Oberbillig schreibt Technikgeschichte

In Oberbillig an der Mosel gibt es künftig neben Wasser und Wein noch eine Besonderheit. Die Gemeinde hat in Stralsund eine Fähre mit Elektromotor bauen lassen. Es handelt sich den Angaben zufolge um die erste Fähre dieser Art weltweit. In Kürze wird sie an den Einsatzort verschifft.

24. Oktober 2017

„Mit der Neubeschaffung einer modernen, strombetriebenen Fähre werden jährlich rund 14.000 Liter Diesel eingespart und die Abgas- und Lärm-emissionen deutlich reduziert“, so Andreas Beiling, Ortsbürgermeister von Oberbillig in einer Mitteilung der Stralsunder Unternehmen Formstaal und Ostseestaal.

 

Die beiden Spezialunternehmen haben sich nach eigenen Angaben in jüngerer Vergangenheit mit eigenentwickelten Elektro-Solarschiff-Projekten erfolgreich auf dem Markt der maritimen Elektromobilität etabliert.

 

„Die neue, 28 Meter lange Fähre mit umweltschonendem Antriebskonzept wird pro Fahrt bis zu 45 Fahrgäste und sechs Autos befördern“, heißt es in einer Mitteilung.

 

Seit 1966 pendelt auf der Mosel an der deutschen Grenze eine konventionelle Autofähre zwischen Oberbillig und der luxemburgischen Gemeinde Wasserbillig.

 

Um Elektro-Solarschiffe wirtschaftlich betreiben zu können, zeichnet diese eine extreme Leichtbauweise und der Einsatz energieverbrauchsoptimierter Komponenten aus. Mit den Erfahrungen aus den vorangegangenen Schiffsprojekten haben die Stralsunder Konstrukteure eine Reihe innovativer Lösungen beim Bau der Elektro-Solar-Autofähre verwirklicht, heißt es.

 

Zum Beispiel wurden in das Elektromanagementsystem neuartige Lithium-Polymerbatterien, verbesserte E-Ladetechnik und neu entwickelte Elektromotoren integriert.

 

Die Autofähre ist mit insgesamt vier Elektromotoren ausgestattet.

 

Erstmals sind diese im Schiffsrumpf so eingebaut worden, dass sie demontiert werden können, ohne die Fähre aus dem Wasser heben zu müssen.

 

Die optimierte Linienführung des Schiffsrumpfes führt dazu, dass die Wasserverdrängung der Fähre um zehn Prozent geringer ausfällt als bei einem konventionellen Schiff.

 

In diesem Vergleich konnte durch das E-Mobilitätskonzept die Geräuschemission um 80 Prozent gesenkt werden.

 

Energiesparend wirkt sich auch der Einsatz von LED-Leuchten an Bord aus.

 

„Unsere Schiffe benötigen im Vergleich zu konventionellen Schiffen für die gleiche Leistung lediglich ein Viertel der Antriebsleistung“, so Ingo Schillinger, Senior Sales Manager bei Formstaal/ Ostseestaal.

 

Die weltweit erste vollelektrische Autofähre für Binnengewässer wird in den kommenden Tagen in Stralsund endausgerüstet und getestet. Verladen auf ein Binnenschiff tritt sie danach die Reise an die Mosel an.

 

Für den 21.11.2017 ist geplant, die neue Autofähre an ihrem künftigen Einsatzort an den Auftraggeber, die Gemeinde Oberbillig, abzuliefern.

 

Getauft werden soll sie am 25.11.2017.

 

Fakten und Daten zur Elektro-Solar-Autofähre

 

Länge: 28,00 Meter

Breite:   8,90  Meter

Dienstgeschwindigkeit: 7 km/h

Höchstgeschwindigkeit: 13 km/h

Personenzahl: 45

Personenkraftfahrzeuge: 6

Solarmodule: 15 (gesamt 5,4 kWp)

Batteriekapazität: 252 kWh