Offene Lösung

Monitoring von Emissionen

Anfang 2005 startete der Emissionshandel. Doch leider sind in Deutschland noch nicht alle Rahmenbedingungen geklärt. So gibt es noch keine klaren Vorgaben zu Erfassung und Berichterstattung. Eine Lösung ist die Open-Source-Software EuMoS, an deren Entwicklung sich Unternehmen in einer Nutzergruppe engagieren können.

18. Mai 2005

Die behördlichen Datenformulare RISA I und RISA II, die zur Datenmeldung für den Nationalen Allokationsplan (NAP) und zur Antragstellung auf Zuteilung von Emissionszertifikaten dienten, wurden von der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) nicht als Monitoring-Software konzipiert und sind folglich für diese Aufgabe wenig geeignet. Und im Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz (TEHG) wird lediglich auf die Monitoring-Leitlinien der EU verwiesen, die aber nicht eindeutig und nicht konkret genug sind.

Es bedarf also streng genommen noch der weiteren Auslegung durch die DEHSt und die zuständigen Landesbehörden, bevor die Unternehmen agieren können. Aber die Zeit läuft den Unternehmen davon. Für die meisten betroffenen Unternehmen war es daher unerläßlich, sich schon vor Januar 2005 mit dem Monitoring ihrer CO2-Emissionen zu beschäftigen.

Einzige Hilfe: die EU-Monitoring-Leitlinie

Einzige Hilfestellung dabei war die oben genannte Monitoring-Leitlinie. Diese sieht vor, daß das Vorgehen bei der Datenüberwachung, die sogenannte Monitoring-Methodik, jedem betroffenen Unternehmen bei Beginn des Emissionshandels vorliegt und bei der Prüfung durch einen Sachverständigen herangezogen wird. Gegebenenfalls mußte oder muß diese Methodik auch von der Behörde genehmigt werden. Zudem sollen gemäß Monitoring-Leitlinie die betroffenen Unternehmen ein Datenerfassungssystem einrichten.

Dieses Datenerfassungssystem sollte in der Lage sein, die jährliche Berichterstattung der CO2-Emissionen in elektronischer Form durchzuführen. Eine Vorgabe des elektronischen Berichtsformats soll noch von der DEHSt erfolgen. Zu den rechnergestützten Datenerfassungssystemen, die die Vorgaben der Monitoring-Leitlinie bereits berücksichtigen sowie schnell und flexibel neue behördliche Anforderungen umsetzten können, gehört die Monitoring-Software EuMoS.

Unterstützung aus Bayern, Hessen und Thüringen

EuMoS erlaubt Unternehmen, die am EU-Emissionshandel teilnehmen, ihre CO2- bzw. Treibhausgasemissionen auf einfache und systematische Weise zu erfassen und auszuwerten sowie verschiedene Berichte auszugeben. Darüber hinaus verfügt EuMoS über die Schnittstellen zu den bisherigen behördlichen Datenformaten (RISA GEN I und II). So konnten die Nutzer von EuMoS die Software für die Datenerhebung sowie für das Antragsverfahren einsetzen und brauchten die meisten Daten nur einmal einzupflegen.

Die Entwicklung von EuMoS wurde im Jahr 2002 vom Bayerischen Umweltministerium und der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. im Rahmen des Umweltpaktes Bayern in Auftrag gegeben. Im Jahr 2003 wurde die Version aktualisiert und erweitert. Die Weiterentwicklung unterstützten neben den bayerischen Institutionen auch Ministerien und Verbände in Hessen und in Thüringen. Um die Praxisnähe des Systems zu gewährleisten, wurden zudem von Beginn an zahlreiche vom Emissionshandel betroffene Unternehmen in die inhaltliche Entwicklung eingebunden. Im Jahr 2003 wurde die Software sogar von über 50 Unternehmen getestet und auf dieser Basis praxisorientiert und bedienerfreundlich weiterentwickelt. Dank der ideellen und finanziellen Unterstützung der oben genannten Institutionen kann das System in seiner Grundversion heute und in Zukunft kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

Quellcode von EuMoS ist frei verfügbar

EuMoS wurde unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht. Damit ist der Quellcode für jeden Benutzer verfügbar und veränderbar. Das in der Programmiersprache PHP implementierte System basiert auf einer My-SQL-Datenbank und läuft auf einem Apache-Webserver. Beides ist ebenfalls kostenlos unter einer Open-Source-Lizenz erhältlich. Die aktuelle Version von EuMoS und weitere Information sind unter www.eumos.de zu finden.

Der jüngste Schritt zur weiteren Verbesserung des Systems ist die Einrichtung einer EuMoS-Nutzergruppe. Diese wurde vom EuMoS-Entwicklungsteam, bestehend aus den Firmen ERM GmbH, EUtech GmbH, Aspera OHG sowie 500 PPM GmbH, ins Leben gerufen. Zweck der Nutzergruppe ist es, eine kostengünstige Weiterentwicklung von EuMoS zu gewährleisten. Mitte November 2004 wurde das Konzept auf einer Auftaktveranstaltung in Frankfurt vorgestellt. Jedes Unternehmen, das an der Nutzergruppe teilnimmt, finanziert mit seinem Beitrag die Entwicklung weiterer Module. Die Teilnahme bietet außerdem die Chance, auf die Weiterentwicklung des Systems Einfluß zu nehmen und eigene Wünsche für neue Module und Bedienungsfunktionen einzubringen. Jedes Mitglied hat ein Mitspracherecht bei der Entscheidung über die Verwendung der Mittel. Mit der Teilnahme an der Nutzergruppe hat jeder Teilnehmer darüber hinaus die Möglichkeit, an den halbjährlichen Veranstaltungen zu allgemeinen Entwicklungen im Emissionshandel und dem Stand der EuMoS-Nutzergruppe kostenlos teilzunehmen.

Eine Teilnahme an der Nutzergruppe bietet sich für alle Unternehmen an, die EuMoS bereits einsetzen oder den Einsatz planen. Mit EuMoS steht den Betreibern ein praxiserprobtes, flexibles und kostengünstiges Monitoringsystem zur Verfügung, das alle notwendigen Anforderungen für den Emissionshandel schon jetzt erfüllt und den Einstieg und die Arbeit im Emissionshandel erleichtern wird.

(Dr. Jörg Meyer, Birger Simon, Alexandra Simon-Tönges, EUtech Energie & Management GmbH, Isabel Häfner, ERM GmbH Steffen Harms, 500 PPM GmbH)

Erschienen in Ausgabe: 03/2005