Öl-Branche spart Strom

Software steuert und kontrolliert Pumpen

Um die Energieverbräuche der Mineralölverbundleitung besser unter Kontrolle zu haben, investierte der Betreiber in das Tool „Maximus“ der EUS. Mit der Energiemanagementlösung hat die MVL eine wichtige Voraussetzung geschaffen, um Rohöl nicht nur sicher, sondern auch kostengünstig zu transportieren.

09. November 2001

Nahe der polnischen Grenze, sprudelt eine der wichtigsten Ölquellen Deutschlands: Die Mineralölverbundleitung (MVL) Schwedt GmbH transportiert mit rund 20 Mio. t russischem Erdöl jährlich etwa ein Viertel des bundesdeutschen Rohölbedarfs. Das aus Sibirien stammende beziehungsweise in Danzig angelandete Rohöl gelangt über zwei Pipelines nach Deutschland. Mit Pumpwerken verschiedenster Größenordnungen leitet die MVL nahezu 50 % des Rohöls in die benachbarte Raffinerie nach Schwedt und den verbliebenen Anteil über ein Tanklager zur Raffinerie nach Spergau.

Als Großverbraucher musste die MVL schon zu DDR-Zeiten ihre Spitzenlastbezüge an elektrischer Energie (Braunkohle) streng in Grenzen halten. Mit einem neuen Softwaresystem aus dem Hause EUS, Gelsenkirchen, hat die MVL nun die Energieverbräuche der einzelnen Anlagen so hervorragend im Blick, dass die Verträge für den Energiebezug noch enger und kostengünstiger geschnürt werden konnten.

Eine angepasste und vor allem kundenfreundliche Lösung wurde von der EUS Gesellschaft für innovative Energieumwandlung und -speicherung mit der Weiterentwicklung des bereits seit drei Jahren in der Energiewirtschaft praxiserprobten Energiemanagement-Softwaresystems „Maximus“ vorgestellt.

Das ursprünglich für die energieintensive Stahlindustrie entwickelte System für den Einsatz in Leitwarten visualisiert und prognostiziert die Leistungsbezüge einzelner Verbraucher. Über eine grafische Oberfläche können die Verbraucher zur Optimierung des Energiebezugs komfortabel angezeigt werden. Für die Leitwarte werden kostenoptimale Entscheidungen, die den Produktionsprozess nicht beeinträchtigen, durch das System vorbereitet und wesentlich erleichtert.

Für die MVL Schwedt ergänzt eine Offline-Komponente das Online-System, die den werkseigenen Energieverbrauch auch für nachträgliche Analysen transparent darstellt. Um das System stufenweise einzuführen, wurden zunächst alle vorhandenen Energiezähler und Telekommunikationsanlagen auf dem Betriebsgelände überprüft. Danach erfolgte die Installation und Verbindung der fehlenden Hardware. Für die energiestarken Anlagen wurden Summenstationen eingerichtet, die jeweils über 64 Werte von den Zählern parallel erfassen und weiterleiten können. Kleinere Verbrauchsstellen - wie Tankgruppenverteilungen - erhielten kostengünstige Datenlogger mit Schnittstellen zum hauseigenen Telekommunikationsnetz.

Zunächst wurde das Maximus-Online-System installiert, das dem Schichtpersonal die aktuellen und prognostizierten Verbräuche der einzelnen Pumpenstationen übersichtlich anzeigt. Je nach Förderrichtung und Beschaffenheit des Rohöls kann das Personal zwischen vier Vor- und drei Hauptpumpstationen, drei Zwischenpumpstationen und fünf Pipelines wählen. Insgesamt sind über 3.000 Varianten kombinierbar. Der Bereichsleiter Betrieb, Dieter Pohlann von der Mineralölverbundleitung Schwedt GmbH erklärte: „Die klare und fundierte Auskunft, welche Variante bei gegebenen Produktionsanforderungen energieoptimal ist, stellt eine wichtige Entscheidungshilfe für das Personal dar.“

Aufsetzend auf diesem bewährten Softwaresystem entwickelte das Unternehmen EUS im Rahmen des Projektes mit dem Modul „Maximus e-Control“ ein neues System, das die Energieverbräuche definierten Kostenstellen zuordnet. Dabei können den einzelnen Kostenstellen auch anteilig mehrere Zählerwerte zugeordnet und anschließend mit einem Tarifvertrag bewertet werden

Insgesamt brauchte das Pilotprojekt von der Auftragsvergabe bis zur Einführung etwas länger, als erwartet worden war. „Was länger währt, wird wirklich gut: Die Ingenieure der EUS haben die Bedieneroberfläche so lange angepasst, bis unsere Mitarbeiter ein praxistaugliches Tool hatten, das ihren speziellen Wünschen gerecht wird“, meint Pohlann. Mit dem Maximus e-Control hat die MVL eine wichtige Voraussetzung geschaffen, um Rohöl an der osteuropäischen Hauptschlagader nicht nur sicher, sondern auch kostengünstig zu transportieren.

Erschienen in Ausgabe: 07/2001