markt und dessen Volumen für Serviceaufträge als sehr lukrativ. So kam es, dass im März der dänische WEA-Hersteller Vestas für 88 Mio. € den unabhängigen Dienstleister Availon kaufte. Ob und wenn ja welche Auswirkungen diese Übernahme hat, ist noch nicht abzusehen. Aber sie symbolisiert die Bewegung, die es im Servicegeschäft gibt zugunsten der Betreiber. Die Anbieter müssen sich bewegen.

Betreiber profitieren

Der Kuchen ist groß und wer möglichst viele Stücke behalten oder bekommen will, muss innovative Produkte haben und gute Angebote machen. Ein Beispiel ist die Firma Ostwind in Regensburg. Das Unternehmen hat vorigen Herbst ein neues Produkt auf den Markt gebracht namens ›Betriebsführung on demand‹.

Denn Betreiber ist nicht gleich Betreiber. Kommunale Energieversorger haben andere Anforderungen an einen Betriebsführer als beispielsweise eine Bürgerwindgemeinschaft. »Im Fokus steht immer die Frage, was ist wirklich nötig und bringt Mehrwert?«, sagt Ostwind-Geschäftsführer Jörg Zinner. »Was können die Betreiberinnen und Betreiber selbst leisten, was sollten wir als Fachleute für Windkraft machen? Wir betreiben selbst Windparks und haben unser Know-how in das Konzept einfließen lassen.« Das Basismodul umfasst die kaufmännische sowie technische Betriebsführung. Zudem können bei Bedarf bis zu drei Zusatzbausteine gebucht werden. Schalthandlungen in Windparks können kommunale Windparkbetreiber wie Stadtwerke in der Regel selbst vornehmen, weil sie technisches Fachpersonal haben. Deshalb stellt Ostwind schaltberechtigtes Personal nur dann, wenn die Betreiber es explizit wünschen und den entsprechenden Baustein buchen.

weniger ist mehr

Auch für die Direktvermarktung des Windstroms gibt es in der Regel Experten in den kommunalen Unternehmen. Darum übernimmt das Ostwind nur dann, wenn der Betreiber es möchte.

Regional können die Anforderungen an die Betriebsführung variieren. Im Norden Deutschlands müssen Betreiber mit WEA-Abregelungen seitens der Netzbetreibers rechnen, im Süden kommt das kaum vor.

Darum hat Ostwind auch einen Baustein für optimierte Ertragsausfallberechnung konzipiert. Das Konzept spiegelt die Anforderungen wider, die viele kommunale Versorger haben. Weniger Rundum-sorglos-Paket, mehr Risiko und einen höheren Eigenanteil bei Anlagenbetrieb und Instandhaltung.

EWE in Oldenburg betreibt derzeit 50 Onshore-Anlagen mit einem Durchschnittsalter von knapp 13 Jahren. Das kommunale Unternehmen erwartet nach eigenen Angaben von unabhängigen Serviceunternehmen eine bedarfsorientierte Wartung und Instandsetzung, Kostentransparenz, ertragsoptimierten Betrieb sowie einen Weiterbetrieb auch über das 20. Betriebsjahr hinaus.

Mehr Risiko

Das Wind-Portfolio der Thüga Erneuerbare Energien umfasst nach eigenen Angaben derzeit 223 MW. Keine WEA ist älter als fünf Jahre. Aktuell verfügen alle Windparks über Vollwartungsverträge mit dem jeweiligen Anlagenhersteller mit einer Laufzeit von zehn Jahren und mehr. So langfristig will sich der Unternehmen aber künftig nicht mehr binden.

»Der Anteil an Projekten mit Vollwartungsverträgen wird in nächster Zukunft sinken«, so das Unternehmen.

Der Grund: neben der Pacht ist Vollwartung ein wichtiger Kostenfaktor für Betreiber. Daher will die Thüga genau prüfen, bei welchen Herstellern oder WEA die Vollwartung aus Kosten-Risiko-Aspekten weiterhin Sinn macht oder ob es auch mit Basiswartung getan ist.

Neue Kostenrechnung

Mittel- und langfristig profitieren die Betreiber von der Tendenz, immer leistungsstärkere WEA zu installieren obwohl die Vergütung zurückgeht. »Früher legte man rund 1,1 Cent pro kWh zugrunde für die Kosten von Service, Wartung und Ertragsausfall«, sagt Andreas Markowsky von der Ökostromgruppe Freiburg. »Heute sind es 0,9 Cent.«

Denn die neuen Anlagen haben tendenziell eine größere Leistung als alte Anlagen. »Die Kosten steigen zwar auch, aber unterproportional«, so Markowsky. In der Summe gehen also die Servicekosten pro Kilowattstunde leicht zurück. Das gilt in der Regel auch für Pachten und Versicherungsbeiträge. 

 

Erschienen in Ausgabe: 04/2016