Für die Beschäftigten der kritischen Infrastruktur, also die Bereiche, die direkt für die Aufrechterhaltung der Versorgung verantwortlich sind, gelten besondere Vorsorgemaßnahmen. Darauf weisen die Stadtwerke München SWM hin.

ANZEIGE

So sind etwa die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wassergewinnung in festen Teams auf mehrere Standorte verteilt worden. „Somit bleibt die Trinkwasserversorgung sichergestellt, selbst wenn ein Team-Mitglied betroffen wäre und es Auswirkungen auf dessen/deren ganzes Team hätte“, heißt es in einer SWM-Mitteilung.

Ergänzend zu den grundsätzlichen Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen wurde ihnen nahegelegt, auch im privaten Umfeld Veranstaltungen und Zusammenkünfte, wie Familienfeiern, vorübergehend zu meiden.

ANZEIGE

Die SWM haben intern Koordinierungsstäbe mit Vertretern aus allen Bereichen sowie den Werkärzten eingesetzt. Diese stehen im engen Austausch mit den verantwortlichen Behörden. Sie beobachten die aktuelle Lage, bewerten das Risiko jeden Tag aufs Neue im Rahmen ihres Pandemieplans und leiten die jeweils notwendigen Vorsorgemaßnahmen sowie mögliche Reak-tionen für alle Unternehmensbereiche ab.

Dr. Florian Bieberbach, Vorsitzender der SWM-Geschäftsführung: „Als Betreiber kritischer Infrastruktur – Energie- und Trink-wasserversorgung, öffentlicher Nahverkehr, Telekommunikation – müssen wir unsere Maßnahmen zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger bestmöglich abwägen. Wir folgen einem klaren Pandemieplan mit dem obersten Ziel, das Ansteckungsrisiko im Unternehmen so gering wie möglich zu halten. Wir wollen insbesondere verhindern, dass Quarantäne-Maßnahmen nötig werden, die unsere Leistungen für die Stadt beeinträchtigen könnten.“

Anlässlich der aktuellen Lage in Deutschland im Zusammenhang mit der zunehmenden Verbreitung des Corona-Virus erklärt der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), Prof. Dr. Gerald Linke: „Durch die grundsätzlichen Vorkehrungsmaßnahmen und Krisenpläne der Versorger ist gewährleistet, dass auch in Situationen wie wir sie aktuell erleben, die Versorgung der Menschen in Deutschland mit Gas und Wasser zuverlässig und vollumfänglich sichergestellt ist.“

Leitwarten ständig besetzt

Wichtig ist vor allem, dass jene Bereiche dauerhaft mit zuständigem Fachpersonal besetzt sind, die für die Steuerung der Versorgungsprozesse grundlegend und unerlässlich sind, so der Verband. Insbesondere für sogenannte Leitwarten gibt es Vorkehrungsmaßnahmen, die eine Aufrechterhaltung der notwendigen Funktionen garantieren. Ein für die Gas- und Wasserbranche verbindliches Regelwerk des DVGW schreibt konkrete Maßnahmen für Krisensituationen fest und ist allgemein anerkannt.

Mögliche Folgen für den Strommarkt

Ob Büroangestellte wegen des Coronavirus im Büro oder Homeoffice arbeiten, spielt für den Strombedarf kaum eine Rolle, da die persönlichen Geräte hier wie dort laufen, und die Server-Infrastruktur in den Firmen auf jeden Fall in Betrieb ist. Darauf weist Aurora Energy Research hin.

Demnach sank in der Finanzkrise im Jahr 2009 die Stromnachfrage in Deutschland um 6 Prozent. „Somit erscheint es plausibel, dass eine Corona-bedingte Rezession zu einem Rückgang des Strombedarfs um 5 bis 10 Prozent führen könnte“,so Aurora.

Falls Fabriken geschlossen werden, könnten die Auswirkungen noch größer sein, heißt es. Die Industrie verbraucht fast die Hälfte des deutschen Stroms, Produktionsstopps würden sich daher deutlich in der Stromnachfrage niederschlagen.

Für den Strommarkt würde dies sinkende Großhandelspreise bedeuten. „Steinkohlekraftwerke mit ihren relativ hohen Grenzkosten werden öfter aus dem Markt gehen, während die derzeit niedrigen Gaspreise dafür sorgen, dass Gas-und-Dampf-Kraftwerke weiterhin deutlich häufiger zum Einsatz kommen als noch vor einem Jahr“, so Aurora. Das hat deutliche Vorteile für den Klimaschutz, da Gaskraftwerke pro Kilowattstunde Strom nur rund halb so viel CO2 ausstoßen wie Kohlekraftwerke.