Noch zwölf Monate bis zum Rollout

Spezial - Trends 2016

Messwesen - Anfang November verabschiedete das Bundeskabinett den Gesetzesentwurf zur Digitalisierung der Energiewende. Er basiert auf dem Referentenentwurf des Wirtschaftsministeriums vom September. Hier die wichtigsten Neuerungen.

30. November 2015

Ein wesentlicher Bestandteil des Referentenentwurfes ist das neue Messstellenbetriebsgesetz (MsbG), das alle Fragen rund um Rollout und Finanzierung der intelligenten Messsysteme sowie datenschutzrechtliche Anforderungen regelt. Klare Kostenregelungen mit Preisobergrenzen sollen sicherstellen, dass die Kosten den erwarteten Nutzen für den Endkunden nicht übersteigen. Der Rollout der modernen Mess- und Steuerungstechnik startet 2017 zunächst für Großverbraucher mit einem Jahresstromverbrauch ab 10.000 kWh und Erzeuger zwischen 7 und 100 kW installierter Leistung. Kleinere Verbraucher und Erzeuger sollen ab 2020 folgen.

Messstellenbetriebsgesetz

Für die Energiebranche hat das MsbG weitreichende Folgen: Kosten- und Effizienzdruck für den intelligenten Messstellenbetrieb sind bereits jetzt absehbar hoch und werden weiterhin sukzessive ansteigen. Im klassischen Messstellenbetrieb nimmt die Menge konventioneller Technologien ab –vorhandene Skalen entfallen. Für den intelligenten Messstellenbetrieb hingegen müssen auch für anfänglich geringe Mengen einzubauender Geräte bereits komplexe Prozesse und IT-Systeme vollumfänglich umgesetzt werden. Aufgrund der Komplexität und der hohen Skaleneffekte werden nur wenige Versorger die notwendigen Funktionen alleine erbringen können. Dies gilt nicht nur für die Gateway-Administration, die laut Branchenexperten erst ab etwa 300.000 bis 700.000 intelligenten Messsystemen wirtschaftlich realisierbar ist, sondern auch für die Prozesse des grundzuständigen Messstellenbetriebs.

Grundzuständiger Betreiber

Nach der Veröffentlichung des Gesetzesentwurfes gilt es nun, die neuen Vorgaben zu analysieren und die erforderlichen Konsequenzen für das eigene Unternehmen abzuleiten. Stadtwerke müssen aufgrund der im Gesetz definierten Zeitfenster in absehbarer Zeit entscheiden, ob sie die Grundzuständigkeit für den Messstellenbetrieb behalten oder ausschreiben. Fällt die Wahl auf die Ausschreibung, geben sie langfristig den gesamten Messstellenbetrieb aus der Hand. Damit entfällt nicht nur eine Chance, die Energiewende vor Ort zu gestalten, vielmehr geht auch der direkte Kontakt zum Endkunden verloren.

Strategische Fragen

Zukunftsorientierter scheint die Entscheidung, grundzuständiger Messstellenbetreiber zu bleiben. In diesem Fall gilt es, zeitnah strategische, planerische und technische Fragestellungen zu beantworten, zum Beispiel: Wie ist der Einbau von modernen Messeinrichtungen und intelligenten Messsysteme inhaltlich und zeitlich zu planen und zu steuern? Ist es ratsam, nur die verpflichtenden Einbaufälle oder gleich sämtliche Messstellen umzubauen? Wie geht man mit der neuen Aufgabe der Gateway-Administration um? Welche Schritte sind nötig, um den Rollout vorzubereiten? Aufgrund der Vielzahl der gesetzlichen Anforderungen für die verschiedenen Marktteilnehmer sind solche Fragen pauschal schwer zu beantworten. Daher ist eine detaillierte Erarbeitung unternehmensindividueller Geschäftsmodelle und Strategiealternativen notwendig. Nur auf dieser Basis lässt sich fundiert bewerten, welche Leistungen selbst erbracht werden können und für welche die Zusammenarbeit mit Partnern sinnvoll ist.

Anbieterunabhängige Beratung

Voltaris bietet Stadtwerken in diesem Entscheidungs- und Gestaltungsprozess anbieterunabhängige Unterstützung an: Mit strategischer Beratung und Tools zur Erarbeitung von Rollout-Kalkulationen, Handlungsalternativen und der kundenindividuellen System- und Prozessgestaltung. Sowie durch das Angebot eines breiten Dienstleistungsspektrums für das zukünftige System- und Prozessumfeld.

Hierzu zählen insbesondere Installation und Inbetriebnahme – inklusive Gerätebeschaffung, Gerätemanagement von modernen Messeinrichtungen und intelligenten Messsystemen – sowie Konfiguration, Überwachung und Fehlerbehandlung im Rahmen der Betriebsprozesse.

Dienstleistungspaket

Zusätzliche Synergieeffekte können erzielt werden, wenn die Gateway-Administration mit weiteren Bausteinen aus den Bereichen Mess- und Energiedatenmanagement kombiniert wird. Die Grundlage hierfür ist ein modulares Baukastensystem, mit dessen Hilfe dem Kunden ein flexibles und vollumfängliches Dienstleistungspaket angeboten werden kann.

Voltaris wird die Lösungen rund um den Rollout auf der kommenden E-world vom 16. bis zum 18. Februar 2016 in Essen präsentieren. Ein Beispiel für diese umfassende Dienstleistungslösung ist der Voltaris-Messsystem-Operator: Mit diesem flexiblen IT-System können die neuen intelligenten Zähler und Messsysteme einfach verwaltet, in Betrieb genommen und sicher betrieben werden. Energieversorger sind so in der Lage, die ›neue Welt‹ sofort zu bedienen. Neben den Marktrollen Netzbetreiber und Lieferant können auch die Funktionen des Messstellenbetreibers abgebildet werden. Damit ist dieses massentaugliche System in seiner Ausprägung einzigartig in Deutschland und geht weit über die Funktionen einer herkömmlichen Geräteverwaltung hinaus.

Standardschnittstellen

Der Messsystem-Operator arbeitet mit Standardschnittstellen und kann unabhängig vom ERP- beziehungsweise Abrechnungssystem des Kunden eingesetzt werden. Er stellt zukünftig alle Module bereit: das vorgeschriebene Gateway-Administrationssystem, eine Geräteverwaltung, die speziell für intelligente Messsysteme erweitert wurde, inklusive Abwicklung der WiM-Prozesse, ein Middleware-System als Datendrehscheibe zur Steuerung von Montageaufträgen sowie additive Bausteine aus dem Datenmanagement. Optional kann auch ein Workforce-Management-System angebunden werden.

Modul-Bausteine

Der modulare Aufbau des IT-Systems bietet Stadtwerkekunden die freie Wahl: Sie nehmen nur die Bausteine in Anspruch, die sie wirklich benötigen. Trotz aller Risiken, die sich aus dem Referentenentwurf ableiten lassen: Intelligente Messsysteme bieten Versorgern große Chancen für die Neugestaltung der Kundenbeziehungen und das Angebot von innovativen Mehrwertdiensten.

Kabinettsbeschluss vom 4.11.2015 zur Digitalisierung der Energiewende www.bmwi.de/DE/Themen/energie.html

Erschienen in Ausgabe: 10/2015