NRW und Thüringen fördern Mieterstrom

Ende Oktober und Anfang November haben Nordrhein-Westfalen und Thüringen Förderprogramme für Mieterstromprojekte aufgelegt. Zudem sollen die für solare Mieterstromprojekte fälligen staatlichen Abgaben ab 1. Januar 2017 sinken.

08. November 2016

Dann soll die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes die für Mieterstrom fälligen Abgaben um 60 Prozent verringern. Das könnte den Strom für Mieter um bis zu 4 Cent pro kWh billiger machen, teilt das Solar Cluster Baden-Württemberg.

Anbieter von Mieterstrom müssen seit Mitte 2014 die volle EEG-Umlage zahlen, wenn sie die Mieter mit dem hausgemachten Strom vom Dach versorgen. Hauseigentümer, die den Strom ihrer eigenen Anlage nutzen, müssen dagegen je nach Größe der Anlage keine oder nur eine geringe Umlage entrichten.

Hinzu kommen bei Mieterstromvorhaben zusätzliche Kosten etwa durch aufwändige Zählerkonzepte. Der Ertrag solcher Modelle war infolgedessen meist zu gering, um auf dem Markt eine Chance zu haben.

„Von Mieterstrom profitieren alle Akteure“, sagt Carsten Tschamber vom Solar Cluster Baden-Württemberg. „Das Marktpotenzial in Deutschland ist außerordentlich hoch.“ Viele Unternehmen und Energieversorger seien unlängst in den Markt eingestiegen.

Solare Mieterstrommodelle funktionieren in der Regel nach folgendem Prinzip: Der Gebäudeeigentümer verpachtet sein Dach an ein Unternehmen, eine Energiegenossenschaft oder ein Stadtwerk, das dort eine Photovoltaikanlage errichtet, betreibt und die Mieter mit dem günstigen Solarstrom beliefert.

Nah gestromt

Ende Oktober hat Nordrhein-Westfalen Förderprogramme für Mieterstrommodelle und Solarstromspeicher gestartet. Das neue Förderprogramm für PV-Mieterstrommodelle zielt darauf, Mieterinnen und Mieter mit Solarstrom aus der unmittelbaren Nähe zu versorgen.

Gefördert werden die Umrüstung des Zählerkonzeptes sowie datenbankbasierte Abrechnungssysteme. Weitere Informationen dazu bietet das Landesumweltministerium (Link).

Mehr Eigenverbrauch

Auch Thüringen hat im November das Landesförderprogramm „Solar Invest“ gestartet. Damit soll die Einführung von Mieterstrommodellen vorangetrieben und der Eigenverbrauch von Solarstrom erhöht werden. 

Zudem werden Investitionen in Photovoltaikanlagen und Energiespeicher bezuschusst, sofern der Strom für den Eigenverbrauch genutzt wird. Ebenfalls gefördert werden Beratungsleistungen zum Beispiel für Bürgerenergiegenossenschaften, die an Photovoltaik-Ausschreibungsverfahren teilnehmen möchten.

„Thüringens neues Förderprogramm ist ein klares Bekenntnis zur Solarenergie und überbrückt schmerzhafte Lücken auf Bundesebene“, so der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar). Weitere Informationen zum Förderprogramm auf den Seiten des Landes Thüringen (Link ).

Zum Start der Landesförderung hat der BSW einen Leitfaden Geschäftsmodelle mit PV-Mieterstrom veröffentlicht sowie die erste Ausbaustufe des Info-Webportals www.sonneteilen.de gestartet.

Hemmnisse

Obwohl nun also Fortschritte in Sachen Mieterstrom gemacht werden, gibt es noch einige Hemmnisse, die der weiteren Ausbreitung des Modells im Wege stehen, wie das Solar Cluster Baden-Württemberg weiter mitteilt. Aktuell fehlt es an eindeutigen Regelungen, wie die Stromzähler angeordnet sein müssen und in welcher Form der Netzanschluss zu erfolgen hat. Auch der Wechsel von Mietern zu einem anderen Stromanbieter erfordert eine enge Abstimmung mit dem Netzbetreiber.

Im Fall der Wohnungswirtschaft kommt hinzu: Wird sie Anbieter eines Mieterstromprojektes, generiert sie Umsätze und setzt damit die erweiterte Gewerbesteuerkürzung aufs Spiel.

Auch ist noch nicht klar, ob die Verringerung der Abgaben überhaupt zum 1. Januar kommt. Im Gesetz ist sie nicht festgeschrieben, sie soll mit einer Verordnung nachgeliefert werden.

„Die Bundesregierung sollte sich beeilen, sonst wird sich zum Jahreswechsel nichts ändern“, sagt Tschamber. Sollte das der Fall sein, hat das Bundesland Baden-Württemberg bereits angekündigt, ebenfalls ein Förderprogramm aufzulegen, um die Verbreitung von Mieterstromprojekten zu fördern.