Neues Planetengetriebe optimiert Betrieb

Windkraftanlagen stellen spezielle Anforderungen an Infrastruktur

Die zunehmende Anteil von Strom aus Windkraftanlagen stellt die Stromnetze auf die Probe. Hauptproblem: Windkraft ist nicht planbar. Nun werden Konzepte erarbeitet, um aus Windkrafträdern effiziente Stromerzeugungsanlagen für eine konditionierte Stromeinspeisung zu formen.

17. Februar 2003

Die RWE Solutions ist im RWE-Konzern für Individuallösungen im Industriebereich und für Netzlösungen verantwortlich. Ein Schwerpunkt liegt in der Neugestaltung von Netzinfrastrukturen entsprechend den Anforderungen, die durch die Windenergienutzung entstanden sind. Ziel ist es, aus einzelnen Windkraftanlagen Parks und kraftwerksähnliche Einheiten zu formen - mit Vorteilen und steigender Effizienz in Betrieb, Netzmanagement und Wartung und nicht zuletzt mit höherer Konstanz bei der Energieeinspeisung. Die Zusammenfassung einzelner Windräder und die Leistungsabführung an einem definierten Einspeisepunkt ins Netz des Energieversorgers stellt eine weitere wesentliche Stoßrichtung dar.

Daneben treibt das Unternehmen eigene technische Entwicklungen zum Optimieren von Wirkungsgrad und Verfügbarkeit der Windkraftanlagen voran. Jüngstes Beispiel ist MA Dynacon: Die Technik kombiniert ein auf lange Lebensdauer hin optimiertes, mehrstufiges Planetengetriebe mit geringem Bauvolumen mit einem robusten Synchrongenerator mit Hilfs- und Steuerantrieb. Alle Bauteile sind besonders wartungsarm, wie RWE Solutions berichtet. Das System erlaubt einen drehzahlvariablen Betrieb der Windräder, den Ausgleich von Windböen und damit eine stabilere Energieabgabe. MA Dynacon lässt sich für alle Baugrößen realisieren, sowohl in Neuanlagen als auch bei Re-Powering-Lösungen.

Gleichermaßen entwickelt RWE Solutions individuelle Komplettlösungen für die Netzinfrastruktur sowie für das Betriebsmanagement und insbesondere für Planung, Bau und Betrieb von Umspannwerken. Dadurch sind nur einmal Genehmigungen erforderlich, mit dem Netzbetreiber sind nur für einen Standort Verhandlungen zu führen, durch die gemeinsame Nutzung einzelner Kabeltrassenabschnitte für mehrere Windkraftanlagen reduziert sich die Zahl der betroffenen Grundstückseigentümer. Zudem beschleunigt und automatisiert ein einheitliches, auf offenen Softwaresystemen basierendes Betriebsmanagement die Steuerung der Anlagen und die Einspeisung ins Netz. Es macht ja kaum Sinn, dass jeder Windpark-Betreiber eine eigene Leittechnikzentrale zur Steuerung und Überwachung der wenigen dezentralen Anlagen vorhält oder für Instandsetzungsaufgaben und den eventuellen Stördienst eigenes Personal bindet.

Ein Beispiel findet sich in Gerdau-Schwienau nahe Uelzen: Hier hat die RWE Solutions für zwei Windkraftanlagen-Betreiber mit insgesamt 24 Einzelanlagen ein 110-kV-Umspannwerk entwickelt und gebaut. Heute ist der Energiedienstleister partnerschaftlich in Betrieb und Wartung eingebunden. Heiko Ross, Technischer Geschäftsführer der Plambeck Neue Energien Netzprojekt GmbH, lobt: „Das Umspannwerk wurde in der außerordentlich guten Zeit von nur fünf Monaten realisiert - professionell und absolut termintreu. Auch die Kooperation zwischen den Betreibern der Windparks, dem Netzbetreiber E.on Netz und der RWE Solutions gestaltete sich in meinen Augen exemplarisch gut.“

Die Umspannwerke werden hinsichtlich ihrer Größe und Regelleistungsplanung jeweils individuell und standortabhängig geplant. Dies gilt gleichermaßen für die Leitungstrassen, die abhängig von räumlichen Gegebenheiten und Entfernungen konzipiert werden.

Auch die Softwareplattform Masis, die die RWE Solutions Tochter SAG Energieversorgungslösungen GmbH entwickelte, setzt die Plambeck Neue Energien ein: „Diese Lösung ist sehr interessant für uns, weil sie ein offenes Konzept verfolgt und wir damit alle Anlagen transparent aus einer Hand betreiben und warten können, ohne uns auf den Standard eines Energieversorgungsunternehmens festlegen zu müssen.“

Erschienen in Ausgabe: 11/2002