Nur Fliegen ist schöner

Technik-Aufmacher

Ausstattung - Der Branche geht es gut, weltweit sind Windenergieanlagen im Bau oder in Planung. Für spezialisierte Zulieferer entstehen lukrative Aufträge, wenn sie zwei Trends bedienen können: Proaktive Wartung und Retrofit.

03. April 2017

Einen Tag lang hat eine Offshore-Pilotanlage von Vestas mit einer Leistung von neun MW unter Volllast Strom erzeugt. Die Windenergieanlage (WEA) speiste den Angaben zufolge fast 216.000 kWh ins Netz, so MHI Vestas.

Turbinen von Siemens mit sieben MW sind unter anderem vorgesehen für das Großprojekt Hohe See vor Borkum (siehe Seite 6). Enercon beginnt dieses Jahr mit der Serienfertigung der neuen 4-MW-Plattform. Vier, sechs, acht oder neun MW: Die Hersteller setzen immer neue Standards.

Der Bedarf für Windenergieanlagen ist da, sowohl in Europa wie weltweit. Hersteller, die ihre Hausaufgaben gemacht haben, können mit vollen Auftragsbüchern rechnen. 2016 installierten die Unternehmen weltweit WEA mit einer Leistung von 54 GW. Im Länderranking des Global Wind Energy Council dominierte China vor den USA, Deutschland und Indien.

Kommt der Trump-Effekt?

In China erwarten Experten 2017 eine Konsolidierungsphase, im US-Markt sind im ersten Amtsjahr von Präsident Donald Trump wohl noch keine negativen Auswirkungen zu erwarten, für 2018 und später ist eine Prognose schwer. Trump hält nicht viel von Erneuerbaren. Aber zahlreiche Einzelstaaten in den USA haben sich dem Klimaschutz verpflichtet. Daran ändert auch Trump nichts.

Marktanteile umkämpft

In Deutschland gibt es massive Vorzieheffekte bei der Installation von Windparks, um der Pflicht zur Teilnahme an Ausschreibungen der Einspeisevergütung zuvorzukommen. Fachleute sprachen zu Jahresbeginn von einer Pipeline genehmigter Projekte bundesweit mit einem Volumen von fünf bis 6,5 GW.

2018 und später folgt aber unter keinen Umständen ein jäher Rückgang des Zubaus auf Null. Die Ausbaukorridore des EEG sind klar definiert. In Summe weisen die Vorzeichen auf weiteren Zuwachs bei der Windstromerzeugung hin; in Deutschland, in Europa und weltweit.

Die Marktanteile sind hart umkämpft, dass zeigen der angekündigte Stellenabbau bei Senvion sowie die Insolvenz von FWT energy Ende Januar. FWT beschäftigte zuletzt rund 70 Mitarbeiter; bei Senvion sollen weltweit 780 Arbeitsplätze wegfallen, wie die Firma Mitte März bekannt gab. Das zeigt: trotz guter Aussichten läuft nichts von selbst im Geschäft mit Windenergieanlagen. Auch für die Zulieferer gilt es, Ideen zu entwickeln und Innovationskraft zu zeigen.

Viel versprechen sich die Firmen von Lösungen für proaktive Wartung von Onshore- und Offshoreanlagen oder die Ertüchtigung von WEA im Bestand. Auch spezielle Systeme für die Rotorblattüberwachung mittels Sensoren und Lasertechnik sind inzwischen auf dem Markt.

SSB Windsystems begann zu Jahresbeginn mit der Fertigung der Vollfeld-Windmesslösung Blade Vision. Grundlage für die Neuheit liefert eine Technologie, die auf Messungen der Verformung von Rotorblättern in Kombination mit einer hochentwickelten Signalanalyse- und Auswerteeinheit basiert, so SSB.

Videokamera im Rotorblatt

»Blade Vision besteht aus einer Software sowie einer speziellen Auswerteeinheit, einer eigens entwickelten Hochleistungs-Digitalkamera sowie selbstreinigenden Reflektoren, die im Inneren der Rotorblätter installiert werden können«, heißt es in einer Produktbeschreibung. Weidmüller hat ebenfalls ein System zur Überwachung der Rotorblätter entwickelt. Die sensible Sensorik von Bladecontrol erkennt Beschädigungen oder eine Vereisung bereits im Initialstadium, heißt es in einer Produktinformation. »So lassen sich frühzeitig entsprechende Maßnahmen einleiten, die einen Anlagenstillstand vermeiden.«

Vereisung überwachen

Bei schwerwiegenden Schäden sendet das System ein Signal an die Anlagensteuerung, die daraufhin die Anlage sofort stoppt und einen Blattbruch verhindern kann.

Das System besteht unter anderem aus Sensoren an den Rotorblättern, einem Nabenrechner, einer optionalen Datenübertragung via WLAN sowie einem Auswertungs- und Kommunikationsrechner. Der Eisansatz verändert durch sein zusätzliches Gewicht das Eigenschwingungsverhalten des Rotorblattes. Durch Sensorik und Auswertungsverfahren erreicht das System eine Messauflösung der Eisdicke im Millimeterbereich, so Weidmüller.

Monitoring

Bachmann stellte im Januar ein Modul zur Drehzahl- und Positionserfassung insbesondere im Windbereich vor. Bachmann bettet das Modul SCT 202 direkt in die Anlagensteuerung M1 ein. Aufgaben wie Betriebsführung und Sicherheitstechnik werden damit ganzheitlich integriert, heißt es. (hd)

Erschienen in Ausgabe: 03/2017