Niedrigzinsphase

Die Bundesnetzagentur hat auf das anhaltend niedrige Marktzinsniveau reagiert und unter anderem den Basiszins für Netzbetreiber von 3,8 auf 2,49 % reduziert. Das Beratungsunternehmen Roland Berger hat bereits untersucht, welche Folgen die Neuregelung haben könnte. Unternehmen könnten laut Studie bis zu einem Drittel ihres Wertes verlieren.

18. Oktober 2016

Vor allem kleinere und mittlere Energieversorger müssen künftig negative Auswirkungen auf ihre Renditen befürchten, so Roland Berger.

Rund 40 % der EVU mit Netzbetrieb hätten so Bedarf, rasch auf die Senkung des Zinsniveaus zu reagieren, um einen Rentabilitätsverlust von über 20 % zu vermeiden, heißt es. Dadurch würde auch ihre Verschuldung steigen; viele Unternehmen würden dann an Unternehmenswert verlieren, heißt es in der Untersuchung namens ›Endspiel im Energienetz‹.

Geschäftsmodell hinterfragen

»Investitionen in Energienetze waren früher ein attraktives Geschäft«, sagt Torsten Henzelmann von Roland Berger. »Nun wird auch die letzte Profitabilitätsquelle in Frage gestellt.« Hatten bisher Investitionen in den Netzausbau höchste Priorität, würden die Muttergesellschaften der Netzbetreiber künftig genauer hinschauen, ob sie nicht eher in erneuerbare Energien investieren sollten, so Henzelmann.

Um eine Schieflage zu vermeiden, sollten Versorger auf die aktuellen Veränderungen mit einer Anpassung ihrer Geschäftsstrategie reagieren. Obwohl die Strategie stark vom Unternehmen abhängt, empfehlen die Roland-Berger-Experten in ihrer Studie vier allgemeine Handlungsoptionen. 

Vier Handlungsoptionen

Erstens – zügige Desinvestition: Das gilt für Unternehmen, die einerseits stark von der Zinsanpassung betroffen sind und andererseits keine günstigen Finanzierungskonditionen realisieren können.

Zweitens – Leadership-Strategie: Versorger, die unter großem Handlungsdruck stehen, aber über eine gute Bonität verfügen und ihre Finanzierung bereits optimiert haben, sollten über eine Ausweitung ihres Engagements im Netz nachdenken, etwa durch Zukauf von Netzgesellschaften.

Drittens – Nischenstrategie: Auch Unternehmen, die heute aufgrund moderater Investitionen nicht unter Handlungsdruck stehen, sollten ein verstärktes Engagement im Netz erwägen. Dabei sollten sie sich auf Netzgesellschaften mit gemeinsamen Eigenschaften fokussieren, zum Beispiel mit einheitlich hohen oder geringen Investitionsaktivitäten.

Viertens – Harvest-Strategie beziehungsweise langsame Desinvestition: Unternehmen, die keinen Zugriff auf günstiges Fremdkapital haben, sollten ihre Investi­tionen zurückfahren und langfristig einen vollständigen Rückzug erwägen, heißt es in der Studie.

Inkrafttreten ab 2018

Die Neuregelung tritt mit der dritten Regulierungsperiode in Kraft, die im Gasbereich 2018 beginnt und im Strombereich 2019.

Ende vorige Woche hatte die Bundesnetzagentur die Neuregelungen bekannt gegeben. Der Eigenkapitalzinssatz für Strom- und Gasnetzbetreiber beträgt künftig für Neuanlagen 6,91 %.

Für Altanlagen wurde ein Zinssatz von 5,12 % ermittelt. Derzeit betragen die Zinssätze 9,05 % für Neuanlagen und 7,14 % für Altanlagen.