Neues Kapital für Stadtwerke

Private Equity als Finanzierungsmöglichkeit

Kommunale Versorgungsunternehmen haben ihre Stellung auch im liberalisierten Energiemarkt bewahren können. Doch der Wettbewerbsdruck nimmt zu und viele Kommunen denken über einen Verkauf ihrer Beteiligungen nach. In diesem Fall bietet sich Private Equity als Finanzierungsmöglichkeit an.

09. August 2004

Viele Kommunen interessieren sich für innovative Formen der Finanzierung. Ein gangbarer Weg ist die Beteiligung eines Private Equity Fonds. In einem derartigen Fonds legen Privatinvestoren Kapital an, das das Fondsmanagement in interessante Beteiligungsmöglichkeiten investiert. Der kommunale Eigentümer kann so Veräußerungserlöse generieren, behält aber je nach der Höhe des bei der Stadt verbleibenden Anteils ein Mitspracherecht. Ebenso bleiben die gewachsene Unternehmenskultur des Stadtwerkes sowie sein Management bestehen. Ein weiterer Vorteil der Finanzierungsform Private Equity (PE) ist, dass die Stadtwerke ihren wertvollen Kundenstamm behalten und eigene Kundenbindungsstrategien unabhängig erarbeiten und umsetzen können.

Schließlich können auch bestehende Optimierungspotenziale gehoben werden. Das gilt für die Kostenebene, aber auch für Kooperationen. Ein konzernunabhängiges Unternehmen muss keine Rücksicht auf übergeordnete Interessen einer Muttergesellschaft nehmen.

„Das Potenzial für die Beteiligung von Private Equity Investoren ist bei den Stadtwerken sicherlich gegeben“, sagt Ralf Schwarz, Energieexperte bei der LBD Beratungsgesellschaft mbH in Berlin. Laut Schwarz stehen notwendige Investitionen vielerorts vor allem für die technische Überholung von Anlagen aufgrund ihrer Altersstruktur an. Daneben gebe es aufgrund des neuen Energiewirtschaftsgesetzes einen deutlichen Finanzierungsbedarf.

Der Private-Equity-Investor kann im Gegenzug für die Finanzierung eine gut abgesicherte Investition tätigen. Die Beteiligung an Energieversorgern ist relativ risikoarm, weil die Einnahmen sehr stabil und gut planbar sind. „Das Pfund, mit dem die Stadtwerke wuchern können, ist die geringe Wechselbereitschaft ihrer Kunden“, erklärt Schwarz. Beim Strom liege diese im Haushaltskundensegment bei drei bis fünf Prozent. Beim Gas gebe es hier noch keinen Wettbewerb.

Für Finanzinvestoren sind vor allem folgende Varianten interessant: Bei renditestarken größeren Stadtwerken beteiligen sich Investoren auf Basis eines angemessenen Preises. Die Kommune kann so einen Veräußerungserlös generieren und eine eventuelle Minderheitenposition des Investors mit einer Garantiedividendenregelung vergüten. Auch mehrere kleine bis mittlere Werke in einem Versorgungsgebiet können sich für beide Seiten lohnen.

Den Kommunen steht ein Partner zur Bewältigung der Marktveränderungen zur Seite. Die Finanzinvestoren sorgen dafür, dass ein regionaler Energieverbund aufgebaut wird. Die aus der Bildung des Verbunds entstehenden Synergieeffekte verbessern die Rentabilität und Dividendenfähigkeit.

Neben der alleinigen Beteiligung des PE-Investors gibt es auch die Möglichkeit, zusätzlich einen großen Energieversorger mit einem kleinen Unternehmensanteil mit ins Boot zu nehmen (syndiziertes Investment). Unter Beachtung der kartellrechtlich zulässigen Grenzen erwirbt dieser dabei nur einen Anteil von bis zu 10 %. Die über den Fonds gepoolten PE-Investoren beteiligen sich mit mindestens 25,1 % bis hin zu einem Mehrheitsanteil an den Stadtwerken. Ein Kooperationsvertrag regelt dann die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Im Rahmen der kartellrechtlichen Zulässigkeit schreibt dieser Maßnahmen zur Verbesserung der Rentabilität fest und sorgt so für eine profitable Geschäftstätigkeit.

Dabei sind Branchenkenntnisse und die Generierung von Synergieeffekten ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Gegenstände des Anlagevermögens können gemeinsam genutzt werden. Im Einkauf sind Einsparungen über gemeinsame Ausschreibungen möglich.

Erschienen in Ausgabe: 08/2004