Ohne Erdgas keine Klimaziele

Markt

Kraftwerke - VNG feiert in diesem Jahr 20-jähriges Jubiläum und schloss 2009 mit einem Rekordergebnis ab. Beteiligt ist man jetzt an der GuD-Anlage Halle-Trotha.

02. September 2010

»Ich hatte nach 1989 das Glück, als Vorstandsvorsitzender bei VNG Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft einen unglaublich spannenden Wandlungsprozess erleben und gestalten zu können. Darauf blicke ich mit großer Dankbarkeit und mit Stolz zurück«, sagt der Vorstandsvorsitzende Professor Klaus-Ewald Holst, der zum 1. September den Firmenvorsitz an seinen Nachfolger Dr. Karsten Heuchert übergab.

Holst wird zum 30. September 2010 aus dem Vorstand ausscheiden. »Wie VNG heute dasteht, habe ich in meinen kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt«, blickt Holst zurück.

Die VNG AG ist heute eine international tätige Unternehmensgruppe, die aus Russland, Norwegen und anderen Quellen europäische Großkunden und Kommunen mit Erdgas versorgt. Zudem ist man unter anderem auch aktiv in Polen, Italien, in Österreich, der Schweiz, in der Slowakischen und der Tschechischen Republik, in Frankreich und in Luxemburg.

Der Erdgasimporteur verbuchte im Geschäftsjahr 2009 einen Überschuss von 169,9Mio.€. Das entspricht einer Steigerung von mehr als 20% gegenüber 2008 und übertrifft sogar den bisherigen Rekordwert von 2006. Das Ergebnis ist laut Holst angesichts des Rückgangs des europäischen Erdgasbedarfs und steigendem Wettbewerb umso bemerkenswerter.

Einen Rückgang verbuchte VNG im Jahresvergleich lediglich beim Umsatz und zwar um rund 700 Mio.€ auf 4,8Mrd.€. Der Grund liegt nach Angaben des Unternehmens in den stark schwankenden Bezugspreisen für Erdgas, die im Jahr 2008 – ebenso wie für andere Energieträger wie Erdöl und Kohle – Höchstmarken erreicht hatten und im vergangenen Jahr wieder deutlich nachgaben.

Beschaffung und Einkauf im Einklang

Der langjährige Unternehmenslenker weiß auf was es im Erdgasgeschäft ankommt: »Es ist die große Kunst, die Beschaffung und den Verkauf miteinander in Einklang zu bringen. Nur wenn es uns gelingt, zu guten Konditionen die richtigen Mengen zum richtigen Zeitpunkt einzukaufen, können wir unseren Kunden in Verbindung mit unseren Dienstleistungsangeboten konkurrenzfähige Konditionen bieten«, betonte er auf der Bilanzpressekonferenz im Mai.

Das Unternehmen habe Potenzial, weil man auf allen relevanten Zukunftsfeldern aktiv sei, ist sich Holst sicher. »Wir verbreitern unseren Bezug, insbesondere durch stärkere Aktivitäten an den Spot- und Terminmärkten und durch den Aufbau einer eigenen Erdgasförderung in der Nordsee.« Ab 2017 sollen bis zu 10% des Erdgasbedarfs von VNG aus eigenen Quellen gedeckt werden. Aktuell besitzt man Anteile an 25 Lizenzen auf dem norwegischen Kontinentalschelf, darunter an zwei bereits produzierenden Feldern. Dem Tochterunternehmen VNG Norge ist zudem der Sprung vom Lizenznehmer zum Betriebsführer gelungen.

Hinzu komme darüber hinaus, dass man den Wettbewerb nutze und neue Märkte im Westen Deutschlands sowie in Europa erschließe. »Wir unterstützen die Entwicklung einer dezentralen Energieversorgung, indem wir die Nutzung der hocheffizienten Mikro-BHKW fördern auch durch eine eigene Technologiepartnerschaft. Und wir fördern und betreiben selber die Produktion des besonders klimaschonenden Bioerdgases«, berichtet der Branchenkenner.

Ein weiteres interessantes Geschäftsfeld sind Kraftwerke. Seit Jahresanfang 2010 ist man an der Kraftwerksgesellschaft in Halle-Trotha beteiligt und bildet seither mit den Stadtwerken Halle ein Joint Venture zur Ertüchtigung und zum Betrieb des Kraftwerkes am Standort.

Bis Ende 2011 werden hier eine neue Gasturbine installiert, die Dampfturbine modernisiert und die Leittechnik sowie die gastechnische Anbindung erneuert. Ziel war nicht einfach die Gasturbine zu ersetzen, sondern nach einer Variante zu suchen, mit der man noch flexibler auf die Anforderungen des Wärme- und Strommarktes reagieren konnte.

Die modernisierte Kraftwerksanlage kann sowohl auf den Wärmebedarf der Stadt reagieren als auch in den Übergangs- und Sommermonaten mit einer reinen Stromerzeugung für die Spitzen- und Mittellast arbeiten.

Insgesamt will man somit einen Jahresbrennstoffnutzungsgrad von mehr als 75% erreichen. Die Stadtwerke Halle und VNG investieren rund 23,5Mio.€ in den Umbau des Gemeinschaftskraftwerks.

Zukunft für Erdgas-Kraftwerke

Bei VNG ist man von der Zukunft von Erdgas-Kraftwerken überzeugt, da sie sich aufgrund der kurzen Anfahr- und Abfahrzeiten als sehr flexible Anlagen auszeichnen. Aus diesem Grund sei deren Einsatz gerade in der Spitzenlaststromerzeugung und zum Ausgleich der volatilen Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien eine gute Lösung.

Holst vertraut darauf, dass »die Politik das große Potenzial, das Erdgas für die Energieversorgung in Deutschland und Europa insgesamt hat, endlich erfasst«.

Ohne Erdgas werde Deutschland jedenfalls seine Klimaziele nicht erreichen können. »Eine stärkere Kombination von erneuerbaren Energien und Erdgas wäre eine gute Lösung. Das gilt bei einer dezentralen Energieversorgung als Brennstoff für Mikro-BHKW. Das gilt aber auch für die Stromerzeugung im großen Maßstab.«

Denn wenn einmal der Wind nicht weht, so Holst, »brauchen wir Kraftwerke, die schnell hochgefahren werden können, um die Versorgung sicherzustellen. Mit Erdgas befeuerte Anlagen sind hier besonders gut geeignet.«

Überzeugt ist er auch von seinem Nachfolger Dr. Karsten Heuchert: »Am 1. September haben wir den Generationenwechsel im Vorstand gut und in den richtigen Schritten vollzogen. Mit seiner internationalen Erfahrung und seiner großen Kompetenz ist Herr Heuchert fachlich und auch menschlich ein echter Gewinn für VNG.« (mn) <

Erschienen in Ausgabe: 07/2010