Ohne Förderung keine Zukunft

Studie zur dezentralen Energieerzeugung

Die Lücke der installierten Kraftwerksleistung wird vorwiegend durch neue Kraftwerke auf Kohle- und Erdgasbasis sowie durch umfangreiche Modernisierungen der zentralen Anlagen geschlossen werden. Dezentrale Erzeugungsanlagen werden nur dort ergänzt, wo sie sich rechnen. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie.

11. Oktober 2004

Die Befragung sowie Recherchen im Rahmen der Studie & pos;Dezentrale Energieerzeugung - Kapazitäten, Entwicklungspotenziale und Perspektiven bis 2030& pos; des Trend- und Marktforschungsinstituts trend:research führen den aktuellen Status quo vor Augen: Bei den dezentralen Erzeugungstechnologien dominieren hinsichtlich der installierten Leistung gegenwärtig die On-shore-Windkraft- sowie die Gasund- Dampf(GuD)-Anlagen.

Der Anteil der GuD-Anlagen - mit einer Größe von weniger als 150 MW - an der gesamten dezentralen Erzeugungskapazitä wird insbesondere bis 2020 von der durch altersbedingte Stilllegungen entstehenden Versorgungslücke in Deutschland profitieren: Nur dieser Anlagentyp kann daher über den gesamten Zeitraum bis 2030 einen signifikanten Zuwachs verzeichnen.

Das Referenzszenario der Studie zeigt ferner einen moderaten Anstieg der installierten Windkraft-Leistung bis 2010. Hier ist zudem ein Trend zu größeren Leistungseinheiten zu beobachten. Allerdings sinkt der Anteil der Windkraft bis zum Ende des Betrachtungszeitraums wieder auf das aktuelle Niveau, weil infolge der Ausnutzung der in Frage kommenden Binnenstandorte weniger Neubauten realisiert werden.

Unklare Vorstellungen zu virtuellen Kraftwerken

Dass überhaupt ein Wachstum bei den dezentralen Erzeugungstechnologien erfolgt, ist aus Sicht der Befragten überwiegend auf die Höhe der staatlichen Förderung zurückzuführen. Vor diesem Hintergrund wird davon ausgegangen, dass die mittel- und langfristigen politischen Vorgaben erreicht werden - d.h. der Anteil erneuerbarer Energieträger am Stromverbrauch steigt auf 12,5 % in 2010 bzw. 20 % in 2020.

Welchen Beitrag so genannte virtuelle Kraftwerke zum Erreichen dieser Vorgaben leisten können, ist laut Studie in der Energiewirtschaft derzeit ebenso unklar wie die zumeist ungenauen Vorstellungen darüber, was unter dezentraler Energieerzeugung sowie speziell unter virtuellen Kraftwerken eigentlich zu verstehen ist.

Vereinfacht gesprochen geht es bei den virtuellen Kraftwerken darum, viele kleine dezentrale Erzeugungsanlagen zu zentral steuerbaren Verbünden zu vereinen, um langfristig dezentrale Erzeugungstechnologien in die (überregionalen Strom-)Netze einbinden zu können. Ziel ist es, die unterschiedlichen Kraftwerke koordiniert einzusetzen, um Erzeugungskosten und Versorgungssicherheit zu optimieren und die Energie optimal zu steuern und zu vermarkten. Der Nutzen dieser Koordinierung erhöht sich, je heterogener die Kraftwerke sind.

Einschränkend wirkt sich hierbei aus, dass die zu veräußernde Strommenge groß genug sein muss, um überhaupt vermarktet werden zu können. Außerdem muss die Strommenge im Voraus bekannt sein, da sonst die Lieferung nicht garantiert werden kann. Diese beiden Bedingungen sind für dezentrale Stromerzeuger häufig jedoch nicht zu erreichen. Ein weiteres Problem beim Einsatz von virtuellen Kraftwerken ist, wie auch bei anderen dezentralen Anlagen, die Einspeisung in das Mittel- oder Niederspannungsnetz.

Auf die Zukunftschancen der virtuellen Kraftwerke angesprochen äußerten sich die Energieversorger insgesamt eher skeptisch bis pessimistisch: Einzelne betrachten dieses Konzept ohnehin als & pos;Hokuspokus& pos;, andere verweisen auf die bereits gängige Praxis bei Großanlagen, die schon im Verbund eingesetzt werden und somit den Vorteil einer & pos;virtuellen& pos; Vernetzung vorzuweisen haben. Häufig wurde aber auch unter dem Einsatz einer Netzleitstelle scheinbar dasselbe wie unter einem virtuellen Kraftwerk verstanden. Dieses diffuse Bild spiegelt sich in weiteren Befragungsergebnissen wider: So planen denn auch nur knapp 5 % der Befragten überhaupt den Einsatz von virtuellen Kraftwerken und verbinden dies zumeist mit der Einführung und Marktreife der Brennstoffzelle.

„Dezentrale Erzeugung per se unwirtschaftlich“

Schwerpunkt in der Energiewirtschaft ist und bleibt die zentrale Energieerzeugung. Zwar steht der Kernkraftausstieg bevor und Kohlekraftwerke werden ebenfalls altersbedingt abgeschaltet. Grundsätzlich gehen die befragten Unternehmen jedoch davon aus, dass die entstehende Lücke der installierten Kraftwerksleistung vorwiegend durch neue Kraftwerke auf Kohle- und Erdgasbasis sowie durch umfangreiche Modernisierungen der zentralen Anlagen geschlossen wird. Dezentrale Erzeugungsanlagen werden dort ergänzt, wo sie sich rechnen.

Vorerst bleibt die starke Abhängigkeit von der Förderung der dezentralen Energieerzeugung aber dominant. Begründet wird dies damit, dass die dezentrale Erzeugung per se unwirtschaftlich ist und lediglich bei spezifischen Projekten einen gewissen ökonomischen Nutzen bringen kann.

Negativ auf die weitere Entwicklung der dezentralen Energieerzeugung kann sich - laut Studie - zudem auswirken, dass es spätestens 2020 aufgrund der Stabilisierung des förderungsbedingten Wachstums der erneuerbaren Energien einen Rückzug der energiepolitischen Instrumente geben wird. So werden dann u.a. die Förderungen auf Grundlage des EEG auslaufen. Angesichts solcher Perspektiven muss die Zukunft der dezentralen Energieerzeugung als ungewiss bezeichnet werden.

Erschienen in Ausgabe: 10/2004